Interview mit Florian Nöll (#scb15) Wissensaustausch steht bei allen Events im Vordergrund

Endlich ist es soweit: Das Startup Camp 2015 des Bundesverbandes Deutsche Startups (kurz: BVDS) öffnet heute seine Türen und gibt damit über 1000 Teilnehmern die Möglichkeit zum Netzwerken, Wissens- und Erfahrungsaustausch. Mit dem Camp feiert der Verband auch ein kleines Jubiläum.
Wissensaustausch steht bei allen Events im Vordergrund

Endlich ist es soweit: Das Startup Camp 2015 des Bundesverbandes Deutsche Startups (kurz: BVDS) öffnet heute seine Türen und gibt damit über 1000 Teilnehmern die Möglichkeit zum Netzwerken, Wissens- und Erfahrungsaustausch. Mit der Organisation des Camps feiern die Veranstalter nicht nur den fünften Geburtstag der Early Stage-Konferenz, sondern blicken gleichzeitig zurück auf insgesamt zehn Jahre Eventorganisation unterschiedlicher Größenordnung. Florian Nöll, Vorstandsvorsitzender des BVDS erinnert sich und gibt gleichzeitig einen Ausblick, wohin die Reise künftig weiter gehen wird.

Seit genau 10 Jahren organisieren Sie Events: Was war die erste Veranstaltung und an wen richtete sich diese?

Im Jahr 2005 haben wir mit der „Startup Lounge“ erstmalig eine eintägige Konferenz organisiert. Unser Ziel war es, Studenten und Absolventen zur Unternehmensgründung zu motivieren. Dazu hatten wir einige „Überlebende“ der New Economy und mittelständische Unternehmer als Redner eingeladen.

Was waren Ihre persönlichen Motive, eine Veranstaltung zu organisieren, welchen Bedarf hatten Sie für die Branche identifiziert?

Ich bin 2003 für das Studium nach Berlin gezogen, hatte vorher als Schüler schon ein Unternehmen gegründet und gehofft, dass ich in Berlin das Eldorado für Gründer vorfinde. Tatsächlich war da aber nur Prof. Faltin mit der Stiftung Entrepreneurship, wo ich dann auch viel Zeit verbracht habe. Dennoch fehlte es an Veranstaltungen und Orten, wo man andere Internet-Gründer und ich Investoren treffen konnte.

Gab es damals schon Konkurrenz innerhalb der Eventlandschaft für Start-ups?

Nein, ich persönlich erinnere mich eigentlich nur an Faltins Labor für Entrepreneurship und unsere Aktivitäten. Erst später kamen weitere Veranstaltungen hinzu, z.B. das Gründergrillen an der FU Berlin oder die Online Marketing Lounge. Mittlerweile gibt es viele Veranstaltung, die die jungen Gründer addressieren.

Worin besteht das Bedürfnis der Unternehmer, Veranstaltungen zu besuchen und warum braucht es hierfür so viele verschiedene Events?

Die Motivation verändert sich mit der Phase, in der ein Gründer ist. Ganz am Anfang geht es häufig noch darum, Mitgründer für das eigene Start-up zu suchen. In dieser frühen Phase kann man möglicherweise auch am meisten von anderen Gründern lernen, um am Ende nicht jeden Fehler zu wiederholen, den andere schon gemacht haben. Dieser Wissens- und Erfahrungsaustausch steht letztlich aber bei allen Veranstaltungen im Vordergrund, auch wenn wir über vermeintlich erfahrene Gründer in der Wachstumsphase sprechen.

Unsere Startup-Gründer sind in Deutschland im Schnitt 32 Jahre alt. Woher soll ein 32-jähriger wissen, wie man ein Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten leitet oder wie man einen Börsengang umsetzt. Auch dafür haben wir in den letzten Jahren Formate geschaffen. Und fast alle suchen natürlich Investoren.

Welche Events sind Ihrer Meinung nach unerlässlich geworden in der Startup-Landschaft.

Bei dieser Frage verweise ich natürlich darauf, dass wir als Bundesverband neutral sind. Wir freuen uns über jede Veranstaltung, die authentisch und ehrlich ist. Natürlich sind wir von unseren eigenen Formaten überzeugt. Allerdings verfolgen wir die Maßgabe nur neue Formate zu gründen, die es noch nicht gibt, wie z.B. unsere EXIT Con im letzten Jahr.

Unser Startup Camp führen wir natürlich fort, auch wenn es mittlerweile vergleichbare Veranstaltungen gibt. Nach meiner Meinung kann es in der Frühphase aber auch nicht genug Veranstaltungen geben, um junge Menschen auf dem Weg zum eigenen Startup zu begleiten.

Das Startup Camp ist für Sie auch ein kleines Jubiläumscamp. Es findet bereits zum fünften Mal statt. Wie waren die Anfänge und war 2010 der Grund, eine Early Stage-Konferenz in Berlin zu etablieren?

Das Startup Camp findet unter diesem Namen zum fünften Mal statt, ist aber auch direkter Nachfolger der Startup Lounge, die wir ab 2005 organisiert haben. „Lounge“ passte irgendwann nicht mehr zu einer immer größeren Veranstaltung, die ja genaugenommen aus verschiedenen Veranstaltungen besteht: Camp, Focus Camps, Expo und Pitch Marathon.

Wie viel Early-Stage ist heute immer noch notwendig, worin besteht Ihrer Meinung nach der Beratungsbedarf der Gründer?

Heute und morgen werden mehr als 150 Referenten mehr als 50 Stunden lang ihr Wissen teilen. Die Liste der Themen ist entsprechend zu lang, um sie aufzuzählen. Unter dem Strich kann man wahrscheinlich fast alles lernen, was man in den ersten Jahren als Startup-Gründer wissen muss.

Mittlerweile hat sich das Camp zur größten seiner Art entwickelt. Was waren die Learnings der vergangenen Jahre und wie werden diese auf dem diesjährigen Camp umgesetzt?

Im letzten Jahr haben wir gelernt, dass uns die Teilnehmer bis an die Stadtgrenze zu Brandenburg folgen, dass aber nicht wirklich praktisch ist. Deswegen sind wir in diesem Jahr wieder in Berlin-Mitte, wo schon 2005 alles angefangen hat. Schon 2005 war unsere Konferenz eine Veranstaltung von Gründern für Gründer. Auch wenn das in den letzten 10 Jahren unverändert so war, unterstreichen wir diesen Aspekt in diesem Jahr ganz deutlich. Unsere 11 Focus Camps, quasi kleine Camps im Startup Camp, werden in diesem Jahr erstmalig von Kuratoren – also Gründerinnen und Gründern – organisiert.

In diesem Jahr werden erstmals über 1000 Teilnehmer erwartet. Bei der Größenordnung: Wo soll die Reise des Camps in den nächsten Jahren hingehen?

Eine große Teilnehmerzahl ist uns zunächst kein Ausdruck von Qualität. Vielmehr ist es eine große Herausforderung, eine so große Zahl von Teilnehmern möglichst persönlich bei ihren Gründungsvorhaben zu unterstützen und miteinander zu vernetzen. Wir können versprechen, dass das Startup Camp die ehrliche und ein stückweit bodenständige Konferenz von Gründern für Gründer bleibt. Was wir im nächsten Jahr anders oder besser machen können, entscheiden wir nach dem Camp.

Warum ist Berlin für die Ausrichtung des Camps so gut?

Wenn es 2005 schon eine Gründerszene in Berlin gab, dann passte sie wahrscheinlich in einen Reisebus. Seitdem ist das Startup Camp mit der Gründerszene gewachsen. Wir machen mittlerweile auch Veranstaltungen in anderen Städten. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ein Startup Camp woanders in dieser Größenordnung möglich wäre. Ein Beispiel: Finden Sie in einer anderen Stadt, außer vielleicht München, 150 Redner, die ihre Erfahrungen von der Gründung bis zum Börsengang mit ihnen teilen.

Werden Sie auch künftig kleinere Events organisieren und wenn ja, welche sind das?

Der Bundesverband Deutsche Startups hat heute ein breites Veranstaltungsangebot für Gründerinnen und Gründer von der Frühphase bis zum Exit. Dabei sind wir nicht nur in Berlin, sondern auch mit regionalen Events wie dem Gründerweißwurstfrühstück in München oder dem „Jecke Gründer“ Karnevalsfrühstück in Köln in ganz Deutschland aktiv. Wir organisieren Delegationsreisen nach San Francisco, New York und Tel Aviv und bringen Startups auf Messen wir die CeBIT oder IFA. Dazu gibt es fast 20 Fach- und Arbeitsgruppen im Startup-Verband, darunter auch das Startup Unternehmerinnen Netzwerk und einen Zusammenschluss von Business Angels. Und auch die Startup Lounge findet wieder statt: Fast jeden Monat als Abendveranstaltung in Berlin.

Zur Person:
Florian Nöll ist Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups e.V. Der ersten Gründung als Schüler folgten Start-ups wie das Internet-Reverse-Auktionshaus smartorder.de und spendino, einem heute führenden Anbieter von Software-Lösungen (SaaS) für Non-Profit-Organisationen. Der Wahl-Berliner engagiert sich seit 10 Jahren in der Gründungsförderung. Florian Nöll ist stellvertretender Vorsitzender des Beirats „Junge Digitale Wirtschaft“ beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie. 2012 wurde er durch die Zeitschrift Capital in der Reihe “40 Talente unter 40 Jahren” ausgezeichnet.

Über das Startup Camp Berlin:
Das StartupCamp ist die größte EarlyStage-Konferenz für Start-ups, die deutsche-startups.de in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Deutsche Startups (BVDS) und dem Entrepreneursclub veranstaltet. Erwartet werden wieder mehrere hundert Gäste – darunter hochkarätige Speaker, erfahrene Gründer und Entrepreneure. Das Startup Camp findet am 13./14. März an der Humboldt Universität (HU) statt.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.