15 Fragen an Burkhard Gersch von avandeo

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Mich selbst in dieser Form verwirklichen zu können und unabhängig zu sein möchte ich nicht mehr missen. Ich sehe meinen Beruf nicht nur als […]
  • Von Christina Cassala
    Freitag, 9. November 2012
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Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Mich selbst in dieser Form verwirklichen zu können und unabhängig zu sein möchte ich nicht mehr missen. Ich sehe meinen Beruf nicht nur als Job, ich lebe dafür. Mein ganzes Herzblut steckt in unserem Unternehmen. Ich habe die Möglichkeit, Menschen zu begeistern, meine Ideen umzusetzen. Das ist großartig.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Es war gar nicht so sehr eine Gelegenheit. Mein Bruder Ulrich und ich haben schon sehr früh begonnen, Geschäftsideen zu entwickeln und zu diskutieren. Im Endeffekt war es die Möbelbranche, die uns überzeugte, da wir hier ein riesiges Potenzial sahen – nicht zuletzt aufgrund zahlreicher eigener Umzüge. Meine IKEA Einrichtung aus Studentenzeiten hatte nach dem x-ten Umzug ausgedient und wir begannen, uns zum ersten Mal ernsthaft Gedanken zu machen, wie man aus Möbeln ein Business machen konnte. Hinzu kam, dass ich meine Wochenenden nicht mehr in trostlosen Möbelhäusern verbringen wollte. Ich wollte stilvolles Design zum fairen Preis und das Ganze per Mausklick vom Sofa. Meinem Bruder erging es genauso und so war unsere Idee geboren.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
In den ersten sechs Monaten nach Unternehmensgründung haben wir uns selbst bzw. über Angel finanziert, da gab es noch keine Fonds-Investoren. Als Büro diente unser Appartement in München. Bald kam dann noch eines in Shanghai dazu. Nach dem offiziellen Launch von avandeo in 2009 – damals noch design2desire – und der ersten Warenauslieferung zu Weihnachten des gleichen Jahres, begannen Gespräche mit dem HTGF und Mountain Super Angels. Sie finanzierten die erste Runde. Inzwischen gab es zwei weitere Runden mit zusätzlichen Investoren, darunter Partech International, LBBW Venture Capital und der KfW Bankengruppe.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Wir mussten schnell erkennen, dass das Möbelgeschäft sehr komplex ist. Von der Bestellung eines Sofas bis zur Anlieferung sind viele Schritte notwendig, die alle einwandfrei funktionieren müssen. Es mussten Produktionsstätten für unsere Möbel gefunden, Richtlinien für die Qualitätssicherung erstellt und natürlich ein Kundenservice- und Mitarbeiter-Team aufgebaut werden. Das waren große Herausforderungen.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Viele Unternehmer unterschätzen zu Beginn den Bereich des HR beziehungsweise haben dafür nicht den nötigen Blick, weil sie in ihrer Arbeit versinken. Das erging – ganz ehrlich – Ulrich und mir nicht anders. Es erfordert sehr viel Zeit und Fingerspitzengefühl, motivierte und qualifizierte Mitarbeiter zu finden und diese zu halten.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir vertrauen in der Bekanntmachung von avandeo ganz klar auf Online Marketing, ebenso wie auf Social Media und Pressearbeit. Das ist aber längst nicht alles. Word of Mouth ist unbezahlbar und oftmals effektiver als jede Marketing-Kampagne. Klar wollen wir Kunden gewinnen, im Endeffekt aber Fans. Jeder, der ein avandeo Designprodukt bei sich zu Hause stehen hat, soll überzeugt von uns sein und dies auch so an seine Freunde und Familie weitergeben können.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Mein Bruder Ulrich und ich haben avandeo gemeinsam gegründet. Jeder für sich allein hätte ein solches Mammut-Projekt nicht umsetzen können. Und natürlich haben wir unsere Partner, Familie und Freunde, die uns immer den nötigen Rückhalt geben.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Da gebe ich gerne die Tipps weiter, die ich einst erhalten habe und die sich bewährt haben: einen langen Atem sollte man haben, sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen, anpassungsfähig bleiben und offen sein, neue Wege zu gehen. Es klingt so einfach, aber es stimmt: aus Fehlern lernt man. Daher darf man keine Angst haben, auch welche zu machen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich würde mir wünschen, dass der Bund Anlaufstellen für Start-ups schafft, in denen sie gerade in der extrem stressigen Gründungsphase schnell und effizient Beratung aus einer Hand erhalten. Darüber hinaus täte ein bisschen mehr Werbung für die deutsche Start-up-Szene nicht weh. Übrigens nicht nur für Berlin. Auch München hat sich als attraktiver Standort für Neugründungen längst etabliert.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Vielleicht wäre ich Architekt geworden. Schöne Formen und Design begeistern mich nicht erst seit der Gründung von avandeo. Noch lieber wäre ich allerdings Skilehrer geworden. In den Bergen den Winter zu verbringen, jeden Tag auf den Brettern zu stehen, das stelle ich mir herrlich vor. Vielleicht ein Projekt für die Zukunft.

Bei welchem deutschen Start-ups würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Das ist eine gute Frage. Tatsächlich wäre das DerGugl.de. Die sitzen auch in München und liefern kleine runde Küchlein aus. Ein Guglhupf in allen Geschmacksrichtungen, wer fühlt sich da nicht an seine Kindheit erinnert? Ich fände den Produktionsprozess sehr spannend anzusehen, von der Teigware bis in die Schachtel vor die Haustür. Ein Start-up mit Liebe zum Detail.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In eine, die es noch nicht gibt, nämlich in die Zukunft. Natürlich interessiert mich zuallererst, wie sich avandeo entwickelt, aber auch, was für technische Neuheiten uns noch erwarten.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich habe keine so großen materiellen Bedürfnisse, die ich mit einer solchen Summe zufrieden stellen müsste. Wenn es möglich wäre, würde ich mir davon am liebsten Zeit kaufen, auf Weltreise gehen und erst wiederkommen, wenn das Zeitkonto aufgebraucht ist.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ich stehe früh auf, genieße ein ausgiebiges Frühstück und fahre danach in die Berge zum Skifahren. Im Sommer gerne auch zum Wandern oder an einen See zum Baden. Hauptsache, das Smartphone ist auf lautlos geschaltet.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Ich würde sehr gerne einmal den Graffitikünstler Banksy treffen. Über ihn ist nahezu nichts bekannt, seine Bilder dafür sind weltberühmt. Bei einem Bier würde ich ihn fragen, woher er seine Inspiration nimmt und wie er es schafft, trotz oftmals nächtelanger Sprühaktionen nicht erkannt zu werden.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwepunkt “15 Fragen an

Zur Person
Burkhard Gersch ist Gründer und Geschäftsführer der Designwelt GmbH mit Sitz in München. Sein 2009 geründetetes Start-up avandeo (www.avandeo.de) hat sich zum Ziel gesetzt, hochwertige Designmöbel und Wohn-Accessoires zum bestmöglichen Preis anzubieten. Nach zahlreichen Auslandaufenthalten war Gersch zunächst für KMPG und für den Allianz-Konzern sowie als Marketing-Berater bei Simon, Kucher & Partners tätig gewesen.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.