Praktische Life-Hacks touchables, die NFC-Sticker gegen Vergesslichkeit

Na, auch schon Wäsche zweimal gewaschen, weil sie in der Waschmaschine vergessen wurde und dann erbärmlich stank? Oder das mit jemandem geteilte Auto verzweifelt gesucht, weil sein Standort unbekannt war? Mit touchables-Stickern hat das – und einiges andere Lästige - ein Ende.
touchables, die NFC-Sticker gegen Vergesslichkeit

touchables sind das ‘appifizierte’ persönliche Gedächtnis: Die kleinen Sticker bzw. die mit ihnen verknüpfte App erinnern daran, wichtige Dinge zu erledigen oder sie helfen, einen bestimmten Standort, zum Beispiel den des Autos wiederzufinden.

Bislang gibt es 10 Usecases: Apple a Day, Carfinder, Happy Plant, Catchup, Medmanager, Vanfinder, Candy Stop, Workout, Housekeeper und Washer weitere Anwendungen sind in Arbeit und in Planung.

Aus Nutzersicht funktionieren touchables super simpel: Die Erinnerer-Sticker auf den betreffenden Gegenstand kleben, in der App den gewünschten Zeitabstand zur nächsten Soll-Wiederholung einstellen. Fertig. Wird der Zeitpunkt überschritten, erinnert die App daran. Hat man die Tätigkeit erledigt, berührt man den Sticker mit dem Smartphone und alles ist wieder im grünen Bereich, touchables setzt die Zeit der nächsten Erinnerung zurück.

Die Standortfinder funktionieren noch einfacher: Sticker z.B. aufs Armaturenbrett kleben, beim Aussteigen den Sticker scannen und sich zum Wiederfinden von der Karte auf dem Smartphone navigieren lassen. So funktioniert’s:

Mal drauf geachtet, was das für Pflanzen sind, die da im Video gehegt und gepflegt werden? Genau: Das Testimonial gießt fröhlich seine kleine Hanfplantage.

Die Beschaffung der Requisiten für das Video hatte lustige Folgen. Gründer Alexander Ellert erzählt: “Natürlich sind dies keine echten Hanfpflanzen – aber es sollte alles echt aussehen. So habe ich 4 Plastik-Hanfpflanzen sowie passende Lampen bestellt und viel zum Thema im Internet recherchiert. Dies hatte starke Auswirkungen auf meine im Web eingeblendeten Werbeanzeigen – Remarketing lässt grüßen…”

Alle Sticker lassen sich von mehreren Personen ansteuern, so dass sie von ganzen WGs, Familien oder anderen Interessensgruppen gemeinsam genutzt werden können. Was den Nutzwert der touchables natürlich um einige Usecases erweitert – sie zum Beispiel so erst für Personengrupppen nützlich macht, die sich gemeinsam ein Auto teilen. Oder für WGs und Familien, die einen sportiven Wettkampf daraus machen, wer am häufigsten den Müll heruntergetragen hat.

Extrem einfache Anwendung trotz komplexer Technik
Diese eher spielerischen Anwendungsmöglichkeiten stehen beispielhaft für ein USP von touchables: Extrem simple Nutzeranwendungen trotz komplexer Technik.

Die Sticker arbeiten mit NFC-Technologie. touchables: “In der Regel heben Anbieter mit Ihren Apps die technologischen Eigenschaften von NFC hervor. Wir rücken die Technologie in den Hintergrund und den Usecase in den Vordergrund. touchables bietet so einer Vielzahl von Nutzern, die Gegenstände mit sich und ihren Freunden vernetzen wollen, einen Hemmschwellen-freien ersten Schritt ins ‘Internet der Dinge’.

Wir verwenden eine robuste und sichere M2M-Architektur (M2M = Machine to Machine), wie man sie sonst für komplexe Internet of Things-Systeme verwendet. Das ermöglicht es uns, weitere Sensoren in das System einzubauen und die touchables dann auch für Business-Anwendungen einzusetzen, zum Beispiel für Zeiterfassungen oder Logbücher.”

Unterschiede zu Mitbewerbern
Natürlich ist touchables nicht der erste Anbieter, der auf NFC-Sensoren setzt, unterscheidet sich aber in diversen Punkten von den Mitbewerbern:

Nicht-Tekkies als Zielgruppe: Andere NFC Apps fokussieren sich auf die Technik und auf Programmierer und haben nur lokale Funktionen. Die NFC-Sticker müssen vom ‘Anwender’ noch aufwendig programmiert werden. Sie bieten dem ‘Normal-Anwender also keinen Nutzen. Anders touchables, die den Nutzern fertig programmierte NFC-Sticker verkauft (die noch dazu hübsch aussehen).

Passive statt aktive Sensoren: Aktive Sensoren – sie brauchen im Gegensatz zu passiven Sensoren eine eigene Stromzufuhr – in Bluetooth LE Devices wie tile zeigen an, wo genau sich Gegenstände befinden. Passive Sensoren sind etwa fünfmal kostengünstiger und bieten ähnlichen Nutzwert. Mittelfristig will touchables allerdings auch aktive Sensoren anbieten. Das ist jedoch erst Schritt 2.

Direkte Einbindung der physischen Welt: Während Quantified Self-Apps wie coach durch sehr einfache Methoden das Verhalten der Nutzer tracken, bindet touchables die physische Welt direkt ein und schafft somit die Grundlage für ein einfacheres Quantified Self.

Preiswerter, robuster und einfacher als andere: Smart Home Lösungen wie Qivicon sind bisher noch zu unausgereift, zu teuer und zu komplex. touchables schafft Raum für neue, einfachere Sensoren, die eingebunden werden können.

Monetarisierung noch zweitrangig
Zwar werden die touchables schon verkauft: Ein Sticker-Dreierset nach Wahl kostet ganze 12 Euro, die App ist gratis. Aber prinzipiell geht es erst einmal darum, mit Usern das Produkt weiter zu verbessern und weitere Usecases zu entwickeln.

Weitere Geschäftsmodelle werden sich dann mittelfristig ergeben.
Allerdings interessieren sich schon jetzt diverse größere Vertriebspartner für touchables und werden demnächst aufspringen.

Entwickelt wurde touchables von Gründer auf einem Google/Allianz Hackathon zum Thema ‘Mobilität im Alter durch Technik erhöhen’ von touchables-Gründer Julian Pye und seiner Freundin. Pye ist bei touchables für Product and Technology zuständig und Vodafone Group Programme Manager for Consumer Electronics und Consumer M2M. Vorher war er bei Panasonic Hollywood Lab im S/W Engineering und Biz Dev (SD-Card, Blu-ray and NFC).

Um Marketing, Finanzen und Vertrieb kümmert sich Dr. Alexander Ellert, der bei Google Hamburg als Industry Manager tätig ist und auf Erfahrungen als Dozent und Unternehmensberater zurückblickt.

Was die Zielgruppe angeht, hat man sie inzwischen deutlich erweitert. Stand die ursprüngliche Entwicklung deutlich unter dem Zeichen: Zielgruppe Silver Surfer, nutzen die touchables jetzt schon nahezu jedem, von der Familie über WGs bis hin zu ja, eben Silver Surfern.

Momentan nur deutschsprachig und für NFC-fähige Android-Smartphones
touchables ist erst Anfang Februar 2015 live gegangen, also noch ganz am Anfang. So gibt es die App bisher nur für Android – und auch dort naturgemäß nur für NFC-fähige Smartphones.

Eine iOS-App steht aber ganz oben auf der Roadmap und soll (hoffentlich) direkt nach der WWDC im Juni 2015 veröffentlicht werden.

PS: deutsche-startups.de darf unter Allen, die bis einschließlich 29.03.2015 in einem Kommentar zu diesem Artikel ihr Interesse bekundet haben, 5 mal je ein 3er-Set touchables der Wahl verlosen.

Elke Fleing aus Hamburg liefert Texte aller Art, redaktionellen Content und Kommunikations-Konzepte. Sie gibt Seminare, hält Vorträge und coacht Unternehmen. Bei deutsche-startups.de widmet sie sich vor allem Themen und Tools, die der Erfolgs-Maximierung von Unternehmen dienen.