Langfristige Partner gesucht kindsstoff legt erst einmal eine (kurze) Pause ein

Das operative Geschäft des Münchner E-Commerce-Start-ups kindsstoff ruht vorerst einmal. Das junge Unternehmen, das Kinderklamotten anbietet, sucht derzeit "strategisch langfristigere Partner". "Mittlerweile gibt es konkrete Interessenten", sagt kindsstoff-Gründer Alexander Reichhuber.
kindsstoff legt erst einmal eine (kurze) Pause ein

Wer aktuell die Website von kindsstoff, einem Re-Commerce-Geschäftsmodell rund um Kinderklamotten, ansteuert, bekommt nicht mehr viel zu sehen – zunächst einmal fällt der kurze Hinweis “kindsstoff ist mal kurz weg” ins Auge. Es folgt eine längere Erklärung: “Bisher hat kindsstoff viel erreicht: Die erste Online-Marke für kompromisslos gute Qualität 50 % günstiger als im normalen Einzelhandel. Das erste Kreislaufsystem mit einem Rabatt bei jedem neuen Einkauf. Der erste ganzheitliche Ansatz für mehr Transparenz in der Herstellung von Kleidungsstücken. Mit all diesen Ideen und ganz viel frischem Wind hat kindsstoff viele Menschen begeistert. Nun jedoch macht kindsstoff eine Pause und freut sich auf das, was in Zukunft kommen wird”. kindsstoff macht somit eine Pause. Klingt nicht gut!

Babykleidung, die man beim Unternehmen gekauft hat, konnte man wieder an dieses zurückgeben und bekam dann einen Rabatt für den nächsten Einkauf im Onlineshop. Noch tragbare Textilien wurden im kindsstoff-Shop gebraucht wieder angeboten, jedes dritte tragbare Kleidungsstück wurde wohltätig gespendet. Was hingegen nicht mehr tragbar war, wurde zur Rohstoffgewinnung wiederverwertet und so dem Kreislauf wieder zugeführt – siehe dazu auch “kindsstoff: Re-Commerce mit sozial und ökologisch verantwortlicher Babykleidung“. Gegründet wurde kindsstoff von Sebastian Schmöger und Alexander Reichhuber. Die KfW Bankengruppe, Wolfman Holdings sowie “namhafte Business Angels und Privatinvestoren” investierten im vergangenen Jahr einen hohen sechsstelligen Betrag in das Münchener Start-up.

ds-kindsstoff

Noch vor wenigen Wochen nahm kindsstoff am TV-Newcomer-Wettberwerb von D.C. Media Networks und deutsche-startups.de teil – und nun ist kindsstoff erst einmal von der Bildfläche verschwunden. Nur kurz oder für immer? Wir baten Gründer Reichhuber um eine Stellungnahme. “Über die letzten beiden Jahre hinweg haben wir mehr und mehr festgestellt, dass für ein Commerce-Thema wie unseres, welches zudem noch auf dem eher mittel- bis langfristigen Aufbau einer Marke basiert, im klassischen und eher kurzfristig orientierten Markt für Risikokapital nur vergleichsweise wenige Partner in Frage kommen. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der von uns mittlerweile erreichten Größe, welche sich auf die Höhe der benötigten finanziellen Mittel auswirkt”, berichtet Reichhuber. Aus diesem Grund habe man sich entschlossen, strategisch langfristigere Partnerschaften zu suchen und einzugehen.

“Mittlerweile gibt es konkrete Interessenten, die in Zukunft gerne die Marke aktiv mitgestalten würden. Da wir sowieso in einem Kollektionswechsel sind, die zukünftige Ausrichtung maßgeblich von unserem Partner mitbestimmt wird und wir unsere Kunden auch nicht mit einem durchlöcherten Sortiment abschrecken wollen, haben wir beschlossen in der Übergangszeit das operative Geschäft zu pausieren”, fährt Reichhuber fort. Wie kindsstoff einmal aussehen wird, weiß aber auch Reichhuber noch nicht: “Hierzu ist die Anzahl der möglichen Alternativen schlichtweg immer noch zu hoch und wir wollen mit viel Augenmaß die Zukunft gestalten. Es ist zwar schade, dass unser Modell offensichtlich mit dem ‘klassischen Weg der Finanzierung’ nicht in allen Punkten kompatibel ist. Jenseits der tradierten Wege gibt es aber glücklicherweise auch noch interessante Alternativen”. Hoffentlich.

Passend zum Thema: “‘Die Welt ist voll von guten Ideen und tollem Talent’ -15 Fragen an Alexander Reichhuber (kindsstoff)

Foto: Time For A Break Concept from Shutterstock

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.