15 Fragen an Volker Oboda von TeamDrive “Wenn es windig ist, zieht es mich ans Meer”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Volker Oboda von TeamDrive.
“Wenn es windig ist, zieht es mich ans Meer”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Für mich ist es wichtig, ein gutes Team zu haben und nicht einfach nur „Chef“ zu sein. Aus diesem Grund haben wir mehrere Geschäftsführer und eine Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft. Unter meiner Aufgabe als Geschäftsführer verstehe ich vor allem, die Vision von TeamDrive unserem Team zu erklären, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren und dafür Sorge zu tragen, dass wir TeamDrive auf dem aktuellen technischen Stand halten. Als Geschäftsführer habe ich die Entwicklungen am Markt genauso im Auge wie die Wünsche unserer Kunden und leiste meinen Beitrag dafür, dass TeamDrive nachhaltig wächst.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
TeamDrive als Idee ist schon sehr früh entstanden. Wir wollten einen Businessplan für ein anderes Projekt im Team erstellen und hatten Probleme mit der Versionierung. Es gab unzählige Versionen der Datei, alle mit der Endung „.final“, „.final1…2“, „.final final“, „.final du“ und „.final ich“. Die Dokumente sollten nur vom Team eingesehen werden können und von überall erreichbar sein. Auf dem Fileserver musste eine neue Gruppe mit Rechten eingerichtet und entsprechende VPN-Zugänge angelegt werden. Das Problem mit der Versionierung war damit aber immer noch nicht gelöst, so ist die Idee für TeamDrive entstanden.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Unsere Gesellschafter haben es zur Verfügung gestellt. Wir haben derzeit kein Venture Capital, denken aber für die globale Skalierung von TeamDrive darüber nach, dieses einzuwerben.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die Idee und die theoretische Funktionsweise war von Anfang an klar. Die technische Umsetzung in ein einfach zu bedienendes Userinterface war die eigentliche Herausforderung. In der Entwicklungsphase gab es Einiges an technischen Problemen mit Software, die wir von Dritten verwenden mussten und die dann nicht wie versprochen funktionierte. Und natürlich mussten auch wir sehr mit unserem Budget haushalten!

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Grundsätzlich würde ich noch intensiver nach den Technologien für die Umsetzung der Idee recherchieren und detailierter planen. Ich habe bei anderen Startups gesehen, dass diese nicht alle Feature-Wünsche ihrer Kunden sofort eingebaut haben. Es ist wichtig darauf zu achten, dass die Nutzung einfach bleibt. Weglassen ist schwerer als Einbauen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
TeamDrive hat bereits über 500.000 Anwender und über 5.500 Geschäftskunden weltweit. Weil unsere Lösung quasi über alle Branchen und Unternehmensgrenzen hinweg eingesetzt werden kann und geräteunabhängig funktioniert, haben wir bislang sehr auf Word-of-Mouth gesetzt.

Wir wollen aber schnell wachsen und werden in Zukunft mehr Präsenz in Fachmedien und den sozialen Netzwerken zeigen. Weil die Nutzung von TeamDrive für Bildungseinrichtungen und Studenten umsonst ist und wir sowohl für Windows, MacOS, iOS, Android und Linux funktionieren, setzen wir auf unsere loyale Community und Überzeugungstäter.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Meine Mitgesellschafter und unsere Anwälte. Unsere Anwälte haben gemeinsam mit uns einen guten Gesellschaftsvertrag entwickelt, bei dem alle Interessen aller Gesellschafter ausreichend berücksichtigt werden. Das ist sehr wichtig, um Streit zu vermeiden. Wir hatten alle bereits Erfahrungen im Aufbau von anderen Unternehmen gehabt und brauchten hier nicht viel Unterstützung von Dritten.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
In Deutschland fehlt noch immer der Pioniergeist: Eine gute Idee sollte auf jedem Fall umgesetzt und ausprobiert werden! Gründerinnen und Gründer sollten keine Angst vorm Scheitern haben – sich aber erfahrene Personen zur Beratung hinzuziehen. Damit lassen sich häufige Fehler vermeiden. Dazu sollten Gründer bitte unbedingt viele Fragen stellen! Neugier und Wissensdurst helfen in jedem Fall!

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Die Finanzierung von Start-ups in Deutschland hinkt deutlich hinter amerikanischen Startups hinterher. Es gibt nicht genug Startkapital für gute Ideen – hier sollten Bund und Länder unbedingt nachlegen! Außerdem treibt der Verwaltungsaufwand wie etwa das neue MOSS Verfahren die Kosten für Entwicklung und Vertrieb in die Höhe.

Ich wünsche mir vom Wirtschaftsminister mehr Mut und Pioniergeist, damit die Startup-Szene in Deutschland sich wirklich zu einem internationalen Schwergewicht entwickelt und echte Visionäre anzieht. Außerdem wünsche ich mir eine höhere Fehlertoleranz: neun von zehn Ideen scheitern! Das ist normal und sollte nicht bestraft werden. Gründerinnen und Gründer sollten viel mehr so unterstützt werden, dass sie einen neuen Versuch wagen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich arbeite eigentlich schon immer im Vertrieb und gute Verkäufer werden immer gebraucht. Ich kite und surfe sehr gern – ohne TeamDrive würde ich wahrscheinlich Equipment fürs Kite- und Windsurfen verkaufen!

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Die Digitalwirtschaft lebt ja vom Innovationsgeist – ich finde grundsätzlich den Austausch mit anderen Startups unheimlich wichtig! Wooga aus Berlin hat den Innovationstrieb als Spieleentwickler in seine Unternehmenskultur integriert und begeistert internationale Talente. Wer mich gerade auch sehr beeindruckt, ist das Münchener Start-up Smashdocs, die mit ihrer Entwicklung kurz nach Gründung schon ordentlich Traction erreichen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Nur in die Zukunft!

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Puh! Ich würde wahrscheinlich einen Teil nutzen, um mein Haus zu bezahlen und neues Kite- und Surf-Equipment zu kaufen. Aber den größten Teil würde ich ganz sicher in TeamDrive investieren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Wenn es windig ist, zieht es mich ans Meer. Ansonsten verbringe ich die Wochenenden sehr gern mit meiner Familie – die sieht mich sonst sehr wenig, weil ich viel in der Gegend rumreise.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Bill Gates, Ich habe seine Biografie gelesen und würde gerne mit ihm über die ersten zwei Jahre bei Microsoft sprechen. Außerdem interessieren mich seine persönlichen Ansichten zu Privacy.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Volker Oboda ist Geschäftsführer des Hamburger Sync-& Share-Unternehmens TeamDrive. Volker ist seit 20 Jahren Vertriebsleiter und hatte in dieser Zeit verschiedene Führungspositionen im Bereich Management Sales und Management in weltweit tätigen Unternehmen inne. Bevor er zu TeamDrive in die Geschäftsführung wechselte, war Volker Marketing & Sales Direktor bei SNAP und leitete den weltweiten Vertrieb, Marketing und die operativen Geschäfte. Zuvor arbeitete er elf Jahre bei SEIKO Precision (Europe) in verschiedenen Positionen, zuletzt als General Manager Marketing & Sales.

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Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.