TwinKomplex verwischt die Grenzen zwischen Fiktion und Realität

Seit wenigen Tagen erst ist das Online-Spiel TwinKomplex (www.twinkomplex.com) – spielbar in deutscher oder englischer Sprache – live und sorgt schon für ordentlich Furore im Web. Was nicht verwundert, läutet es doch in […]
TwinKomplex verwischt die Grenzen zwischen Fiktion und Realität

Seit wenigen Tagen erst ist das Online-Spiel TwinKomplex (www.twinkomplex.com) – spielbar in deutscher oder englischer Sprache – live und sorgt schon für ordentlich Furore im Web. Was nicht verwundert, läutet es doch in mehrerlei Hinsicht wirklich eine neue Ära ein. So ziemlich alles ist ungewöhnlich und neu bei diesem Social Game, das eigentlich gar kein Social Game im klassischen Sinn ist. Denn es findet nicht auf einer Plattform des Social Web statt, sondern – überall im Internet. Und selbst dieser Raum wird noch erweitert werden ins reale Leben. Aber das kommt später.

Das Spielprinzip sieht auf den ersten flüchtigen Blick nach einem klassischem Adventure aus: Als Spieler wird man zum Geheimagenten der DIA (Decentral Intelligence Agency) und hat eine Mission zu absolvieren, zum Beispiel den verschwundenen Max van der Graaf irgendwo in Berlin zu finden. Mittels Hinweisen und zu verfolgenden Spuren kann die Mission erfüllt werden. Das war’s dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Denn die Geheimagenten erfüllen ihre Missionen nicht allein, sondern im Viererteam – zusammengestellt nach psychologischen Matching-Kriterien. Und in jeder neuen Mission mit einem anderen Team. Und: Nicht hochaufgelöste Avatare bevölkern die Spiel-Szenerie, sondern prominente Schauspieler wie Irm Hermann, Christian Brückner, Anne Ratte-Polle, Sebastian Blomberg oder Bernhard Schütz. So haben wir es hier viel eher mit einem interaktiven Film zu tun als mit einem normalen Online-Game, in den der Spieler eintaucht und Teil davon wird. Und: Kein Team agiert wie das andere, interpretiert aus den Indizien durchaus unterschiedliche Folgerungen. Von daher ist der Ablauf für kein Team gleich, jedes einzelne Team wird individuell moderiert, bekommt zum jeweiligen Stand der eigenen Ermittlungen passende Hinweise per E-Mail oder Videobotschaft.

Die Videobotschaften und Dokumente, die der Spieler erhält, sehen so aus, als wären sie mit einer Handycam aufgenommen und bei YouTube hochgeladen und werden per E-Mail angekündigt. Das macht was es für die Spieler noch schwerer, zu entscheiden, ob hier ein echter Mensch mit ihnen kommuniziert. Zumal auch die Teammitglieder untereinander E-Mails schreiben. Spätestens an dieser Stelle verschwinden die Grenzen zwischen Fiktion und Realität komplett.

Online-Dienste wie Google Maps oder Google Street View werden ganz selbstverständlich zur Lösung des Falls hinzugezogen. Auch DNA-Tests und andere Analysen gibt das Agententeam in Auftrag – wie bei einer echten Ermittlung dauert es manchmal mehrere Tage, bis die Laborergebnisse vorliegen. Und längst nicht immer kann der Spieler sicher sein, ob sein derzeitiges Gegenüber Freund oder Gegner ist, ob es sich bei einer E-Mail eines angeblichen Freundes des Verschwundenen um eine echte Spur oder eine absichtlich gelegte falsche Fährte handelt. Tricky, tricky, das Ganze – und mit extrem hohem Suchtfaktor.

Die Macher von TwinKomplex

TwinKomplex wurde von Martin Burckhardt, Philosoph und Medienwissenschaftler mit beeindruckender Bibliografie und seinem Sohn erfunden. Um das Konzept gemeinsam mit einem hochkarätigen internationalen Team aus Drehbuchautoren, Graphikern, Filmemachern und Programmierern in die Realität umzusetzen, wurde das Unternehmen Ludic Philosophy gegründet. Ansässig ist das Unternehmen im stillgelegten Flughafen Berlin Tempelhof – in diesem riesigen und etwas gespenstischem Komplex wurden auch viele Szenen von TwinKomplex gedreht.

Auf die Frage nach der größten Herausforderung bei der Entwicklung antwortete Burckhardt: “Die Komplexität des Ganzen, die Verquickung von Story, Film und Spiel war schon nicht einfach umzusetzen. Aber am schwierigsten für alle Beteiligten – von uns Erfindern über die Programmierer, die Filmer bis hin zu den Schauspielern – war, dass wir immer wieder alles bisher Gelernte vergessen mussten, um die neuen Wege zu gehen, die wir mit TwinKomplex in jeder Beziehung gehen wollten.”

Insgesamt etwa ein Jahr lang dauerte die Umsetzung, 500.000 Euro wurden investiert, wovon das Medienboard Berlin Brandenburg 100.000 Euro als Unterstützung bereitstellte.

Die Monetarisierung

TwinKomplex kann komplett kostenlos gespielt werden, aber wie bei vielen anderen Social Games kann der Spieler im Verlauf des Spiels virtuelle Güter käuflich erwerben, die ihm seine Arbeit als Agent erleichtern. Mit zunehmender Beliebtheit des Spiels kann es auch für Marken interessant werden, ihre Produkte zu einem Element im Spielverlauf von TwinKomplex werden zu lassen. Denkbar wären die unterschiedlichsten Szenarios: Eine handschriftliche Notiz als Spur zum Gesuchten auf der Broschüre eines Unternehmens, ein außergewöhnliches Lieblingsgetränk eines wichtigen Zeugen, ein bestimmtes Kino, zu dem Spuren führen… Auch jetzt gibt es ja schon Partner-Unternehmen, die Ludic Philosophy unterstützen.

Elke Fleing aus Hamburg liefert Texte aller Art, redaktionellen Content und Kommunikations-Konzepte. Sie gibt Seminare, hält Vorträge und coacht Unternehmen. Bei deutsche-startups.de widmet sie sich vor allem Themen und Tools, die der Erfolgs-Maximierung von Unternehmen dienen.

  1. Es wäre schön, wenn diejenigen, die über twinkomplex schreiben, das Spiel auch wirklich mal gespielt hätten und nicht einfach nur die Lobhudelpresserklärung widergeben würden. Und: Es ist meiner Meinung nach wirklich ein innovatives Spiel. Aber: sorgt es wirklich für soviel Furore im Web? Ich kann das nicht so ganz nachvollziehen.



  2. Thorsten

    Ich schnall das Spiel nicht. Aber so dolle finde ich das auch wieder nicht. Allgemein ist es aber wie bei allen socialgames: Für Leute, die zuviel Zeit haben.

  3. Pingback: TwinKomplex verwischt die Grenzen zwischen Fiktion und Realität » Filme selber machen



  4. dannyboy

    Konzept ist interessant, aber Das spiel ist langweilig, uninteressant. Niemand hat zeit dafur.

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