Project A-Macher Heinemann zieht Bilanz: Wine in Black hui, Kochzauber eher pfui

Knapp ein Jahr nach dem Start von Project A Ventures zieht Geschäftsführer Florian Heinemann erstmals öffentlich eine Bilanz des Inkubators, der von Otto finanziell unterstützt wird. In einem interview mit der Wirtschaftswoche gibt […]
Project A-Macher Heinemann zieht Bilanz: Wine in Black hui, Kochzauber eher pfui

Knapp ein Jahr nach dem Start von Project A Ventures zieht Geschäftsführer Florian Heinemann erstmals öffentlich eine Bilanz des Inkubators, der von Otto finanziell unterstützt wird. In einem interview mit der Wirtschaftswoche gibt sich Heinemann mit der bisherigen Entwicklung der Firmenschmiede zufrieden: “Es gab zwölf Investitionen, geplant war die Hälfte”. Zu den bekannten Start-ups im Portfolio von Project A gehören momentan Amerano, Glow, Kochzauber, Natue, nu3, Popdust, semasio, Toroleo, Tirendo, Shirtagram und Wine in Black. “Außerdem haben wir die Infrastruktur aufgebaut. Ein sehr gutes Team mit mehr als 100 Personen. Vor allem aber auch die technischen Systeme”, sagt Heinemann dem Magazin.

Auch zu einigen Start-ups äußerst sich Heinemann erstmals. Das “Vorzeigeprojekt Tirendo (www.tirendo.de), ein Online-Reifenhändler, entwickelt sich demnach gut. Tirendo setzt Project A bekanntlich gemeinsam mit der European Media Holding um. Mit dem Hamburger Family Office Jahr, hinter dem die bekannte Verlegerfamilie steckt, konnten die Berliner, die mit dem zweifachen Formel 1-Weltmeister Sebastian Vettel in die große TV-Werbeschlacht gezogen sind, bereits im vergangenen Jahr einen äußerst bekannten externen Investor für ihr Unternehmen gewinnen. Gleichzeitig erwartet Heinemann, dass man noch “einen zweistelligen Millionenbetrag investieren” müsse, bis Tirendo profitabel werde. Ziel sind 100 Millionen Euro Umsatz mit Tirendo.

“Positiv überrascht” zeigt sich Marketing-Experte Heinemann vom Weinhändler Wine in Black (www.wine-in-black.de), in den gerade Bright Capital Digital “mehrere Millionen Euro” investierte. Nach eigenen Angaben verfügt Wine in Black derzeit über 200.000 Mitglieder. Monatlich kommen rund 10.000 Mitglieder dazu. Der durchschnittliche Verkaufspreis liegt bei 15 Euro. Die “FAZ” berichtete kürzlich von vierstelligen Flaschenzahlen die “an guten Tagen” über die Plattform abgesetzt werden – was einen Tagesumsatz von “mindestens 15.000 Euro bedeuten” würde. Heinemann nennt mehr als eine “halbe Million Euro Umsatz” im Dezember des vergangenen Jahres. Als negatives Beispiel nennt Heinemann den Abo-Rezept-Dienst Kochzauber (www.kochzauber.de). Diese entwickele sich langsamer als gehofft. In dem Segment ist die Konkurrenz in Deutschland aber auch extrem – siehe “5 Abo-Rezeptdienste buhlen in Deutschland bereits um Nutzer“.

Zum erwarteten Einstieg von Axel Springer – siehe “Axel Springer vor Einstieg bei Project A – Medienhaus will 50 Millionen Euro investieren” – gibt es dagegen noch keine Neuigkeiten. “Wir sprechen mit einigen Interessenten. Wenn es strategisch passt, machen wir das. Es muss aber nicht sein, da wir mit Otto über einen finanzstarken Partner verfügen”. Mal sehen, ob und wann ein neuer Geldgeber bei Project A aufschlägt. Zumal die Samwers, der einstige Arbeitgeber des Project A-Führungsteams gerade mit Global Founders Capital 150 Millionen Euro in Start-up investieren will.

Passend dazu der Hinweis auf eine Präsentation von Alexander Graf, die er bei der Exceed Konferenz auf die Leinwand warf. Zitat: “Aus meiner Sicht haben wir in den letzten 2 bis 3 Jahren im E-Commerce vorrangig langweilige und wenig dynamische Geschäftsmodelle gesehen. Meistens ging es ‘nur’ um Kombinationen von Vertriebskonzepten in verschiedenen Sortimenten und Zielgruppen. Und wenn die manchmal auch vielversprechenden Konzepte einmal gestartet (und finanziert) sind, dann geht es oft nur noch um die Optimierung der Marketingkanäle und der Website. Das ist so eine Art Mantra (Tracking, Conversion, Usability), das uns den Blick auf wirklich spannende Entwicklungen verwehrt. Ich habe dieses Mantra (dargestellt in Kegelform) als Florian Heinemann Effekt bezeichnet”.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.