"Wir sind anders als IKEA" wydr – eine richtig kunstvolle Tinder-Show

"Wir sind anders als IKEA, doch eine Galerie im klassischen Sinne sind wir auch nicht. Wir eröffnen einen neuen Markt, der bisher zwar existierte, aber nicht in einer so einfachen Form für die Nutzer zugänglich war", sagt Matthias Dörner von wydr.
wydr – eine richtig kunstvolle Tinder-Show

Auch vor der Kunstwelt macht die Digitalisierung nicht halt. “Bestehende Lösungen im Online-Bereich haben die Prinzipien des klassischen Offline-Marktes kopiert, doch echte Innovationen gab es bisher trotz der technischen Möglichkeiten nicht”, sagt Matthias Dörner, der die Kunst-App wydr gemeinsam mit Timo Hahn ins Leben gerufen hat. Die Schweizer beschreiben wydr als “offene Kunsthandelsplatform”, als “einfachen Zugang zur Kunstwelt”.

Dabei setzt das Duo auf das Tinder-Prinzip. wydr-Nutzer bekommen die Bilder auf der Plattform im Tinder-Format angezeigt und können nach rechts wischen, wenn ihnen ein Bild gefällt. “Die Künstler laden ihre Bilder selber hoch und bestimmen den Preis. Der Nutzer wiederum entscheidet mittels der Swipe-Funktion, welche Gemälde ‘hot’ sind und welche ‘not’. Automatisch erstellt er damit seine individuelle, private Galerie. Ein Community Rating summiert die Bewertungen und zeigt was wirklich gefällt”, erklärt Dörner das wydr-Prinzip.

Das bisher eigenfinanzierte Start-up setzt ansonsten auf ein klassisches Geschäftsmodell: “Wir verdienen nur bei einem erfolgreichen Verkauf. Eines unserer Ziele ist es schließlich, mehr Menschen für Kunst zu begeistern und mehr Künstler bekannt zu machen. Da wären Abo-Modelle oder Premium-Features nur hinderlich. Auf den Euro-Preis vom Künstler schlagen wir 30 % drauf. Dies bedeutet letztlich einen 77/23-Split bei einem Verkauf”, sagt Dörner.

“Mittlerweile haben wir unsere Jobs gekündigt”

Im Mini-Interview mit deutsche-startups.de spricht wydr-Mitgründer Matthias Dörner über Hindernisse, blindes Vertrauen und klassische Galerien.

Welches Problem wollen Sie mit wydr lösen?
Wydr ist eine offene Plattform, auf der sich junge Künstler und Kunstinteressierte einfach und schnell finden können. Die Künstler laden Ihre Bilder mit wenigen Klicks auf der Plattform hoch und können diese so einem breiten Publikum zugänglich machen. Es wird niemand ausgeschlossen und es müssen keine Hürden überwunden werden wie beispielsweise räumliche und zeitliche Hindernisse. Die User bekommen die Bilder im Tinder-Format angezeigt und können nach rechts wischen, wenn ein Bild gefällt und so die eigene Galerie aufbauen und vergrößern. Möchte der User ein Bild in die eigene Wohnung hängen, kann er es einfach über die App kaufen. Für Künstler bieten wir somit eine größere Reichweite und neue Kunden. Für Kunstinteressierte bieten wir einen einfachen und barrierefreien Zugang zu einem breiteren Spektrum an Kunst von jungen und noch meist unbekannten Künstlern. Wir liefern weltweit und ohne Zusatzkosten.

Jede Woche entstehen dutzende neue Start-ups, warum wird ausgerechnet wydr ein Erfolg?
Wir bieten für beide Seiten des Marktes eine Lösung. Den Künstlern ermöglichen wir den Zugang zu potentiellen Käufern und Kunstinteressierten. Usern bieten wir einen einfachen und unkomplizierten – nicht einschüchternden – Zugang zu neuen und meist unbekannten Künstlern. Dies alleine ist natürlich noch keine Garantie zum Erfolg. Wir Gründer verstehen uns blind und ergänzen einander fachlich und persönlich perfekt, was uns auch dazu veranlasst hat das Projekt wydr nicht nur während des Studiums zu verfolgen, sondern es tatsächlich umzusetzen. Mittlerweile haben wir beide unsere Jobs gekündigt, um uns Vollzeit auf wydr zu konzentrieren. Nach dem Launch im Januar stellen mittlerweile über 1.000 Künstler über 3.000 Bildern auf wydr. Und 30.000 aktive User swipen durch die Plattform.

Wer sind Ihre Konkurrenten?
Wir sind anders als IKEA, doch eine Galerie im klassischen Sinne sind wir auch nicht. Wir eröffnen einen neuen Markt, der bisher zwar existierte, aber nicht in einer so einfachen Form für die Nutzer zugänglich war. Klassische Galerien sehen wir deshalb nicht als Konkurrenz an, sondern vielmehr als Ergänzung.

Wo steht wydr in einem Jahr?
Wir sind gerade dabei die Basis für das zukünftige Wachstum zu bilden. Die ersten Tests waren erfolgreich und jetzt geht es darum nachhaltig zu wachsen und uns auch dafür entsprechend aufzustellen. Alle Aktionen gehen Hand in Hand mit genauen Beobachtungen des Nutzer-Verhaltens. Letzten Endes sind die Nutzer das Zünglein an der Waage und beeinflussen maßgeblich wie wir uns genau entwickeln werden. Die Userzahlen beispielsweise zeigen, dass der englischsprachige Markt bereits die größte Nutzergruppe darstellt. Kunst kennt keine Grenzen und funktioniert global, so ist auch wydr aufgestellt.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.