Markus Jordan von easyfolio “Ich habe eine Vielzahl schlechter Finanzprodukte gesehen”

easyfolio ist ein Anlagekonzept, das Privatanlegern eine Lösung für die langfristige Geldanlage im Internet an die Hand geben will. Mit dem Gründer, Markus Jordan, spricht deutsche-startups im Gründer-Kurzinterview über Vermögensaufbau, schlechte Finanzprodukte sowie Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
“Ich habe eine Vielzahl schlechter Finanzprodukte gesehen”

Das Münchner Start-up easyfolio ist ein Anlagekonzept, das Privatanlegern eine einfache, sichere und günstige Lösung für die langfristige Geldanlage an die Hand zu geben will – und das alles über das Internet. Mit dem Gründer, Markus Jordan, spricht deutsche-startups im Gründer-Kurzinterview über Vermögensaufbau, schlechte Finanzprodukte sowie Vertrauen und Glaubwürdigkeit.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Wir erwarten, dass in ein paar Jahren eine signifikante Anzahl von Anlegern ihre Vermögensanlagen komplett über das Internet abwickeln. Das passiert heute schon im Bereich des Brokerage bei Kunden mit entsprechendem Wissen, aber Anleger, die sich nicht so intensiv mit dem Thema Geldanlage beschäftigen wollen, sind hier noch nicht aktiv. Sie nutzen eher Banken oder Finanzberater.

Mit easyfolio möchten wir Anlegern einfache, sichere und günstige Anlagestrategien für den langfristigen Vermögensaufbau an die Hand geben. Auf easyfolio wird man durch die Beantwortung von ein paar Fragen über seinen Anlagehorizont und seine Risikoneigung zu einer passenden easyfolio-Strategie geführt. Diese kann der Anleger dann ganz einfach und bequem in sein bestehendes Wertpapierdepot kaufen. Die Zusammensetzung der Strategien wird bei uns zu 100 Prozent transparent auf der Webseite dargestellt. Und auch die Wertentwicklung kann jederzeit nachvollzogen werden – auf easyfolio sowie auf jeder anderen Finanz-Webseite.

Wir machen es besonders leicht, sich über die Anlagestrategien zu informieren und dann im Rahmen einer Einmalanlage, eines Sparplans oder Auszahlplans entsprechend zu investieren. Es ist ein bemerkenswert einfacher Weg, sein Vermögen aufzubauen und fürs Alter vorzusorgen.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Wir wollten von Anfang an eine sehr transparente und leicht zu verstehende Anlagestrategie anbieten – dabei sind wir auch geblieben. In meiner über 20-jährigen Erfahrung im Finanzbereich habe ich eine Vielzahl schlechter Finanzprodukte gesehen. Mir war schnell klar, an welchen Stellen man etwas verbessern muss, damit ein faires Angebot für jeden Anleger herauskommt.

Zu Beginn haben wir bei easyfolio geprüft, die Strategien über ein sogenanntes Managed Depot anzubieten, was wir jedoch aus steuerlichen Gründen für den Kunden sowie vor dem Hintergrund der Skalierbarkeit wieder verworfen haben.

Wir setzen nun drei Investmentfonds ein, in die der Kunde direkt investieren kann. Das hat neben positiven prozessualen und regulatorischen Aspekten auch noch steuerliche Vorteile für den Sparer.

Und der Erfolg gibt uns recht: seit dem Start im April konnten wir bereits 2,5 Mio. Euro Anlagegelder einsammeln. Die zahlreichen Vorteile wurden also auch von den Privatanlegern direkt erkannt.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Mitbewerber sind zum Beispiel die Angebote von quirion, vaamo oder financescout. Gegenüber diesen grenzen wir uns vor allem über die Art und Weise der Investitionsmöglichkeit ab. Unsere Strategien kann jeder Anleger mit einem Wertpapierdepot erwerben – ob bei einer Direktbank, klassischen Großbank, Sparkasse oder Volksbank.

Bei den anderen Anbietern muss man extra ein neues Depot eröffnen und umständliche Verträge abschließen. Zudem ist das monatliche Ansparen in ein easyfolio ganz einfach in Form eines Sparplans möglich. Und wir veranschlagen keine hohen Mindestanlagesummen; bei uns kann man auch kleine Beträge investieren. Auf den anderen Plattformen fallen für kleinere Beträge viel höhere Gebühren an.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
In unserem Bereich geht es vor allem um Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Das nehmen wir sehr ernst. Wer möchte schon seine private Altersvorsorge bei einem Start-up umsetzen, das nicht seriös und kompetent auftritt. Wir haben ein Bündel an Maßnahmen ergriffen, um dieses Vertrauen zu bilden: 1. Über verlässliche Produktpartner – wir arbeiten ausschließlich mit renommierten Unternehmen und Marktführern zusammen, 2. Über eine seriöse Ansprache – wir nehmen die Bedürfnisse unserer Kunden ernst, 3. über eine hohe Transparenz – der Anleger soll zu jedem Zeitpunkt zu 100% einsehen können, wie er investiert ist. Zudem gibt es wöchentliche Webinare, bei denen man uns und unsere Anlagephilosophie kennenlernen sowie live eigene Fragen stellen kann. All diese Punkte liegen uns persönlich sehr am Herzen, und das schafft am Ende auch Vertrauen.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Unser Geschäftsmodell setzt sich aus den Gebühren zusammen, die der Kunde für die Verwaltung seines in die easyfolio-Strategien investieren Vermögens bezahlt. Diese liegen bei rund 1 Prozent pro Jahr, wovon noch Kosten für unseren Strategie-Set-Up abgehen. Kurz: je mehr Volumen wir einsammeln können, desto schneller erreichen wir die schwarze Null.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Der Fokus liegt derzeit klar auf Deutschland. Wir können unser Set-up aber sehr schnell auf andere europäische Länder ausweiten. Diesen Schritt werden wir gehen, wenn wir im heimischen Markt gelernt haben, welche Stellschrauben den größten Erfolg versprechen.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Wir haben uns zwei wichtige Meilensteine gesetzt. Der eine ist sicherlich ist das Erreichen der 30 Mio. Euro-Schwelle beim verwalteten Vermögen. Der andere wichtige Schritt ist die Umsetzung unserer Bankanbindung – damit können wir dem Anleger ein noch einfacheres und besseres easyfolio-Erlebnis mit vielen Services ermöglichen.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Markus Jordan ist Gründer von easyfolio und er hat als Geschäftsführer der EXtravest langjährige Erfahrung im Bereich Finanzen und Geldanlage. Zudem ist er Herausgeber der ETF-Fachzeitschrift EXtra-Magazin.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.