Jens Wohltorf (Blacklane) im Interview “Wir haben stets auf Dialog anstatt Konfrontation gesetzt”

Mit dem Start der App "Uber" war der Unmut der Taxiverbände in den jeweiligen Großstädten vorprogrammiert. Wie mit der Kritik gegen Uber und weiteren on-demand Services im eigenen Unternehmen umgegangen wird, berichtet Blacklane-Geschäftsführer Jens Wohltorf.
“Wir haben stets auf Dialog anstatt Konfrontation gesetzt”

Jetzt ist es offiziell. Nach dem Start der App von Uber in Berlin und München nimmt der amerikanische on-demand-Dienst seinen Service nun auch in Frankfurt auf. Mit Hamburg, Düsseldorf und Köln sollen bald drei weitere Städte in Deutschland folgen. Die Taxiverbände sehen ihre Einnamequellen in Gefahr, die Emotionen kochen hoch. Wie aber geht eigentlich der Konkurrent, Blacklane, mit dieser Diskussion um? Mit Start der SmartClass, einer deutlich günstigeren Variante zum Limousinen-Dienst, fischt das Berliner Start-up in einem sehr ähnlichen Becken.

Die Wogen der letzten Woche um den amerikanischen Taxi-on-demand-Anbieter Uber haben sich etwas gelegt. Wie begegnen Sie der Kritik des Taxiverbandes, der anmahnt, dass rechtliche Vorgaben umgangen werden, an welche das Taxigewerbe gebunden ist?
Wer im Taxigewerbe tätig ist, muss sich an die dort vorherrschenden Regeln halten, kann aber auch die Vorteile genießen, wie zum Beispiel einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz, die Benutzung spezieller Taxispuren oder die Möglichkeit der spontanen Aufnahme von Fahrgästen am Straßenrand.

Wer im Limousinen-Service-Gewerbe tätig ist, muss sich an die dort vorherrschenden Regeln halten, wie zum Beispiel die sogenannte Rückkehrpflicht, die besagt, dass Fahrzeuge ohne Anschlussfahrt zurück an den Betriebssitz fahren müssen und sich nicht im Stadtgebiet bereit halten dürfen. Da Blacklane allen gesetzlichen Anforderungen ausnahmslos entspricht, begegnen wir möglicher Kritik an Blacklane außerordentlich entspannt. .

Wie positioniert sich Blacklane in diesem Umfeld?
Seit dem ersten Tag hat Blacklane stets darauf geachtet, konform mit der geltenden Rechtsordnung zu sein. Unser Konzept ist in engem Dialog mit den regulatorischen Behörden entstanden. Der aktuelle gesetzliche Rahmen hat uns stets genug Freiraum für disruptive Innovationen geboten und wird es auch weiterhin tun.

Blacklane hat sich als Technologie-Marktplatz im sogenannten on-order Markt etabliert. Das bedeutet, wir bieten eine Mobilitätslösung für all diejenigen, denen Planungssicherheit, faire und transparente Festpreise, Verlässlichkeit, Sicherheit, Komfort und globale Verfügbarkeit wichtig sind. So gebündelt sind diese Vorteile in der heiß diskutierten Taxi-, Edel-Taxi- oder Privat-Taxi-Branche nicht zu finden; ein Fakt, den gerade unsere Unternehmenskunden sehr schätzen.

Blacklane versteht sich ebenso wie Uber als Vermittler von Limousinen: Wie sehr überwachen Sie die Einhaltung rechtlicher Vorgaben oder liegt die Verantwortung ausschließlich bei den (Sub-)Unternehmern?
Wir überwachen die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen permanent und sehr konsequent. Einerseits sorgt ein rigoroser Aufnahmeprozess dafür, dass Unternehmen ohne entsprechende Konzessionen, Lizenzen, Personenbeförderungsscheine, Versicherungsnachweise und Erfüllung unserer Qualitätsansprüche nicht an das Blacklane-Netzwerk angeschlossen werden können.

Andererseits stellen wir durch Stichproben und permanente Schulungen sicher, dass den regulatorischen Anforderungen entsprochen wird. Ganz ohne Eigenverantwortung unserer Partner kann es aber auch nicht funktionieren, denn logistisch wäre es nicht möglich, die zigtausend angeschlossenen Fahrzeuge lückenlos zu überwachen.

Wer hat bei Blacklane die Preishoheit bzw. wie funktioniert die Preisfindung?
Einem Start in einer neuen Stadt liegt stets eine solide Recherchearbeit zu Grunde. Wir überprüfen systematisch, zu welchen Preisen Taxi- und Limousinen-Services vor Ort eingekauft werden können. Anschließend setzten wir einen Preis möglichst nahe am lokalen Taxipreis und beobachten sehr detailliert, wie sich Angebot und Nachfrage verhalten.

Ist die Nachfrage zu schwach, senken wir die Preise. Reicht das Angebot nicht aus, die Nachfrage zu bedienen, erhöhen wir die Preise. So stellt sich innerhalb einiger Wochen ein Marktgleichgewicht her, das es uns erlaubt, auch ohne dynamisches Pricing der Nachfrage gerecht zu werden. Diese Festpreisnatur von Blacklane ist etwas, das unsere Kunden gegenüber anderen Lösungen im Markt sehr schätzen.

Darf der (Sub)-Unternehmer Aufträge ablehnen und welches Mitspracherecht hat er bei der Preisgestaltung?
Nicht nur die Teilnahme am Blacklane-Netzwerk ist kostenlos. Auch in der Auswahl der Aufträge sind unsere Partner vollkommen frei. Wir stellen unseren Netzwerken eine große Menge an Buchungen zur Verfügung und jeder Partner kann aus freien Stücken entscheiden, ob er das eine oder andere Angebot annehmen möchte und zu welchem Preis. Abo-Gebühren, fest zugesagte Kapazitäten, Abnahmegarantien usw. gibt es bei Blacklane nicht.

Wer ist Vertragspartner, insbesondere bei Streitigkeiten (z.B. Nichterfüllung des Fahrauftrages)?
Der Beförderungsvertrag inklusive aller Rechte und Pflichten wird zwischen Limousinen-Service und Fahrgast geschlossen. Blacklane hingegen ist für die ordnungsgemäße Vermittlungsleistung verantwortlich. Nichtsdestotrotz investieren wir signifikant Technologie und Ressourcen in eine enge und rigorose Service-Kontrolle, damit z.B. eine Nichterfüllung des Fahrauftrags gar nicht erst vorkommt. Sollte der Kunde oder Partner dennoch mal unzufrieden sein, sind wir natürlich bemüht, eine schnelle, unkomplizierte und kulante Lösung zu finden. Dies kommt jedoch glücklicher Weise nur selten vor.

Ein Gericht in Brüssel hat den umstrittenen Service von Uber verboten, die EU-Kommissarin Neelie Kroes hat diese Entscheidung kritisiert. Welche Meinung vertreten Sie hierzu persönlich und wie schätzen Sie in diesem Zusammenhang die Entwicklungen für den Start-up Standort Deutschland ein?
Ich habe am Start-up Standort Deutschland nicht viel auszusetzen. Wir haben stets auf Dialog anstatt Konfrontation gesetzt und sind damit, auch bei den Gesetzgebern, sehr gut gefahren. Die jüngst in Berlin gestartete Smart Class, ein luxuriöser Smart mit Chauffeur und einem Fahrgast, der 10% brutto und etwa 20% netto unter Taxipreisen fährt, ist da ein gutes Beispiel.

Gemäß aktueller Gesetzgebung müssen Taxen und Limousinen aus Sicherheitsgründen über zwei Türen an der rechten Fahrzeugseite verfügen. Als das Gesetz vor über 30 Jahren entstanden ist, gab es aber noch keine Zweisitzer, die bauartbedingt keine Sitzmöglichkeit auf einer Rücksitzbank ermöglichen. Der Smart musste vor diesem Hintergrund also neu beleuchtet werden und wir haben vor dem Marktstart um diese Prüfung gebeten.

Dank der fortschrittlichen Einstellung des Berliner Landesamts für Bürger und Ordnungsangelegenheiten bekamen wir grünes Licht erteilt und konnten beruhigt starten. Seitdem erfreut sich die Blacklane Smart Class allergrößter Beliebtheit und ihre Zahlen stellen sogar unsere ansonsten schon äußert hohen Wachstumsraten in den Schatten.

Wie haben sie die Diskussion in der Auftragslage gespürt? Haben Sie letztendlich sogar von der Presse um Uber profitiert oder hat sie sich nachteilig ausgewirkt?
Seit Bestehen wächst Blacklane Monat für Monat um etwa 20%. Da wir inzwischen in über 45 Ländern und 145 Städten aktiv sind, sind kleinere Impulse, Diskussionen oder gar Unruhen in einzelnen Städten kaum zu spüren. Unsere Kunden interessieren sich auch eher weniger für den Taxi- oder taxiähnlichen on-demand Verkehr. Vielmehr war und ist es Ihnen wichtig, dass Blacklane 100% legal operiert und wir freuen uns, dies stets garantieren zu können.

Sehen Sie eine Lösung für den Konflikt, den der Taxiverband identifiziert? Was müsste politikseitig/regulatorisch Ihrer Meinung nach passieren?
Wir stehen seit jeher in engem Dialog mit Kunden, Partnern, Taxi- und Limousinen-Verbänden sowie der Politik. Dieser Dialog macht es möglich, vermeintliche Probleme auf einer Sachebene zu diskutieren. Ist man dazu in der Lage, werden Missverständnisse im Keim erstickt. Es wird schnell erkannt, dass innovative Lösungen wie Blacklane dazu führen, Menschen neue Möglichkeiten in der Mobilität zu bieten.

Angesichts dieses bunten Blumenstraußes an Alternativen wird das eigene Auto immer ersetzbarer. Folglich wird der Markt für Mobilitätslösungen insgesamt stark wachsen, auch in den Grenzen aktueller Gesetzgebung. Jeder Marktteilnehmer, egal ob modern und innovativ oder klassisch und etabliert, wird hierbei gewinnen können; vorausgesetzt, die Qualität stimmt.

Zur Person:
Dr. Jens Wohltorf studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Technischen Universität in Berlin mit Forschungsaufenthalten am MIT in Boston und der University of California in Berkeley. Vor der Gründung der Blacklane GmbH war Wohltorf bei der Boston Consulting Group als Principal tätig. Bei Blacklane ist er für die Bereiche Marketing & Vertrieb, Finanzen und Unternehmensentwicklung verantwortlich.

Foto: Young couple hailing for a taxi cab from Shutterstock

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.