15 Fragen an Marcus Seidel (Blumen.de) “Als Kind wollte ich immer Tierarzt werden”

Jeden Freitag beantwortet ein Gründer oder eine Gründerin unseren standardisierten Fragebogen. Der Fragenkatalog lebt von der Vergleichbarkeit der unterschiedlichen Fragen, die alle Gründerinnen und Gründer beantworten müssen – diesmal antwortet Marcus Seidel von Blumen.de.
“Als Kind wollte ich immer Tierarzt werden”

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Mein eigener Chef zu sein bedeutet mir viel – da es mir die Freiheiten gibt, meine Ideen auszuleben. Ich bin bereits seit 1999 als Unternehmer im Netz aktiv, habe zwischendurch aber auch als Prokurist und Geschäftsführer in größeren Organisationen gearbeitet und kenne somit auch die andere Seite. Aktuell bin ich ja neben meinen eigenen Unternehmen bei Gutscheine.de – nach unserem Exit an RTL – nicht mehr Inhaber, sondern angestellter Geschäftsführer und kenne deswegen beide Rollen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Das erste Start-Up entstand im Jahr 1999 mit meinen Bruder Oliver, der bereits seit 1997 unternehmerisch tätig war und zu diesem Zeitpunkt zurück nach Berlin kam, um eine neue Firma zu gründen. Er nahm mich einfach mit an Bord und so wurde ich mit dem Virus „Internet“ infiziert. Für mich ging es richtig los im Jahr 2003, als ich mit meinem Bruder zusammen das Affiliate-Netzwerk ADCELL und kurz darauf mein erstes hundertprozentig eigenes Unternehmen mit der Entsorgung Punkt DE GmbH gründete.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Ich habe immer gearbeitet: als Schüler Zeitungen ausgetragen, während des Studiums auf dem Bau und in der Gastronomie gearbeitet, außerdem bin recht sparsam. So habe ich vom ersten Geld aus den Online-Geschäften eben keinen Sportwagen gekauft, sondern in Domains investiert, welche teilweise noch heute die Grundlagen meiner Unternehmen sind. Generell versuche ich alles aus eigener Tasche zu finanzieren – damit gelingt es natürlich nicht, die Firmen richtig groß werden zu lassen oder diese international aufzustellen, aber im Regelfall schaffen wir es, solide arbeitende Unternehmen zu bauen, die nicht auf Fremdkapital angewiesen sind.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Es sind eigentlich bis heute dieselben Stolpersteine geblieben – ich halte gute Mitarbeiter für den wesentlichen Erfolgsfaktor eines Unternehmens. Nicht unwichtig, aber dessen untergeordnet steht das Ego des Unternehmers. Dies ist entscheidend für das Klima im Unternehmen, die Ideen, die Geschäftslogiken und, ob die Leute gerne und motiviert für dich und deine Ideen arbeiten.

Wenn du gute Leute hast, wächst du gemeinsam und schnell mit der richtigen Idee. Fehlen diese, scheitert auch die beste Idee. Darüber hinaus kam es mir sehr zugute, dass ich auf meinem Weg tolle Mentoren hatte, wie André Kolbinger (Gründer wallstreet:online) oder meinen Bruder Oliver, der mich an das Thema Internet herangeführt hat und mir viel im Bereich Unternehmenssteuerung, Finanzen und Controlling beigebracht hat. Zudem greifen wir seit Jahren auf tolle externe Dienstleister zurück, die mit uns gewachsen sind und zu denen wir heute ein freundschaftliches Verhältnis pflegen.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich hätte gerne früher den Hebel von guten Mitarbeitern gekannt und eingesetzt. Sicherlich wäre ich zudem im Nachhinein nicht unglücklich darüber, einen großen Investor bei der ein oder anderen Idee mit an Bord gehabt zu haben. Dennoch hat sich unsere Arbeitsweise bewährt: Wir arbeiten zunächst in kleinen Dimensionen, detailliert, aber realistisch gearbeitet und so Unternehmen gebaut, die sich rechnen und am Ende des Jahres ein positives Ergebnis erzielen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir sind aus der Historie heraus recht breit im Bereich Performance-Marketing aufgestellt. D.h. wir beschäftigen uns mit Themen wie SEO, SEM, Affiliate Marketing und Social Media Marketing. Durch den Verkauf von Gutscheine.de an RTL kamen wir die letzten drei Jahre auch in den Genuss von TV-Werbung, konnten dort unsere Erfahrungen sammeln und bauen diese sukzessive weiter aus. Aber auch hier sind wir immer offen und bemüht neue Wege zu gehen, mit denen wir unsere Marken stärken können.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Mein großer Bruder Oliver, mit dem ich in Summe zusammen drei Unternehmen gegründet habe, war sicherlich unterm Strich der größte Unterstützer, auch wenn es nicht immer einfach war mit einem großen Bruder, wie man sich sicherlich vorstellen kann.

Später kamen dann Unternehmer wie André Kolbinger dazu, die Zeit bei Rocket Internet mit schwierigen Kandidaten wie den Samwers sowie wirklich netten und unglaublich intelligenten Leuten wie Florian Heinemann und Andreas Hoogendijk. Von allen konnte ich viel lernen. Ein weiterer Punkt ist sicherlich das familiäre Backup und der große Freundeskreis. All diesen Menschen bin ich sehr dankbar – sie haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Hinterfrage Dich und Deine Ideen stets selbst – andere werden weder Dein Unternehmen rocken, noch für Dich die Kastanien aus dem Feuer holen oder weiter gehen als Du es selbst tust.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Das ist sicherlich meinen Unternehmen und deren Ausrichtung geschuldet – aber Deutschland sollte schauen, dass die Vernetzung zwischen Old- und New Economy stärker vorangetrieben wird. Viele exzellente und hervorragend ausgebildete Unternehmer tummeln sich in der New Economy und arbeiten an schlechten Ideen oder Themen – und auf der anderen Seite gehen Unternehmen mit 200 Jahren Tradition und reichlich technologischen Know How vom Markt, weil kein Nachfolger gefunden werden kann oder man sich noch immer den neuen Medien und Entwicklungen gegenüber verschließt.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich habe Wirtschaftskommunikation studiert – wahrscheinlich wäre ich Netzwerker im weitesten Sinn geworden…als Kind wollte ich immer Tierarzt werden.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ich glaube, rund um die Themen Business Intelligence und Co. macht es Sinn mal bei Zalando reinzuschauen – wenn man überhaupt noch Start-Up sagen darf bei der Größe.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Immer nach vorne – also nicht zurück, sondern ab in die Zukunft….

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Als Papa entwickelt man ja einen etwas anderen Bezug zu Themen wie Geld und Zeit – also müsste die Antwort lauten: Ich würde weniger arbeiten und mehr Zeit mit meiner wundervollen Familie verbringen. In Wahrheit würde ich mit der einen Hälfte wohl einige Domains kaufen und diese projektieren und die andere Hälfte in Immobilien stecken.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ausschlafen bis meine Tochter zu uns in Bett kommt und mich aus diesem verdrängt. Dann mache ich Frühstück, danach geht es mit dem Hund raus und dann ab mit der Familie zu Freunden. Ich verbringe meine Freizeit gerne in Gesellschaft und wir haben eine tolle Familie und viele, liebe Freunde.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Matt Cutts – um endlich zu verstehen, was wir da alle den ganzen Tag machen.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Schon während seines Studiums stieg Marcus Seidel ins Online Business ein und fasste schnell Fuß. In seiner bisher 15jährigen Erfahrung gründete er Unternehmen wie ADCELL, Entsorgung.de und Blumen.de. Sein erfolgreichstes Produkt, Gutscheine.de, ist mittlerweile unter dem Dach von RTL zuhause.

15 Fragen als eBook und in gedruckter Form

“Hinter den Kulissen deutscher Start-ups: 45 Gründer über den Aufbau ihres Unternehmens”, heißt der erste Titel der neuen Buchreihe von deutsche-startups.de. Unser erstes Buch, ein Best-of der Rubrik 15 Fragen an, steht unter dem Motto: Von Gründern lernen, sich von deutschen Unternehmern inspirieren lassen. 45 Gründer berichten von Ihren eigenen Erfahrungen, geben wertvolle Tipps und teilen ihre Inspirationen mit den Lesern. Weitere Infos über “Hinter den Kulissen”

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.