15 Fragen an Maciek Laskus von Startup Safary “Trefft euch regelmäßig mit anderen Gründern”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Maciek Laskus von Startup Safary.
“Trefft euch regelmäßig mit anderen Gründern”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Wenn du keinen Chef hast, ist jeder dein Chef – deine Kunden, deine Mitarbeiter, deine Partner. Es ist ein ständiger Kampf, alle involviert, motiviert und an Bord zu halten und man kann niemandem die Schuld geben, wenn die Dinge nicht funktionieren. Am Ende hat man alle selbst an Bord gebracht, sodass wenn jemand anderes nicht liefert, es letztlich deine eigene Schuld ist.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Ich nenne es ein versehentliches Start-up. Als wir mit der Arbeit an unserem ersten Event begannen, war es eigentlich nicht als Unternehmen geplant, erst recht nicht als Start-up. Ich wollte nur mein eigenes Problem lösen – ich wollte mich mit der Berliner Start-up-Szene vernetzen und hatte so meine Schwierigkeiten damit. Unsere eigene Veranstaltung zu organisieren sollte dabei helfen. Und es stellte sich heraus, dass viel mehr Menschen das gleiche Problem hatten. Nach ein paar Monaten haben wir dann erkannt, dass wir da an etwas dran sind und versuchen sollten, diese Idee in ein Unternehmen zu verwandeln.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Aus meinen eigenen Ersparnissen, einem kleinen Kredit von der Bank und laufenden Einnahmen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Cashflow. Wir haben es uns nicht ausgesucht das Unternehmen aus eigenen Mitteln zu finanzieren – wir konnten in den frühen Tagen einfach keine Mittel einwerben. Mit dem Label als „Event Business” hatten wir es besonders schwer Geld zu sammeln.

Das war eine große Herausforderung, auch für mich persönlich. Im Nachhinein war es aber durchaus von Vorteil, durch diese harte Zeit gegangen zu sein. Es zwang uns, herauszufinden welche Werte wir schaffen können und wie wir von Anfang an Geld verdienen können – wir hatten einfach keine andere Wahl. So entstand eine gesunde Basis für weiteres Wachstum.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde weniger tun. Wir haben zu viele Dinge versucht und wollten zu schnell wachsen. Stattdessen hätten wir uns auf den Ausbau der wenigen validierten Ideen konzentrieren und uns Zeit nehmen sollen, um wirklich zu verstehen, welche Probleme wir lösen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
In unserem Modell setzen wir auf inhärente Viralität – wir ermutigen die Startups und Unternehmen, Informationen darüber zu teilen, dass sie teilnehmen und Sessions in ihren Büros hosten. Wir bauen zudem in jedem Startup-Ökosystem Partnerschaften mit lokalen Communities auf und arbeiten mit ihnen zusammen daran, unsere Veranstaltungen in ihren Kanälen zu promoten.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Andere Gründer. Sie hatten ähnliche Probleme wie ich, während sie an anderen Unternehmen arbeiteten. Diese Peergroup war vor allem in den schwierigen Momenten enorm wichtig.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Versucht euch regelmäßig mit anderen Gründern zu treffen, die sich mit ihrem Unternehmen entweder auf der gleichen Entwicklungsstufe befinden wie ihr oder 1-2 Schritte weiter sind. Wenn es wirklich schwierig wird, werden dies die einzigen Menschen sein, die verstehen, was ihr durchmacht.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich finde nicht, dass die Regierung eine proaktive Rolle im Startup-Ökosystem spielen sollte.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich habe wirklich keine Ahnung.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Wahrscheinlich „Productive Mobile“, aber dort bin ich in gewisser Weise schon eine ‚Fliege an der Wand‘. Das ist ein Startup von einem engen Freund von mir, und es haut mich jedes Mal wieder von den Socken wenn ich sehe, wie professionell es geführt wird.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In die 60er um Teil der Hippie-Bewegung zu sein.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde es in meine Firma investieren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Normalerweise im Sisyphos, beim Raven in der Sonne.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Richard Feynman.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Maciek Laskus studierte an der Universität Warschau englische Philologie und Amerikanistik. Seit 2009 tritt er als Gründer auf und brachte 2012 Startup Safary an den Start. Die nächste in Berlin findet vom 13.-14.10.2016 statt.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.