Festgeld-Vermittlung ins Ausland WeltSparen verspricht höhere Zinsen als bei deutschen Banken

Festgeld bringt außerhalb Deutschlands teilweise höhere Zinsen ein, was sich der Vermittlungs-Marktplatz WeltSparen zunutze machen möchte. Über eine deutsche Partnerbank vermittelt die Plattform Kundengelder an europäische Geldinstitute.
WeltSparen verspricht höhere Zinsen als bei deutschen Banken

Seit Ende 2013 ist WeltSparen von Berlin aus unterwegs, um “den deutschen Sparern die besten Zinsen in Europa [zu] bieten” – kostenlos. Die Plattform zeigt sich als Vermittlungs-Marktplatz für Festgeldanlagen bei europäischen Kreditinstituten. Im Vergleich zu deutschen Banken gibt es beim dem ersten Partner Fibank aus Bulgarien doch einiges mehr an Zinsen: Für auf zwölf Monate angelegtes Festgeld fließen dort aktuell 2,9 Prozent zurück, in Deutschland sind es momentan unter zwei Prozent.

Eine Kooperation mit einer Bank ermöglicht das Vorhaben

WeltSparen ist selbst keine Bank und kooperiert deswegen mit der Frankfurter MHB-Bank, die das Festgeld nach Kundenwunsch anlegt, auch bei mehreren Banken. Direkten Kontakt haben Kunden mit der MHB-Bank allerdings nicht, dazu offeriert WeltSparen ein kostenloses Verrechnungskonto im eigenen Banking-Portal. Wie auch bei deutschem Festgeld üblich, gibt es eine Einlagensicherung bis maximal 100.000 Euro. Im ersten Quartal diesen Jahres sollen neben der Bulgarischen Fibank noch Partner aus Norwegen, Italien und Portugal hinzukommen. Abhängig von der Anlagehöhe erhält WeltSparen einen prozentualen Anteil pro Vermittlung. Dieser hängt von der Höhe der Festgeldeinlage ab; je mehr angelegt wird, umso höher die Beteiligung.

Eine erste Finanzierung ihrer Neugründung stemmte das Team mit 140.000 Euro selbst, im ersten Quartal 2013 folgte dann eine Runde über knapp 2 Millionen Euro, unter anderem durch die RI Digital Ventures.

Mitgründer Tamaz Georgadze teilt die Erfahrungen mit, die er beim Wechsel vom angestellten Unternehmensberater zum Gründer gemacht hat

Georgadze arbeitete, wie die Mitgründer Frank Freund und Michael Stephan auch, bei der bekannten Unternehmensberatung McKinsey, bevor er mit Mitte 30 den Sprung zum Start-up-Gründer wagte. Das Team gründete Ende 2012 die SavingGlobal GmbH, Georgadze resümiert: “Wer vom Berater zum Entrepreneur wechseln möchte, sollte den Schritt im Vorfeld genau mit den persönlichen Verhältnissen abgleichen. Wartet man zu lange ab, lassen es das private Umfeld und ein natürliches Sicherheitsstreben gegebenenfalls nicht mehr zu. In fünf Jahren, mit 40, hätte ich diesen Schritt vielleicht nicht mehr gewagt.” Er fährt fort: “Das eigene Unternehmen entwickelt eine viel stärkere Dynamik. Zwar ist das Berufsleben als Consultant schon volatil, aber hier wird nochmal ein Gang hochgeschaltet. Dafür ist die Arbeit aber auch oft sehr emotional und spaßig.”

Gruppenfoto des WeltSparen-Gründerteams

Georgadze greift auch nach der Gründung der eigenen Firma immer noch auf frühere Kontakte zurück. Es sei mit am wichtigsten, das persönliche und berufliche Netzwerk aus der vorherigen Arbeit einzubringen, sagt er. Manche Leute würden sich davor scheuen, wofür es aber keine Gründe gebe. Gerade dieses berufliche Vorleben sei für Neugründer wichtig, Georgadze würde von einer Gründung abraten, in der das Team kein Branchenwissen habe. Als Consultant sei er zehn Jahre im Banking aktiv gewesen und habe daher nicht nur Know-How, sondern auch Erfahrung mit Kundenwünschen gesammelt. Schließlich warnt Georgadze noch vor den möglichen Schwierigkeiten eines ehemaligen Beraters: “Ein typischer Fehler ist zum Teil Selbstüberschätzung und übertriebener Optimismus. Die Umsetzung im Start-up ist zuweilen schwieriger und langwieriger als man es anfangs naiv einschätzt.”

Kommt beruflich aus den Bereichen der Mediengestaltung und der Betreuung demenziell erkrankter Menschen. Seit Ende 2012 ist er freier Journalist mit dem Schwerpunkt Start-ups, interessiert sich aber auch für E-Reading und Open Source.