Fünfzehn Fragen an Julia Bösch von Outfittery

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Seine eigenen Ziele und Vorstellungen zu verwirklichen, ein wunderbares Team aufbauen zu können und gleichzeitig ein Problem in der Welt (wenn auch nur ein […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Seine eigenen Ziele und Vorstellungen zu verwirklichen, ein wunderbares Team aufbauen zu können und gleichzeitig ein Problem in der Welt (wenn auch nur ein kleines) zu lösen ist für meine Mitgründerin Anna und mich einfach das Beste. Und vor allem bedeutet es jeden Tag überrascht und herausgefordert zu werden.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die zündende Idee kam bei einem Besuch in New York, als mein Freund den Service einer Personal Shopperin ausprobierte. Diese sind in Amerika ja Gang und Gäbe, aber sehr teuer. Diesen Premium Service bieten wir nun kostenlos an.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir konnten mit Holtzbrinck Ventures und dem High-Tech Gründerfonds zwei sehr gute Partner für die Finanzierung gewinnen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Natürlich kann man nicht alles vorhersehen, da muss man dann einfach flexibel und kreativ sein. Es kostet Kraft, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Es ist wie Achterbahn fahren. Doch wenn man sieht, wie das Produkt und das Team wächst, macht es einfach extrem viel Spaß daran zu arbeiten.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Wir hätten von Anfang an stabilere Versandboxen verwenden sollen. Aber im Ernst: Wir sind mit der Entwicklung bisher sehr zufrieden: Outfittery wird mit großem Interesse angenommen, die Kunden freuen sich über ihre Boxen, unser Team ist eine super Truppe – da kann man nur stolz sein.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Unser Modell ist sehr viral. Wenn wir an einen Freundeskreis oder ins Büro liefern, werden wir weiterempfohlen und bekommen wenige Tage später aus dem gleichen Umfeld weitere Bestellungen. Auch Social Media und PR spielen eine große Rolle. Aber natürlich setzen wir auch auf die klassischen Online-Marketing-Kanäle.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Am wichtigsten ist natürlich meine Mitgründerin Anna Alex. Wir sind von Anfang an den Weg der Unternehmensgründung zusammen gegangen und haben alle Entscheidungen zusammen getroffen. Wir sind einfach ein eingespieltes Team.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Wenn man selbst ein Unternehmen gründen möchte, sollte man Selbstbewusstsein und einen eisernen Willen mitbringen. Wichtig ist es aber auch, dass man Spaß daran hat, an und mit seinem Produkt zu arbeiten sowie offen für jegliche Kritik zu sein.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Wie alle anderen Online-Startups sind wir ständig auf der Suche nach guten Entwicklern. Es sollte viel einfacher sein, Fachkräfte aus dem EU Ausland einzustellen. Ach, und bitte die IHK Zwangsmitgliedschaft abschaffen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Dann wäre ich auf der anderen Seite der Macht in einem VC Fonds.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Bei den netten Jungs von Gidsy.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich würde gerne ins 19te Jahrhundert reisen und den Hofschneidern über die Schultern schauen, die die feinen Herren ausgestattet haben. Da könnten wir bestimmt noch was lernen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
In Outfittery investieren und für unser Team ein kleines Häuschen am See kaufen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Am liebsten mit dem Rennrad im Berliner Umland.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit dem amerikanischen VC Fred Wilson, gerne auch in New York. Sein Blog über die amerikanische Start-up Szene ist großartig, er hat sicherlich extrem spannende Stories parat.

Zur Person
Julia Bösch ist mit Anna Alex Gründerin von Outfittery (www.outfittery.de), einer Personal Shopping-Plattform. Bevor sie ihr eigenes Unternehmen gründete, leitete sie die Internationalisierung von Zalando. Bei Outfittery ist sie nun verantwortlich für Marketing & Finance.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.