• Von ds-Team
    Freitag, 9. November 2012
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    12 Methoden, garantiert nicht in die Medien zu kommen

    12 Methoden, garantiert nicht in die Medien zu kommen – Gastbeitrag von Joachim Graf (siehe links) vom Branchendienst ibusiness. Jeder Blogger kann Ihnen das sagen: Pressearbeit ist heutzutage so-was von OUT. Oder sehen […]

    12 Methoden, garantiert nicht in die Medien zu kommen – Gastbeitrag von Joachim Graf (siehe links) vom Branchendienst ibusiness.

    Jeder Blogger kann Ihnen das sagen: Pressearbeit ist heutzutage so-was von OUT. Oder sehen Sie irgendwo noch klassische Medien? Eben. Der Communicator von Welt (mit großem “C”, bitte) kommuniziert nicht mehr mit der Presse, sondern direct (mit kleinem “c”) an den Juser. “Qualitätsmedien” – wenn ich das schon höre: Jeder Social-Media-Berater kann Ihnen erklären: Die Zukunft, die Gegenwart und überhaupt in Unternehmenskommunikation und Public Relation liegt in der Social-Media-Kommunikation. Jeder Internet-Agentur-Chef kann Ihnen erklären:

    * Die Zukunft, die Gegenwart und überhaupt in Unternehmenskommunikation und Public Relation liegt im Internet und dort (je nach Ausrichtung der Agentur)
    * im Corporate Blog,
    * in der Videokommunikation auf Youtube,
    in der konversionratenoptimierten Landingpage oder
    (hier das aktuelle Kommunikationsmodell der Agentur einsetzen).
    * Jeder SEO kann ihnen erklären: Die Zukunft, die Gegenwart und überhaupt in Unternehmenskommunikation und Public Relation liegt im SEO

    Kommunikationsprofis des 21. Jahrhunderts sprechen deswegen längst nicht mehr über sogenannte “Inhalte”, sondern präzise und zukunftsweisend über “Content” (mit großem “C”, bitte). Und der geht ins Soschlweb. Facebook-Fanpages und so. Push-Kommunikation über Zeitungen, Magazine, TV und Onlinemedien sind deswegen ja bekanntlich überholt. Pullmedien sind angesagt – in erdig-wolligen Brauntönen und am liebsten mit großem gehäkelten Norwegermuster.

    Und wenn der Chief Communication Officer (das sind Sie – mit zweimal großem “C”, bitte) seinem Content-Manager zur Communication die Message gibt, damit er den Content über die innovativen, angesagten, neuen Social-Media-Kanäle an den Juser bringt – dann schaden Veröffentlichungen in klassischen, alten, vorgestrigen sogenannten “Medien” (gar noch gedruckt!) nur. Duplicate Content ist schließlich von Übel (kann Ihnen jeder SEO sagen)!

    Damit Sie also ab sofort garantiert sicherstellen, von den verbliebenen belanglosen und überholten Journalisten übersehen zu werden, finden Sie im folgenden die bewährten todsicheren Methoden, um garantiert erfolglose Pressearbeit zu machen.

    Schweige
    Als seit Jahrzehnten führend im Markt der Nicht-Kommunikation hat sich das Verfahren des Selbstversteckens herauskristallisiert. Die allermeisten Interaktivunternehmen beherrschen das von der Pike auf. Vermutlich steht das in jedem Start-up-Businessplan oder ist Finanzierungs-Voraussetzung bei den Hausbanken: Das Schweigen. Was du nicht kommunizierst, das kann auch nicht aus Versehen veröffentlicht werden. Typischer Gesprächsablauf mit einem interaktiven Geschäftsführer:
    Er so: “Sie schreiben doch immer über jeden Scheiß, warum nicht mal über unseren?”
    Ich dann so: “Tschuldigung, aber die Telepathieseminare für Journalisten sind immer ausgebucht. Am besten, Sie schicken mir einfach eine E-Mail, wenn sich bei Ihnen was tut”.
    Er drauf so: “Ach ja, Pressearbeit. Sobald ich mal wieder ein bisschen Zeit habe, kümmere ich mich persönlich darum. Und nach unserer nächsten Umstrukturierung haben wir einen Leiter Vertrieb, Marketing, Business Development und Inhouse-Mailing-Management. Der macht das dann mit.”

    Sei ein SEO, Suchmaschinenoptimierer, SERP-Positionierer, Keyword-Cloud-Entwickler, SEM-Experte, Suchmaschinenmarketeer
    Wir alle wissen: Es geht nicht um Inhalte. Es geht um die SERP. Es geht um Backlinks, um Positionierung. Kurz: Es geht um Google. Pumpe deine Mitteilung auf sämtliche deiner Websites und Linknetzwerke (Backlinks!). Und wenn sie dort gut performen (Positionierung!), dann verschicke sie über sämtliche Presseverteiler, Gratis-Pushdienste, Social-Media-Kanäle und anschließend nochmal per Pressemitteilung. So entwertest du gekonnt jeden Nachrichtenwert für Online- wie Print-Medien.

    Sei arrogant
    Dein Unternehmen ist bekanntlich das einzige Unternehmen, das Pressemitteilungen verschickt. Das solltest du in jeder Kommunikationsphase betonen. Zeige der undankbaren Journaille, wie abhängig sie von dir ist. Verlange Hofberichterstattung – vor, während und nach der Berichterstattung. Bestehe auf Vorlage sämtlicher Artikel vor Erscheinen – nicht nur die mit deinen Zitaten. Weise den Chefredakteur oder Verleger auf unbotsame Redakteure hin, die beispielsweise ein besonders hübsches Zitat deines “Vice President Garbage Control Management EMEA” verunstaltet (aka: gekürzt) oder die denglische Funktionsbezeichnung eingedeutscht haben. Weise stets darauf hin, dass dein Unternehmen Anzeigenkunde ist. Oder noch besser: Weise darauf hin, dass es das vielleicht werden könnte. Das motiviert jeden Redakteur besonders.

    Sei aufdringlich
    Verschicke Pressemitteilungen und lade zu einer top-exklusiven Pressekonferenz ein, auch und gerade dann, wenn Ihr nichts zu sagen habt. Das Update von Version 3.101 auf 3.11, oder der Neueinstieg eurer Presseabteilung in Twitter sind garantierte Menschenmassen versammelnde Brüller.

    Sei multiplizierend
    Schicke Pressemitteilungen immer an möglichst viele Redakteure einer Redaktion, egal, ob es um ihr Thema geht oder nicht. Sicher ist sicher (jeder Technik-Redakteur freut sich über die zu kommunizierten Liebesschwüre eures Testimonial-Promis). Vermeide in jedem Zusammenhang zentrale Redaktionsaccounts wie redaktion@verlag.de. Da ist eure Meldung ja nicht allein.

    Sei innovativ
    Glaubst du an den Juser? Wer deutsch redet und schreibt, der weiß einfach nicht, was in den kommenden Märkten des Internets angesagt ist. Wer verständlich schreibt, verliert. Das verstehen weder Redakteur noch Leser. Merke: Mindestens jedes achte Wort deiner Pressemitteilung sollte der englischen Sprache entstammen: Game Changer, Revolution, Innovation, Top of the edge, Leading, Inhouse Mailing Manager, Garbage Control Facility.

    Sei faul
    Als Text der Pressemitteilung verwende am besten den aus dem Whitepaper vom letzten Monat. Oder den aus dem Produktflyer oder den aus der laufenden Anzeigenkampagne. Lege deiner Pressemitteilung den Produktflyer / das Whitepaper / den Screenshot der Anzeigenkampagne bei. Das beweist: “Diese Meldung ist kalter Kaffee”

    Sei konkurrenzfördernd
    Kühlschranktemperatur erreicht dein kalter Kaffee durch den Hinweis auf die bereits erfolgte Berichterstattung in Konkurrenzmedien. Lege zum Beweis eine PDF-Veröffentlichung der Konkurrenz als Attachement bei. Das belegt, dass diese am Puls der Zeit operiert. Im Gegensatz zu der angeschriebenen – und ganz offensichtlich inkompetenten – Zielredaktion.

    Sei historisch
    Deine Produktmeldung wurde nicht oft genug gedruckt? Verschicke sie einfach mit neuem Datum noch einmal. Du gewinnst einen Freund fürs Leben, wenn ein Redakteur deine veraltete Meldung druckt.

    Sei schlau
    Verwandle Banalitäten in Features (“Der neue Touchscreen lässt sich sogar mit dem Finger bedienen”) oder beschreibe Funktionen, die dein Produkt bereits seit Jahren beherrscht so, als sei es in der jetzt erschienenen aktuellen Version neu hinzugekommen. Jeder Redakteur ist begeistert, wenn sein Text bei der Konkurrenz Heiterkeitsstürme ob seiner Inkompetenz auslöst.

    Sei geheimnisvoll
    Es gelte:
    PR-Agentur und Pressestelle gewähren nur wenigen eine Audienz.
    Die Aufnahme in den Presseverteiler ist eine Gnade. Fordere mindestens Presseausweis-Kopie und schriftliche Bestätigung vom Chefredakteur (und von der Mutter des Chefredakteurs), dass der Redakteur auch wirklich publizistisch arbeitet und sich nicht aus purem Hobby und Spaßvergnügen über die technischen Daten von Druckluftpumpen und Seitenwindvergasern informieren will. Blogger sind prinzipiell zu ignorieren – inkompetente und irrelevante Bande, das alles.
    Der Zugang zum Pressebereich auf der Website ist ein Privileg, das den wenigen Auserwählten vorbehalten ist. Sorge dafür, dass der Bereich passwortgeschützt ist. Lass die Passwort-Genehmigung zum Beispiel von der Teilzeit arbeitenden Sekretärin einmal wöchentlich am Freitagmittag erledigen. Wir merken uns: Zeit isst Geld.

    Sei nervig
    Lasse jeder Pressemitteilung hinterher telefonieren. Jeder Redakteur freut sich auf den säuselnden Anruf von Praktikantin Tanja-Anja: “Hallöchen, wir haben Ihnen eine Pressemitteilung geschickt. Haben Sie die denn beko-ho-mmen? Ich schicke Sie ihnen gerne gleich nochmal. Per Mail. Und per Post. Und per Fax. Und als gemeißelte Marmorausgabe.”

    20 weitere Methoden, garantiert nicht in die Medien zu kommen, nennt Joachim Graf bei ibusiness.

    In eigener Sache: deutsche-startups.de und ddp direct unterstützen Start-ups bei der Verbreitung Ihrer Pressemitteilungen

    Im Fokus: Weitere Artikel über PR, gibt es in unserem Themenspecial PR-Tipps für Gründer

    Zur Person
    Joachim Graf berichtet und analysiert die deutschsprachige und internationale Interaktiv-Branche seit 1991 – als Publisher von iBusiness.de (www.ibusiness.de), als Zukunftsforscher, Autor, Berater und internationaler Keynotesprecher.

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