Samwer-Brüder wollen laut vertraulichen Unterlagen H&M “in die zweite Reihe drängen” und Ikea “abhängen”

Das Manager Magazin enthüllt sich seiner neuesten Ausgabe (ab Freitag am Kiosk) streng vertrauliche Papiere aus dem Hause Rocket Internet. Kern dieser Geheimpapiere, bei denen es sich um banale Investorenunterlagen handelt, sind die […]
Samwer-Brüder wollen laut vertraulichen Unterlagen H&M “in die zweite Reihe drängen” und Ikea “abhängen”

Das Manager Magazin enthüllt sich seiner neuesten Ausgabe (ab Freitag am Kiosk) streng vertrauliche Papiere aus dem Hause Rocket Internet. Kern dieser Geheimpapiere, bei denen es sich um banale Investorenunterlagen handelt, sind die unglaublichen Wachstumsfantasien des Berliner Inkubators, der seit einigen Jahren weltweit dutzende E-Commerce-Projekte hochzieht und mit viel viel Kohle ausstattet.

Binnen drei bis fünf Jahren sollen die Samwer-Brüder, auch an ds beteiligt, demnach “mit fast jedem ihrer zahlreichen internationalen E-Commerce-Start-ups in die Milliardenumsatzliga vorzustoßen und dann zweistellige Umsatzrenditen zu erwirtschaften”. Der südamerikanische Online-Shop dafiti (www.dafiti.com.br) soll laut dem Bericht im Jahr 2016 schon rund zwei Milliarden Euro Erlöse (2012: 91 Millionen) einspielen. Die russische Zalando-Version Lamoda (www.lamoda.ru) wiederum soll 2016 rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz (2012: 45 Millionen) einspielen. Die lateinamerikanische Amazon-Kopie Linio (www.linio.com) schließlich soll 2017 einen Ertrag von 281 Millionen Euro einfahren.

“Milliardenumsatzliga” ist das Ziel

“Eine angenommene Umsatzrendite von 12 %. Zum Vergleich: Das amerikanische Original Amazon brachte es im vergangenen Jahr auf gut 1,1 %”, schreibt das Manager Magazin. Zum Vergleich noch einmal ein Blick auf zalando (www.zalando.de): Der deutsche Schuh- und Modeshop erwirtschaftete 2012: 1,15 Milliarden Euro Umsatz; der Verlust summierte sich auf 90 Millionen Euro – siehe “Zalando steigert Umsatz auf 1,15 Milliarden Euro; Break-Even in DACH-Region“.

Wie immer finden Oliver, Marc und Alexander Samwer in ihren Investorenunterlagen markige Worte für ihre Pläne: Die erfolgreichen Modeketten Zara und H&M wolle man in die zweite Reihe drängen, den Möbelgiganten Ikea gar “abhängen”, schreiben die Samwers laut Wirtschaftsblatt an ihre potentielle Geldgeber. Zumindest sind keine “Blitzkrieg” und Blutmetaphern unter den Ausführungen. Oliver Samwer ist bekanntlich der “aggressivste Typ auf der Welt”. “Ich würde sterben, um zu gewinnen, und ich erwarte dasselbe von euch!”, schrieb er 2011 in einer E-Mail.

Neue Investoren für das Rocket-Reich

Das Manager Magazin liefert abschließend noch eine Liste mit zahlreichen Investoren, die “dem Ruf der Samwers bereits gefolgt seien”. Der indische Stahlmagnat Lakshmi Mittal investierte demnach fünf Millionen Euro in die Zalando-Ableger in Lateinamerika, Indien, Russland und Nahost. Kurt-Rudolf Schwarz, der Erbe der deutschen Pharmadynastie Schwarz, investierte 10 Millionen Euro. Und der ukrainische Milliardär Victor Pinchuk 15 Millionen Euro.
Der kolumbianische Finanzmanager und Biermagnat Alejandro Santo Domingo zu guter letzt investierte 25 Millionen Euro in Dafiti. Für Rocket-Verhältnisse alles eher kleinere Investments, immerhin investierte alleine Kinnevik in den vergangenen Jahren 1,1 Milliarden Euro in das weltweite Rocket Internet-Imperium. Auf dem IdeaLab rühmte sich Oliver Samwer im vergangenen Jahr damit, dass er 2012 satte 750 Millionen US-Dollar eingesammelt habe. Und wie zu sehen ist, haben die drei Brüder noch immer Hunger auf mehr.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.