“Im Kunstmarkt liegt großes geschäftliches Potenzial” – Daniela Hinrichs von DEAR Photography

Künstler und Sammler zusammenbringen, ist das große Ziel von Daniela Hinrichs. Im Offlineleben wird das immer schwieriger, weil der Markt vielfach intranspartent geworden sei. Deswegen will Hinrichs die unterschiedlichen Interessengruppen mit DEAR Photography […]
“Im Kunstmarkt liegt großes geschäftliches Potenzial” – Daniela Hinrichs von DEAR Photography

Künstler und Sammler zusammenbringen, ist das große Ziel von Daniela Hinrichs. Im Offlineleben wird das immer schwieriger, weil der Markt vielfach intranspartent geworden sei. Deswegen will Hinrichs die unterschiedlichen Interessengruppen mit DEAR Photography (www.dearphotography.com) verbinden. Im Gründer-Kurzinterview spricht Hinrichs über den Kunstmarkt und das große wirtschaftliche Potenzial, dass dieser enthält.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Mich hat es sehr bewegt zu wissen, dass viele Künstler von den Verkäufen ihrer Arbeiten nicht leben können. Dazu kommt, dass die traditionelle Sammlerschicht dabei ist sich aufzulösen. Sehr gute Künstler bleiben in wachsender Zahl auf ihren Angeboten sitzen. Eine neue Lösung musste her. Auf DEAR Photography präsentieren wir deshalb ausgewählte Künstler und ihre Photographien. Wir bringen Künstler und Käufer zusammen: Es gibt einen direkten Zugang zu den Kunstwerken, es erfolgt keine verdeckte Kunstberatung, keine künstliche Verknappung oder Zuteilung an interessierte Käufer wie es oft der Fall ist. Weil das Angebot zeitlich und örtlich unabhängig ist, sprechen wir weltweit neue Käufergruppen und Sammler an. Wirtschaftlich betrachtet liegt im Kunstmarkt großes geschäftliches Potenzial: intransparent und milliardenschwer. Das Internet bricht die alten Strukturen auf und relativiert die Position von Gatekeepern.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Tatsächlich minimal und nur in einem Punkt. Für Künstler ist es wichtig, dass Kuratoren ihre Arbeiten sehen und entdecken. Das erhöht die Chance, dass eines ihrer Werke in einer Ausstellung gezeigt wird. Am Anfang hatte ich diesem Aspekt eine eigene Kategorie gewidmet und es schlussendlich doch anders umgesetzt. DEAR Photography positioniert sich als disruptives Model zu den Galerien. Das ist geblieben.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Wir sind die ersten Anbieter im Kunstmarkt weltweit, die ihren Kunden eine kostenlose Augmented Realtiy App bieten, mit der Kunstwerke in Originalgröße an der ausgewählten Wand angezeigt werden. Und im Gegensatz zum Sekundärmarkt, der vielen in Form von Auktionen bekannt ist, arbeiten wir direkt mit dem Künstler zusammen. Wir zeigen hochwertige Arbeiten, die als Unikate oder exklusive limitierte Editionen erhältlich sind. Künstler und Angebote sind kuratiert, nicht jeder Künstler kann seine Arbeiten auf DEAR Photography zeigen. Wir unterscheiden uns damit von allen Online Angeboten, die entweder hohe Editionen verkaufen oder nur Kunstwerke im Auftrag von Galerien anbieten, die nicht Verkauftes aus Lagern präsentieren, die einen wissenschaftlichen Ansatz verfolgen oder wo jeder der sich als Künstler versteht seine Arbeiten hochladen kann.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Die Aufgabe von Dear Photography ist es Kunstinteressierte durch die Omnipräsenz von Fotografie zu navigieren und zu helfen qualitativ hochwertige Inhalte schneller zu entdecken. Wir haben es ‚geschafft’, wenn wir aufgrund von dearphotography.com Bilder verkaufen.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Im Gegensatz zu den branchenüblichen 50% erhält der Künstler bei uns mit jedem Verkauf 70% vom Verkaufspreis. Da wir im High-end Markt positioniert sind, sind 30% eine sehr gute Marge. Dem gegenüber steht eine sehr schlanke Kostenstruktur, kombiniert mit einer hohen Reichweite und einem internationalen Netzwerk. Momentan sind Werke mit einem Wert von insgesamt 900.000 Euro auf DEAR Photography vertreten. Mit jedem Verkauf verdienen wir gutes Geld.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
Die für den Kunstmarkt wichtigsten Länder wie USA, China, Großbritannien, Frankreich und Deutschland erreichen wir schon heute, das zeigen uns die Besucherströme. Aber auch aus Japan, Russland, Indien und Brasilien gibt es Interesse.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
DEAR Photography hat sich beim Kunstkauf etabliert.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Daniela Hinrichs ist Unternehmerin, Kommunikationsspezialistin, Business Angel und bekannte Sammlerin zeitgenössischer Fotografie. Neben der Geschäftsführung von Yellowdine Ventures, ihrer eigenen Investmentgesellschaft, kombiniert Daniela Hinrichs (ehemals XING) mit ihrem jüngsten Unternehmen DEAR Photography, dem neuen Online-Handel für Fotografie.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.



  1. Cornelius

    Naja, 30% Marge von 900.000 EUR Objektvolumen entsprechen einem Umsatz von 270.000 EUR. Und das auch nur dann, wenn jedes einzelne Werk auch tatsächlich verkauft wird.

    Abzüglich Kosten bleibt da nicht so viel übrig – jedenfalls nicht so viel, um hier so einen Wirbel darum zu machen.

    Und dann besteht da noch die Frage, wer die Werke kaufen soll. Otto Normal wird sich sicherlich kein Werk aus dem “High-End” Bereich für über 1.000 EUR in sein Wohnzimmer hängen. Und derjenige, der es sich leisten kann, wird seine Kunst wohl kaum im Internet kaufen, ohne das Werk vorher in Realität gesehen zu haben.

    Kennen Sie LUMAS? Da geht es auch um Fotokunst – ebenfalls direkt von den Künstlern und durch leicht höhere aber dennoch limitierte Auflagen erschwinglich. Und durch die Galerien vor Ort mit der Möglichkeit, das Werk vorab zu sehen.

    Ich bin skeptisch.

  2. Grundsätzlich finde ich es gut, dass Kunst auch ins Internet kommt. Was mich ein wenig stört ist dieses immer wiederkehrende “wir sind die Einzigen, Besten” etc. – Saatchi online macht dies auch schon gefühlt ewig.

    Auch ganz neu (etwa zum gleichen Zeitpunkt wie dearphotography online gegangen) ist z.B. http//www.jimago.de – die jetzt sicher nach und nach neue Fotografen anziehen werden.

    Und wie @cornelius schon anschaulich ausgerechnet hat ist eine Marge von 30% erst bei einem entsprechenden Verkaufsvolumina wirklich spannend.



  3. Rondo

    Ich verstehe nicht, weshalb manche Chef- Frauen krampfhaft einen auf eigenes Business machen müssen…



  4. Roberto

    Ich finde es gut, wenn jemand aus seiner Leidenschaft ein Beruf macht.

    Es muß ja auch nicht immer ein VC-finanzierbares Modell sein. Und da kenne ich eh genügend größere Startup-Wunderkinder, die ihre Kosten gar nicht decken können. Amen.



  5. Camus

    Das Thema Kunstfotographie in limitierten Editionen machen Lumas und Yellowkorner schon seit einigen Jahren – und das nicht schlecht.
    Das Modell von DEAR komplett ohne stationären Handel und nur im High-End Bereich halte ich für schwer skalierbar.

  6. Jedes neue Projekt im Bereich Kunst begeistert mich!
    Als ich vor Jahren die Domain kunstgalerie.de kaufte, da wurde ich von Künstlern, Galeristen und auch von den eCommerce-Päckchen-Schubser belächelt.
    “Kunst wird sich nie im Netz verkaufen”, war deren Meinung.
    Eben doch! Und deshalb ist es klasse, dass nun immer mehr Akteure sich diesem Thema annehmen; das bringt das Thema ins Bewußtsein der potentiellen Käufer.
    Ich denke auch, dass der Markt so vielfältig und groß ist, dass einige Projekte gute Überlebenschancen haben werden.

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