15 Fragen an Stefan Menden von JustBook

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?   Ich komme mit Autorität nicht gut klar und Anweisungen von Vorgesetzten demotivieren mich. Daher kann ich gar nicht anders, als Unternehmer zu sein. Ich […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?  
Ich komme mit Autorität nicht gut klar und Anweisungen von Vorgesetzten demotivieren mich. Daher kann ich gar nicht anders, als Unternehmer zu sein. Ich habe drei Jahre lang in einer Strategieberatung und danach zwei Jahre in einem VC-Fund gearbeitet – das war eine gute Lernerfahrung, aber auf Dauer muss ich mein eigenes Ding machen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up? 
Meine Mitgründer und ich sind privat wie geschäftlich viel unterwegs und Pläne ändern sich oft spontan. Darüber hinaus gab es in den USA in den letzten Jahren mehrere Unternehmen, die erfolgreich mobile Innovationen in den Markt für Hotelbuchungen gebracht haben. Also haben wir uns überlegt, wie so ein Angebot auch in Europa funktionieren könnte und JustBook gebaut. Seit Januar gibt es nun die kostenlose JustBook-App für iPhone und Android und täglich buchen spontane Reisende über uns richtig schöne Hotels zu unschlagbaren Preisen.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen? 
Das Gründerteam hat zunächst selber investiert. Dann haben wir schnell einen Kreis erfahrener Internet-Gründer als Seed-Investoren zusammengestellt. Mit Fabian und Ferry Heilemann (DailyDeal/Google), Felix Haas und den anderen Amiando-Gründern, Nils Henning (Bigpoint), Matthias Hunecke (Brille24) und anderen in der Startup- und Hotelszene gut vernetzten Personen haben wir einen wirklich wertvollen Kreis an Seed-Investoren zusammengestellt.
 
Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine? 
Direkt nach dem Launch der JustBook-App hat der dominante Marktführer für Online-Hotelvermittlung, HRS, unsere Hotels angemahnt, da diese bei uns bessere Preise und Verfügbarkeiten angeboten haben als bei ihnen. Das war eine klare Ausnutzung von Marktmacht mit dem Ziel, ein innovatives Konzept zu behindern. Das Bundeskartellamt hat uns allerdings sehr schnell und ungewöhnlich deutlich Recht gegeben und damit die sogenannte „Best Preis Garantie“ in der Hotellerie gekippt. Die meisten Hotels lieben uns dafür, da wir ein Stück Preisfreiheit für Hoteliers ermöglichen und Reisenden mit der JustBook-App ein günstiges Last-Minute-Angebot bieten können. Diese ersten Wochen nach unserem Launch waren aber ganz schön holprig.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen? 
Es ist vielleicht noch etwas früh, ein Resumé zu ziehen. Jeden Tag stellen sich uns noch neue Herausforderungen. Im Nachhinein hätten wir uns ein paar Umwege und Diskussionen ersparen können, sind aber mit dem Start sehr zufrieden.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig? 
Gute Produkte brauchen keine Werbung. Daher liegt unser Fokus ganz klar darauf, die beste App für mobile Last-Minute-Buchungen zu bleiben, jeden Tag die besten Hotels mit den besten Preisen zu bieten und einen hervorragenden Kundenservice zu bieten. Dafür prüfen wir jeden Tag mehrfach, ob unsere Angebote wirklich die besten sind und reagieren sehr schnell auf Nutzeranfragen auf Twitter, Facebook oder E-Mail. Der Rest ist Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener Nutzer.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Unsere Investoren und einige Experten aus der Hotellerie waren sehr hilfreich. Es ist schön zu sehen, wenn Leute sich von einem motivierten Team und einer neuen Idee begeistern lassen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg? 
Stellt euch ein sehr gutes Gründerteam zusammen. Seit sehr schnell und fokussiert. In drei Monaten kann jedes Internet-Geschäft online sein. Ich sehe viele Teams, die zwölf Monate lang im Kämmerlein sitzen und große Pläne schmieden, dann aber nie live gehen oder sich in Kleinkriegen zerstreiten.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen? 
Ich bin versucht zu sagen „dass er die Finger davon lässt und uns Unternehmer machen lässt“. Aber ehrlich: Wir brauchen keine Almosen. Die Politik muss nur Rahmen schaffen, in denen sich Kreativität entfalten kann – und dann die Gründer machen lassen. Macht es uns leichter, Talente aus dem Ausland anzuwerben, reduziert den bürokratischen Aufwand bei Gründung und Steuererklärung.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?  
Ich würde in einem Start-up arbeiten.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen? 
Bei Wooga.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie? 
1997 um bei der ersten Internet-Gründerwelle dabei sein.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld? 
Ich würde vermutlich die Hälfte in Start-ups investieren und mir mit dem Rest ein schönes Haus mit Garten und fettem Weber-Grill kaufen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag? 
Im Garten am Grill.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden? 
Auf ein bis zwei leckere Kölsch würde ich mich gerne mal mit Erich Fromm treffen und über „Haben oder Sein“ unterhalten, wenn er denn noch leben würde. Oder mit Steven Levitt – der ist ein wirklich interessanter Kerl und lebt zum Glück noch.

Zur Person
Stefan Menden gründete 2011 die kostenlose Smartphone-App JustBook (www.justbook.com), die Hotelbuchungen zu exklusiven Last-Minute-Preisen ermöglicht. Zuvor gründete er bereits das Online-Karrierenetzwerk squeaker.net (www.squeaker.net) und einen Mobile Couponing Dienst. Nach einigen Jahren bei einer Strategieberatung arbeitete Stefan in London bei dem Early-Stage VC-Fond StraubVentures und rief dort das European Venture Capital Network ins Leben. Mit „mvc“ (www.mendenventures.com) unterstützt er selber Start-up-Projekte und ist einer der Initiatoren der Kölner Start-up Konferenz „European Piratesummit“ (www.piratesummit.com).

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.