Orderbird gewinnt 50.000 Euro bei enable2start

Berlin ist das „Silicon Valley Europas“, keine Frage. Vergangene Woche ist die Hauptstadt allerdings von der Hansestadt Hamburg als Magnet für Gründer übertrumpft worden: Während deutsche-startups.de die zweite Echtzeit Hamburg veranstaltete, lud die […]
Orderbird gewinnt 50.000 Euro bei enable2start

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Berlin ist das „Silicon Valley Europas“, keine Frage. Vergangene Woche ist die Hauptstadt allerdings von der Hansestadt Hamburg als Magnet für Gründer übertrumpft worden: Während deutsche-startups.de die zweite Echtzeit Hamburg veranstaltete, lud die Financial Times Deutschland die Finalisten von enable2start ins piekfeine Hotel Louis C. Jacob an der Elbe, um ihre Geschäftsideen zu präsentieren. Unter ihnen waren auch Jakob Schreyer von Orderbird (www.orderbird.de) und sein Gründerkollege Bastian Schmidtke. Alles über Orderbird in unserem Artikel “Orderbird bringt die Gastronomiekasse aufs iPhone“.

Mehr als zwölf Stunden tagte die Jury, deren Zusammensetzung wie eine Art „Klassentreffen“ von Gründerikonen, Milliardären und Spitzenmanagern wirkte: Neben dem Gründer der DM-Drogeriemärkte (Götz Werner) und Xing-Gründer Lars Hinrichs saßen auch Deutschlands reichste Frau, Susanne Klatten, sowie die Unternehmerin Dagmar Sikorski in der Jury, die als Ehefrau des RWE-Chefs und Eigentümers der Georgsmarienhütte Jürgen Großmann ebenfalls dem Milliardärs-Club angehört. Mit dabei waren auch Top-Manager wie René Schuster, Deutschlandchef von Telefónica, sowie Rainer Hillebrand, Vorstand bei der Otto Group und dort treibende Kraft hinter den Beteiligungsaktivitäten von Otto in vielversprechende E-Commerce-Startups.

„Wir haben seit unserer Gründung schon unzählige Präsentationen vor Kunden, Partnern und möglichen Investoren gehalten, doch all das war kein Vergleich zu der Starbesetzung von enable2start“, erzählt Schreyer. Gerade mal acht Minuten hatte er Zeit, seine Geschäftsidee rund um sein mobiles Kassensystem zu präsentieren, um sich dann knappe 40 Minuten den Fragen der Juroren stellen zu müssen. „Es fühlte sich an wie ein Beratungsgespräch unter Starbesetzung – durchaus kritisch, aber mit brauchbaren Anregungen.”

Wirt, Kellner, Lieferant und in Zukunft auch Gast – alle können über Orderbird die Bestellung abwickeln. So begründeten Schreyer und Schmidtke ihre Vision, zum digitalen Bestellstandard in der Gastronomie zu werden. Doch obwohl das Start-up in wenigen Monaten bereits über 100 Betriebe für das System gewinnen konnte, ließ die Jury vorerst offen, was sie von dieser Vision hielt.

Ein paar rote Ohren und viele Schweißperlen später saßen Schreyer und Schmidtke beim Galadinner zur Siegerehrung, um im Beisein vieler namhafter Unternehmer zu erfahren, ob sich ihr „Pitch“ am Ende gelohnt hatte. Zuerst mussten die beiden aber noch dem Grußwort des Hamburger Bürgermeisters und ehemaligen Arbeits- und Sozialminister Olaf Scholz sowie einer Impulsrede des Bankiers Friedrick von Metzler lauschen. „Die Zukunft kommt aus dem Neuen, deshalb ist der Geist der Gründerinnen und Gründer dasjenige, was unsere Gesellschaft am allermeisten benötigt“, lobte Scholz alle Finalisten, während von Metzler diese zum „Dranbleiben“ ermutigte. Beides waren launige und vor allem kurze Reden.

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Trotzdem musste das Team von Orderbird ganz schön lange warten, um zu erfahren, ob einer der fünf goldenen Umschläge mit Schecks von jeweils 50.000 Euro für sie bestimmt war. Zwischen poschierter Lachsforelle und Rinderfilet Béarnaise wurde gegen 22 Uhr endlich Umschlag Nummer vier gezückt. Dagmar Sikorski und Björn Bloching, Partner bei Roland Berger Strategy Consulting (die neben der Otto Group, Daimler, Euler Hermes Kreditversicherung und o2-Telefónica Sponsoren von enable2start sind), baten das Team Orderbird auf die Bühne.

„An unseren Sieg habe ich da schon nicht mehr geglaubt“, erzählte Schreyer, „zumal mir Dagmar Sikorski am Tisch angedeutet hatte, dass ich mir nicht allzu große Hoffnungen machen sollte.“ Eine Finte, wie Sikorski später auf der Bühne aufklärt: “Ich wollte Sie nur auf eine falsche Fährte bringen, Herr Schreyer.”
Orderbird war das einzige Internet-Startup, das dieses Jahr bei enable2start siegte. Wer die anderen waren, steht auf FTD-Online.

Trotzdem gab es an dem Abend auch eine Reihe von Gründern, die über erfolgreiche Internet-Startups sprechen konnten. Max Wittrock von Mymuesli, Sieger aus der ersten Staffel von enable2start und Friedrich Schwandt von Statista (Sieger aus der zweiten Staffel) – beides übrigens auch Start-up des Jahres bei deutsche-startups.de – waren ebenso zur Preisverleihung gekommen wie Lukasz Gadowski von Team Europe, Earlybird-Partner Christian Nagel, Mytoys-Gründer Oliver Lederle, Andreas Haug und Linda Dannenberg von eVenture Capital und Sebastian Herfurth von Friendsurance.

Beeindruckend war zudem die Zahl namhafter Unternehmer, die an dem Abend mit gerade mal 110 Gästen dabei waren: Erich Sixt, Media-Markt-Gründer Walter Gunz, Jette Joop, Sarah Wiener, Stephan Hering-Hagenbeck (von Hagenbecks Zoo), Stefan Dräger (Dräger AG), Horst Rahe (Eigentümer der Deutschen Seereederei und „Erfinder“ der AIDA-Kreuzfahrtschiffe) – um nur einige zu nennen.

Durch den Abend führte übrigens ds-Kolumnist und enable2start-„Gründervater“ Thomas Clark, der sich dieses Jahr mit einem Team erstmals selbst um die redaktionelle Begleitung der fünf Sieger kümmern wird. Die beginnt allerdings erst im März.

Laut Veranstaltern ist enable2start mit rund 100 Bewerbern und einem Preisgeld von einer Viertelmillion Euro mittlerweile die größte Gründerinitiative Europas. Veranstalter dieser Initiative sind die FTD sowie das in München ansässige Innovations- und Gründungszentrum UnternehmerTUM. „Den Sponsoren sei es gedankt, dass sie auch in wirtschaftlich schweren Zeiten unserer Initiative die Treue gehalten haben“, zieht Clark über die ersten fünf Jahre von enable2start Resümee.

Ein Video zu den ersten fünf Jahren gibt es auf Youtube. Unser Tipp: Die erste Minute des Videos können Sie sich sparen, dann wird es allerdings interessant.

Autor: Malte Brenneisen



  1. meto

    mit 50k kommt man aber nicht weit, keine investoren bisher gefunden? dieser wettbewerb sponsort leider von jahr zu jahr eine reihe wenig erfolgreicher ideen, man sollte mehr auf gruender setzen als auf journalisten die geschaeftsmodelle beurteilen, mit faellt z.B. allyve in oder tortoise design was letzte woche dann nach umbenennung und kein geld mehr von der konkurrenz geschluckt worden ist. vielleicht hilft die aufmerksamkeit ja weiter, ansonsten ist mir nicht klar wie man den platzhirschen konkurrenz machen moechte



  2. Mike

    Schade auch, aber VCs investieren nicht in seriöse Businessmodelle ohne Risiko und Wachstumsexit. Da hätten sie schon ein Social Media Element einbauen müssen mit Hotelbuchapp und Schuh-Kosmetik-Abo damit jemand in sie investiert.



  3. Thomas (Clark)

    @Meto07: Auch wenn mir Dein Kommentar ein wenig polemisch erscheint, möchte ich als enable2start-Veranstalter gerne darauf reagieren. Wir gehen die Kür der Sieger sehr demütig an; sagen, dass wir fünf Gründer unterstützen wollen, bei denen wir Potenziale sehen. Ob sich dieses Potenzial dann entwickelt (sprich: ob die Jury richtig gelegen hat oder nicht), kann dann jeder nachlesen. Dieses Risiko hat natürlich auch jeder VC oder Business Angel, es ist quasi system-immanent. Tortoise ist bislang der einzige unserer 25 Sieger, der Insolvenz anmelden musste. Arvato hat allerdings aus der Insolvenzmasse ein gutes operatives Geschäft gemacht. Allyve hat sich ganz anders entwickelt als gedacht, ist jetzt mehr im B-to-B-Bereich aktiv. Doch die Firma wurde Anfang 2011 erfolgreich verkauft, an zwei Verlage. Allyve war übrigens VC-finanziert, durch Ammer Partners. Mit den “Journalisten, die Geschäftsmodelle beurteilen”, kannst Du eigentlich nur mich meinen, alle anderen Beteiligten haben keinen journalistischen Background. Nun, ich will Deine Kritik mal so stehen lassen. Ich habe allerdings auch mein eigenes Unternehmen. Insgesamt finde ich, dass sich der enable2start-“Track-Record” durchaus sehen lassen kann. Mymuesli oder Elly & Stoffl (Sieger der 1. Staffel) machen zweistellige Netto-Gewinnmargen und haben jeweils rund 100 Mitarbeiter. Beide Unternehmen sind nur durch den eigenen Cashflow gewachsen. Statista (Sieger der 2. Staffel und mal keine “Copy-Cat”) hat kürzlich ein US-Büro eröffnet und arbeitet in Deutschland schon lange profitabel. Jakob von Orderbird kann ja gerne noch Investoren suchen (wenn er will), denn einen großen Vorteil haben unsere 50k schon: Jakob muss dafür keine Firmenanteile abgeben ;-) Zuletzt noch eine Frage an Dich: Wer waren Deiner Meinung nach die erfolgreichsten deutschen Startups der letzten 10 Jahre? Würde mich sehr interessieren. Liebe Grüße, Thomas



  4. Dieter

    Orderbird hat zu recht einen Preis gewonnen. Eine sinnvolle Idee einfach und gut umgesetzt. Hab mir eben mal die Seite angeschaut, von der allgemeinen Info zum Bestellen und Support alles sehr gut und übersichtlich aufgebaut.

    @Meto: Mit solchen Projekten kann ich jedenfalls mehr anfangen, als mit 20 VC gehypten Lösungen für die es garkeine Probleme gibt.

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