5 Gründer klären auf Wie wichtig und bindend ist eigentlich ein Businessplan?

Wie wichtig und vor allen Dingen, wie bindend ist eigentlich ein Businessplan? "Allen ist bekannt, dass ein Zwei-Jahres-Businessplan eines Start-ups die reinste Glaskugel ist. Trotzdem werden solche Dokumente - in Deutschland - gern bis auf die letzte Annahme zerfleischt", sagt Michael Wendt von Locafox
Wie wichtig und bindend ist eigentlich ein Businessplan?

Wer ein Unternehmen aufziehen möchte, erstellt meist einen Businessplan – siehe auch “6 kostenlose Excel-Finanzplanvorlagen im Vergleichstest“. Doch, wie wichtig und bindend ist eigentlich so ein Businessplan? Wir haben fünf Gründerinnen und Gründer genau danach gefragt. Danke an Sebastian Diemer (Kreditech), Linh Nguyen (Kisura), Thomas Ruland (cloudcontrol), Simon Specka (Zenmate) und Michael Wendt (Locafox).

Wie wichtig und bindend ist ein Businessplan?

Ein Businessplan ist ein wichtiger Leitfaden, um zu kontrollieren ob man mit seiner Kalkulation des Geschäftsmodells richtig liegt und einen realistischen Zeitplan aufstellen kann. Es geht darum seine Vision anhand von Fakten (be-)greifbar zu machen, für potentielle Investoren, Geschäftspartner und auch für sich selbst! Der Businessplan ist damit ein steter Begleiter der Unternehmensentwicklung. Natürlich kommen aber auch Faktoren hinzu, die man bei der ersten Planung nicht einbeziehen konnte – Zukunftsprognosen hängen eben von zahlreichen, oft schwer einzuschätzenden Bedingungen ab. So wächst der Kundenstamm manchmal schneller als vorhergesehen, neue Mitarbeiter werden daraufhin früher eingestellt und dann müssen auch die Zahlen angepasst werden. Eine wichtige Eigenschaft für einen erfolgreichen Gründer aus meiner Sicht ist daher, immer wieder agil auf Veränderungen reagieren zu können.
Linh Nguyen, Kisura

Seed: 0 %. Series A: 50 %. Series B+: 100 %
Sebastian Diemer, Kreditech

Sehr gute Frage. Allen ist bekannt, dass ein Zwei-Jahres-Businessplan eines Start-ups die reinste Glaskugel ist. Trotzdem werden solche Dokumente – in Deutschland – gern bis auf die letzte Annahme zerfleischt und man wird oft daran gewertet. Meine Meinung: Die zweite Runde ist sowieso die schwerste: Da muss man dann spätestens Zahlen zeigen – und die müssen überzeugen! Egal, ob die Ergebnisse nun zum Businessplan passen oder nicht.
Michael Wendt, Locafox

Für mich ist der “thought process” dahinter wichtiger als 100 % dabei zu bleiben. Justierungen sind wichtig und notwendig bei Veränderung.
Simon Specka, Zenmate

Der Businessplan wird in Deutschland gerne zu ernst genommen. Es ist eine Theorie, die man validieren oder wiederlegen kann und dann wieder überdacht werden. Viele Gründer klammern sich zu sehr an dieses Konstrukt anstatt flexibel damit umzugehen.
Thomas Ruland, cloudcontrol

Die befragten Gründerinnen und Gründer im Kurz-Portrait

ds-sebastian-diemer-200Sebastian Diemer (Kreditech)
Sebastian Diemer gründete das Hamburger Start-up Kreditech 2012 – gemeinsam mit Alexander Graubner-Müller. Das junge Unternehmen, das durchaus umstritten ist, vermittelt in mehreren Ländern Kredite an Nutzer. 260 Millionen Euro Eigen- und Fremdkapital flossen bisher in das Start-up. Zu den Investoren gehört unter anderem Blumberg Capital.

ds-Linh-Nguyen-200Linh Nguyen (Kisura)
Linh Nguyen gründete Kisura gemeinsam mit Tanja Bogumil. Zuvor gründete Nguyen bereits Vaovia, eine Online Plattform zur Erstellung von Lebensläufen. Anschließend war sie bei der M&A-Beratung Corporate Finance Partners tätig und verantwortete dort wichtige Transaktionen im E-Commerce-Bereich. Kisura ist eine Personal-Shopping Plattform für Frauen zwischen Ende 20 und Mitte 50. Die Plattform ging im Mai 2013 offiziell an den Start.

ds-thomas-ruland-200Thomas Ruland (cloudcontrol)
Thomas Ruland gründete cloudcontrol gemeinsam mit Philipp Strube und Tobias Wilken. cloudcontrol unterstützt Webentwickler mit Hilfe einer hochverfügbaren und skalierbaren Lösung bei der Entwicklung, dem Hosting und der Wartung ihrer Software. Dabei können verschiedene Entwickler gleichzeitig an verschiedenen Versionen der Software arbeiten, ohne sich gegenseitig zu behindern.

ds-simon-specka-200Simon Specka (Zenmate)
Simon Specka gründete das Berliner Start-up Zenmate gemeinsam mit Markus Hänel. Das junge Unternehmen ermöglicht mit seinem Browser-Plugin verschlüsseltes Sur­fen – wie in einem virtuellen privaten Netzwerks (VPN). Mit einem Klick ist jeder Browserinhalt verschlüsselt und die original (IP) Adresse des eigenen Rechners versteckt. Rund um dieses Produkt soll langfristig eine Produktfamilie für Endnutzer entstehen. Zenmate ist das Startup des Jahres 2014.

ds-Michael-Wendt-200Michael Wendt (Locafox)
Michael Wendt gründete Locafox im Juni 2013 gemeinsam mit Karl Josef Seilern, Fabian Friede, Lukas Zels und Rob Morgan. Mittlerweile arbeiten rund 50 Mitarbeiter im Office in Berlin-Kreuzberg. Locafox hilft Konsumenten dabei, Produkte aus Geschäften in ihrer Umgebung zu finden. Zu den bisherigen über 350 Kooperationspartnern zählen auch Einzelhandelsgrößen wie MEDIMAX, Conrad Electronics, Gravis, Cyberport, Hugendubel und Peek&Cloppenburg.

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Foto: Businessman Writing Business Plan Growth Concept from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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