Good Morning Tel Aviv! Wix, Waze, Onavo – The Sky is The Limit

Marketing & PR-Expertin Andrea Frahm nimmt für deutsche-startups.de die brodelnde israelische Start-up-Szene unter die Lupe und berichtet in ihrer Kolumne Good Morning, Tel Aviv! Israel regelmäßig aus dem Start-up-Paradies Tel Aviv, stellt Gründer […]
Good Morning Tel Aviv! Wix, Waze, Onavo – The Sky is The Limit

Marketing & PR-Expertin Andrea Frahm nimmt für deutsche-startups.de die brodelnde israelische Start-up-Szene unter die Lupe und berichtet in ihrer Kolumne Good Morning, Tel Aviv! Israel regelmäßig aus dem Start-up-Paradies Tel Aviv, stellt Gründer vor, berichtet über innovative Projekte und Initiativen und durchleuchtet das Geheimnis des Erfolges des Start-up-Hubs im Nahen Osten.

Ein sonniger Vormittag mit blauem Himmel auf einer formidablen Dachterrasse mit Blick über Tel Aviv und das Meer, die Länderflaggen der 14 Länder, die am Wettbewerb Start Tel Aviv teilgenommen und gewonnen haben, wehen im mediterranen Sommerwind. Der Gastgeber? Wix, eine globale Web Development Plattform mit 38 Millionen registrierten Usern. Es gibt viel zu feiern auf der Dachterrasse, die zum Wix-Office am Tel Aviv Port gehört und der Entspannung der Mitarbeiter sowie regelmäßigen Startup Events der Stadt dient. Man feiert offiziell den Kick Off des Tel Aviv DLD Innovation Festivals, und inoffziell den Börsengang des Unternehmens mit dem für deutsche Sprachverhältnisse leicht irreführenden Namen…

Für mich ist dieser Börsengang ein weiteres sicheres Zeichen dafür, dass aus der “Start Up Nation” Israel mit stetiger Geschwindigkeit eine “Scale Up Nation” wird. Denn der Börsengang von Wix ist nur ein Beispiel von vielen weiteren IPO’s in der Pipeline. Große Investmentfirmen stehen bereits Schlange, um vielversprechenden Start Ups die nötige Finanzspritze zu verpassen. Outbrain, My Heritage und Gigya sind nur die Spitze des Eisbergs; seit der DLD-Konferenz vor 2 Wochen haben sich bereits weitere Entrepreneure mit ihren Business-Modellen erfolgreich auf dem Markt etabliert. Die ständige Frage auf allen DLD-Festivitäten unter den über 1000 teilnehmenden israelischen Entrepreneuren und weiteren 1000 internationalen Konferenz-Besuchern: Geht es israelischen Entrepreneuren nicht mehr nur um den erfolgreichen Exit, wie überall behauptet? Die Meinungen gehen auseinander. Eines kristallisiert sich allerdings immer mehr heraus: Eine Million Dollar Investment ist hierzulande nicht wirklich mehr cool. Cool ist eine Milliarde. Und zwar um Firmen zu gründen, die bestehen bleiben, und um diese langfristig aufzubauen.

Apropos 1 Milliarde Dollar…der spektakuläre Verkauf von Waze, einer Traffic-Navigations-Applikation, an Google Anfang des Jahres, war nicht nur ein Freudenfest und Triumph für das Gründerteam selbst; es war vielmehr eine inspirierende Erfolgsstory für die zahlreichen Techies und Entrepreneure in Tel Aviv. Und so besteht die aktuelle Herausforderung der israelischen Startup-Nation vermehrt darin, Firmen aufzubauen, die in derselben Liga wie Google und Facebook spielen, mit Büro in Tel Aviv.

Facebook nutzte die DLD-Konferenz im Übrigen unter anderem dazu, um im Rahmen der Übernahme des Software-Startups Onavo, die Eröffnung ihres ersten offiziellen israelischen Standorts in Tel Aviv bekanntzugeben – die 30 Mitarbeiter aus dem Onavo-Entwicklungsteam inklusive. Onavo’s Gründerteam haben ihr fundiertes Entwickler-Know-How in der Forschungsabteilung im Rahmen ihres Militärdienstes errungen. Für alle, die mit den diversen Funktionen des israelischen Militär nicht vertraut sind: Hier wird in den Forschungsabteilungen die Crème de la Crème der Entwickler herangezüchtet; Absolventen aus diesen Abteilungen werden nach Beendigung des dreijährigen Militärdienstes (zweijährig für Frauen) umrungen und abgeworben wie in anderen Ländern Elite-Universitätsabsolventen.

450 Millionen Dollar steckt das israelische Wirtschaftsministerium in Forschung und Entwicklung, und das Militär steht als großer Supporter hinter der erfolgreichen High-Tech-Industrie des Landes. Avi Hasson, der Forschungschef des Wirtschaftsministeriums in Israel, vertritt zum Erfolgsrezept der Startup-Nation seinen klaren Standpunkt: “Israel steht für Innovation. 50% unserer Exporte stammen aus der High-Tech-Industrie.”

Hila Oren, verantwortlich für die Vermarktung Tel Aviv’s als Global City, teilt ebenfalls eine klare Meinung zum Startup-Boom: “Hier in Tel Aviv findest du Entrepreneure mit einer Mischung aus Erfahrung, Teamgeist und Chuzpe. Versagensängste werden hier durch Mut ersetzt. Und sollte man im ersten Anlauf versagen, stehen wir auf und probieren es nochmal.”

Laut Hila Oren ist es dieser Erfolgsformel auch zu verdanken, dass immer mehr Talente aus der ganzen Welt nach Tel Aviv kommen, um sich hier niederzulassen und ihr Unternehmen zu gründen. Damit dies auch weiter so bleibt, reisen Oren und ihr dreiköpfiges Marketing-Team um die Welt, um die Stadt Tel Aviv zu promoten – die TechCrunch Disrupt Europe in Berlin letzte Woche gehörte natürlich dazu, nicht zuletzt auch mit dem Bestreben, den Austausch der beiden innovativen Städte kontinuierlich zu fördern.

Doch zurück zu Wix und dem Start Tel Aviv Welcome Brunch auf der sonnigen Dachterrasse: Das Unternehmen geht mit leuchtendem Beispiel voran. Gegründet in 2006, sahen sich die Gründer Avishai und Nadav Abrahami damals nicht einfach nur als ein weiteres Produkt auf dem Markt, sondern holten zügig und konsequent eine Vielzahl an namhaften Investoren an Bord, mit dem Ziel, langfristig in der oberen Liga mitzuspielen und als israelisches Startup-Vorbild zu fungieren. Aus dem Start-Up-Vorbild wurde nun ein Scale-Up-Vorbild.

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PS: Detaillierte Hintergrundinfos zu diesem Thema gibt es übrigens im Business Lab “Startup-Synergien zwischen Deutschland und Israel” beim zum dritten Mal stattfindenden Deutschen Israel Kongress, am 10. November in Berlin. Dabei sein werden unter anderem Vertreter von Jerusalem Venture Partners, The Elevator sowie Investor-Legende Yossi Vardi. Anmeldung hier: http://www.israelkongress.de/de/kontakt/

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