15 Fragen an Thilo Hardt von eWings “Aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man tolle Dinge bauen”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Thilo Hardt von eWings.
“Aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man tolle Dinge bauen”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Als Unternehmer eine Branche neu formen – wie wir es mit meiner vorherigen Gründung Mister Spex tun – und nun die Flugbranche mit eWings.com. Das ist das Spannendste, was ich mir vorstellen kann.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
In 2013 arbeitete ich im Investment-Team von DN Capital in London und bin beruflich und privat sehr oft nach Berlin geflogen. Obwohl ich stets die gleichen Flüge buchte, gab es auf den Seiten wie Expedia und Co. kein Aha-Erlebnis im Sinne von: “Thilo, schön dich wieder hier zu sehen. Geht es wieder nach Berlin? Hier sind die nächsten drei Monate in einer Übersicht.”

Während meiner Zeit bei Mister Spex haben wir in Sachen Produkt und CRM für Kontaktlinsen schon weit mehr gemacht. Plus: Die Kreditkartengebühren, versteckte Servicegebühren, Mietwagen- und Hotelangebote machen den Buchungsprozess von Flügen auf solchen Seiten nicht unbedingt angenehmer und schneller. Unabhängig davon waren die Dienste eines Reisebüros mit 25 – 50 Euro pro Flugbuchung zu teuer, also hieß es selber weiter online buchen oder was daran ändern.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Zu Anfang eigenes Geld und eine Anschubfinanzierung von Angeln und DN Capital. Zuletzt hat der High-Tech Gründerfonds (selbst Kunde von eWings.com), FSF Beteiligungen und Kimaventures mit den Altgesellschaftern weitere 1,1 Millionen Euro investiert.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Auch aus Steinen, die einem in Weg gelegt werden, kann man tolle Dinge bauen. Das schwerste war wohl alle davon zu überzeugen, dass es nicht verrückt ist, in diesen Markt zu gehen.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Alles. Auch die Dinge, die gut funktioniert haben. Konkret: Mehr in die Kundenansprache und Kommunikation investieren.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Tele-Sales. Wir müssen den Vielflieger, die Firma mit signifikantem Buchungsvolumen finden. Auf die Idee 95 Prozent der Flugbuchungskosten und Zeit zu sparen kommt niemand, wenn man es ihm nicht zeigt.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Mein Mitgründer Philipp Joas, den man wunderbar begeistern kann.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Mit den Worten meines Mitgründers Dirk bei Mister Spex: Wer sich für die erste Version, mit der man live geht, nicht schämt, der ist zu spät dran.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Da der Bundeswirtschaftsminister über den HTGF in eWings.com investiert ist, zunächst mal ein Danke. Für Deutschland würde ich mir wünschen, dass im deutschen Schulsystem bereits in der Sekundarstufe 1 Unternehmertum, Mikro- und Makroökonomie unterrichtet wird. Ein Schulabsolvent hat heutzutage keine Idee von Wirtschaft und wie man mit Geld umgeht.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich wollte immer Architekt werden. Brücken, Häuser – alles was es noch gibt, wenn ich nicht mehr bin.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
www.patience.io – ich glaube Nikolaus und sein Team bauen an etwas ganz großem.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
100 Jahre in die Zukunft. Ich würde sehr gerne wissen, was mir entgeht.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
In junge Start-ups investieren. Was ich tatsächlich auch mache: http://tbd.vc

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Mit Schlaf nachholen, Freunde treffen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Elon Musk – er ist wirklich der Tony Stark unserer Zeit.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Thilo Hardt gründete 2007 mit Dirk Graber, Philipp Frenkel und Björn Sykora Mister Spex. Nach Zwischenstationen bei DN Capital in London ist Hardt nun wieder in Berlin und gründete eWings.com, einen Markt für Flugbuchungen. Seine erste Software verkaufte er bereits mit 17 Jahren nach Taiwan, seine erste Firma im Alter von 21 Jahren.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.