Jana Tepe von Tandemploy “Jobsharing ist beliebt, aber meist ein Zufallsprodukt”

Tandemploy ist als Online-Plattform für Jobsharing gestartet. Die Seite richtet sich an Menschen, die sich mit anderen eine Vollzeitstelle teilen wollen sowie an Firmen, die solche Tandem-Jobs anbieten. Im Gründer-Kurzinterview spricht Gründerin Jana Tepe über Zufallsprodukte, den Pioniervorsprung und Reichweitenausbau.
“Jobsharing ist beliebt, aber meist ein Zufallsprodukt”

Tandemploy ist als Online-Plattform für Jobsharing gestartet. Die Seite richtet sich an Menschen, die sich mit anderen eine Vollzeitstelle teilen wollen sowie an Firmen, die solche Tandem-Jobs anbieten. Im Gründer-Kurzinterview spricht Gründerin Jana Tepe über Zufallsprodukte, den Pioniervorsprung und Reichweitenausbau.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Tandemploy.com ist die Online-Plattform zum Thema Jobsharing. Bei uns finden Menschen den perfekten Partner zum Teilen eines Jobs – und treffen auf die Unternehmen, die Jobsharing offen gegenüberstehen. Dadurch wird Jobsharing (= zwei Menschen teilen sich einen typischen Vollzeitjob in enger Teamarbeit und gemeinsamer Verantwortung) einfach und systematisch umsetzbar.

Die Idee dazu kam uns in unserem letzten Job in der Personalberatung. Dort landete eines Tages eine Tandembewerbung auf meinem Tisch: Zwei Menschen haben sich gemeinsam auf eine Führungsposition beworben und waren das perfekte Match. Sie haben zusammen deutlich mehr mitgebracht, als einer allein das könnte – und für sie war es die perfekte Möglichkeit, in einem qualifizierten Job flexibler zu arbeiten. Als wir dann bei Recherchen rausfanden, dass Jobsharing zwar durchaus beliebt, aber meist noch ein Zufallsprodukt war, stand unsere Entscheidung zur Gründung schnell fest.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Die Grundidee, Jobsharing für Menschen und Unternehmen einfach umsetzbar zu machen, hat sich bis heute nicht verändert. Auch unsere Vision, mit weniger, aber cleverer Arbeit mehr zu erreichen, ist bis heute die gleiche geblieben. Der Weg zum Ziel hat sich schon öfter mal geändert. Hier bleiben wir auch bewusst sehr flexibel und hören genau hin, was unsere Kunden wirklich von uns brauchen.

Viele neue Features oder auch zusätzliche Dienstleistungen sind entstanden, weil unsere Mitglieder oder Firmenkunden uns darauf gebracht haben. Viele unserer User haben nun z.B. schon einen Tandempartner über unsere Plattform gefunden und fragen uns um Unterstützung bei der gemeinsamen Bewerbung. Hier reagieren wir gerade und arbeiten an Bewerbungs-Templates für Jobsharer. Auf der anderen Seite fragen z.B. immer mehr große Unternehmen unseren Matching-Algorithmus zum Bilder der Tandems als White Label Lösung an, damit sie erst einmal intern ihre Mitarbeiter zusammenbringen können. Auch hierfür haben wir mittlerweile tolle Lösungen entwickelt.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Bisher haben wir tatsächlich noch den Pioniervorsprung, es gibt weltweit noch nichts Vergleichbares. Natürlich gibt es einige wenige Coaches und Berater, die sich auf Jobsharing spezialisiert haben und z.B. auch eine große Aufklärungskampagne durch den Schweizer Staat (Go-For-Jobsharing). Mit ihnen kooperieren wir von Anfang an, denn wir verfolgen schließlich alle das gleiche Ziel: Arbeit auf pragmatische Art und Weise etwas lebensfreundlicher zu gestalten.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Information! Jobsharing ist noch so vielen Menschen und Unternehmen unbekannt. Wenn sie aber davon erfahren, sind sie in aller Regel wahnsinnig neugierig, positiv und begeistert. Die größte Hürde für uns ist ganz klar, Jobsharing als Alternative zu klassischer Teilzeit und Vollzeit flächendeckend bei all jenen bekannt zu machen, die davon profitieren können – und uns als den perfekten Partner für die Realisierung zu etablieren. Dafür sind wir denke ich auf dem besten Wege. Der Zeitgeist ist unser Freund.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Für Arbeitnehmer und Freelancer ist unsere Plattform kostenfrei. Mit Unternehmen hingegen schließen wir Jahresmitgliedschaften ab, die je nach Mitarbeiterzahl und individuellem Paket unterschiedlich viel kosten. Über 40 Unternehmen sind bereits mit dabei, Tendenz und Nachfrage stark steigend. Ich würde sagen, wir sind auf dem richtigen Weg zu den berüchtigten schwarzen Zahlen.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Aktuell sind wir auf dem deutschsprachigen Markt unterwegs, also in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unsere Plattform ist allerdings auch bereits auf Englisch übersetzt und wir bekommen viele Anfragen aus anderen Ländern. Wir sind da ganz offen und können uns die Erschließung weiterer Märkte sehr gut vorstellen.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Ganz aktuell bauen wir erst einmal unser Team auf, damit wir Herausforderung Nummer 1 – den Reichweitenausbau – so richtig in Angriff nehmen können. Wir stellen vor allem im Marketing und Sales, aber natürlich auch in der IT ein. Das nächste Jahr wird somit ganz besonders spannend für uns.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Jana Tepe ist Gründerin von Tandemploy. Die Geschäftsführung teilt sie sich mit Anna Kaiser im Jobsharing. Jana Tepe studierte zunächst BWL und
Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Neue Medien in Münster und den
Niederlanden und kam nach ihrem Masterabschluss 2011 nach Berlin. Bei i-potentials, kennen lernte, verantwortete sie den internen Personalbereich und das Marketing.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.