Jonas Stolzke von myBoo myBoo – mit Bambusfahrrädern im zweiten Jahr Break-even

Immer mehr Leute verzichten auf das Auto und steigen auf das Fahrrad um. Das ist viel gesünder und ist gut für die Umwelt. Fahrräder der besonderen Art vertreibt myBoo. Gründer Jonas Stolzke spricht im Gründer-Kurzinterview über Nachhaltigkeit, Bambus und über den Vergleich zu klassischen Rädern.
myBoo – mit Bambusfahrrädern im zweiten Jahr Break-even

I like to ride my bicycle – und es stimmt ja auch: Immer mehr Leute verzichten auf das Auto und steigen auf das Fahrrad um. Das ist viel gesünder und ist gut für die Umwelt. Fahrräder der besonderen Art vertreibt myBoo. Gründer Jonas Stolzke spricht im Gründer-Kurzinterview über Nachhaltigkeit, Bambus und über den Vergleich zu klassischen Rädern.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Vereinbarkeit aller drei Komponenten der Nachhaltigkeit in einem technisch hervorragendem Produkt: Wir möchten zeigen, dass soziale Verantwortung durch konkretes soziales Engagement und wirtschaftlich erfolgreiches unternehmerisches Handeln keine Widersprüche sind. Vielmehr glauben wir daran, dass beides elementare Grundwerte eines Unternehmens sein sollten. Daher fertigen wir gemeinsam mit unserem Partner, einem sozialen in Ghana, hochwertige Fahrradrahmen aus Bambus und vertreiben diese über den lokalen Handel als Kompletträder z.B. in Deutschland, Österreich, Schweiz, Italien oder Dänemark. Unser Partner Projekt in Ghana, finanziert durch den Bau der Rahmen viele lokale Aktionen wie Schulstipendien für Kinder oder Mikrokredite für junge Frauen.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Zu Beginn standen die Entwicklung des Produkts und die Zusammenarbeit mit Ghana im Vordergrund. Es war ein stetiger Lernprozess. Inzwischen sind die Strukturen deutlich professionalisiert, ohne dass dabei der soziale Aspekt in irgendeiner Weise leidet.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Unsere Bambusfahrräder mit anderen Bambusrädern, die teilweise im Selbstbauworkshop gebaut werden können zu vergleichen, macht keinen Sinn. Im Vergleich zu klassischen Rädern sind natürlich die Optik, der Rohstoff und vor allem die Geschichte besonders. Jeder Rahmen wird in einem kleinen Dorf in Ghana in Handarbeit gebaut. Und durch die Erlöse entsteht ein nachhaltiger Mehrwert in der Region. Bambus hat aber natürlich auch außergewöhnliche technische Eigenschaften. Unsere Rahmen sind leicht, extrem stabil und dabei noch überaus komfortabel zu fahren, da der Bambus natürliche Dämpfungseigenschaften besitzt.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Inzwischen erfreuen sich Bambusfahrräder großer Beliebtheit und Bekanntheit in Deutschland. Hemmschwelle ist noch der Preis. Wenn es gelingt durch Skaleneffekte die Preisdifferenz zu konventionellen Rädern, auch hier wieder: nur ohne Einbußen der sozialen Nachhaltigkeit in Ghana, zu verringern, haben Bambusräder ein riesiges Potential.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Wir verdienen klassischer Weise am Verkauf unserer Räder. Schon in 2015, in unserem zweiten Jahr, konnten wir unseren Break-even erreichen.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Die Weiterentwicklung findet auf 2 Ebenen statt: In der Produktpalette und geografisch. Großes Ziel ist die Entwicklung des ersten Bambus-Pedelcs mit Mittelmotor. Dies soll zur Saison 2017 gelingen. Zweite Komponente ist die Internationalisierung. Hier streben wir eine Offensive in den Nachbarländern Österreich, Schweiz, Niederlande und Dänemark an.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Entwicklung eines neuen E-Bikes, einen my Boo Flagship Store in einer der größten Städte Deutschlands eröffnen und die Finanzierung von über 200 Schulstipendien in Ghana.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Jonas Stolzke studierte Betriebswirtschaftslehre an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Das sozial-nachhaltige Start-up myBoo gründete er bereits während des Studiums.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.