Fünfzehn Fragen an Doreen Brüggemann von travello

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Es macht mir sehr viel Spass, selbstständig zu arbeiten. Ich kann frei denken, viele Ideen umsetzen. Der Erfolg (oder auch Misserfolg) ist umso mehr […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Es macht mir sehr viel Spass, selbstständig zu arbeiten. Ich kann frei denken, viele Ideen umsetzen. Der Erfolg (oder auch Misserfolg) ist umso mehr meiner und das gibt oft den entscheidenden Kick.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Das war nach einer Reise. Ich war unterwegs auf einer Tour durch die griechische Inselwelt und wollte meine Erfahrungen danach mit einer größeren Gruppe teilen. Dabei kam mir die Idee für die Reisecommunity Travello. Mit unserer damaligen Internetagentur entwickelten wir die Webseite. Nach kurzer Zeit online und sehr viel User-Feedback war uns klar: Das wird weitaus größer als anfangs gedacht.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Das erste Geld kam von einem Gründerpreis, den wir gewonnen haben. Daneben steckt bisher ausschließlich eigenes Kapital im Unternehmen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die erste Phase zu überbrücken, bis Geld verdient wird, war schwierig. Auch die richtigen Geschäftspartner zu finden erwies sich als kompliziert. Die Frage ist: Wer hält auch, was er verspricht? Wir gingen dann nach Empfehlungen oder trial and error vor. Ein wichtiger Punkt ist auch die technische Lösung. Das ist meist eine sehr weit reichende Entscheidung zu Beginn, die wir aber sehr gut gelöst haben.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde heute frühzeitiger mit Kapitalgebern reden, um schneller durchzustarten. Zeit ist ein sehr wichtiger Faktor. Und wenn man schon das Konzept für die Kapitalgeber erarbeitet hat, kann man auch gut mal an ein paar Gründerwettbewerben teilnehmen. Wir haben bei zweien mitgemacht – und immerhin einen davon gewonnen. Trotz allem ist das Projekt am wichtigsten. Es sollte unbedingt entwickelt werden, denn am Ende zählt natürlich das, was online ist.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wichtig ist: ein gutes Produkt anbieten, Vertrauen aufbauen, die Marke stark machen, auf Empfehlungen setzen. Im Internet ist das alles dreimal so wichtig wie im Offline-Bereich. Und ab und zu mit Innovationen präsent sein.Trotzdem nicht hektisch jedem vorbeifahrenden Zug nachrennen.

Welche Person hat Sie bei der Grüdung besonders unterstüzt?
Mein Steuerberater.

Welchen Tipp geben Sie anderen Grüdern mit auf den Weg?
Sich mehr mit Leuten umgeben, die Chancen sehen und weniger Risiken. Leider begegnen einem viele Skeptiker, die Befürchtungen äußern. Solche Leute am besten ignorieren! Die sind nur sauer, weil sie selbst keine Ideen haben. Meist haben solche Menschen in Gedanken schon ganze (perfekte) Schlösser gebaut. Und man kann auch mal was Halbfertiges online bringen und dann reifen lassen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Fünf Jahre Steuerfreiheit für Neugründungen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich wäre wohl irgendwo angestellt und würde ähnliche Dinge tun. Oder ich wäre Fotografin, Malerin oder Pensionswirtin, am liebsten auf einer Insel.

Bei welchem deutschen Start-up wüden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Vor allem bei Start-ups im Tourismussektor. Bei Holidaycheck zum Beispiel (CH), Expedia, swoodoo oder der Geo-Reisecommunity. Interessant ist es auch, die frischen Internetprojekte der großen alten Touristikschlachtschiffe oder Verlage zu beobachten, zum Beispiel von TUI, REWE Touristik oder MAIRDUMONT. Vielleicht auch mal bei Chefkoch, netmoms oder CityDeal. Es gibt sicher noch viele mehr, die mir gerade nicht einfallen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Natürlich in die Zukunft, die Vergangenheit ist ja schon geschrieben.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich stecke das Geld in die Firma und mache daraus mehr Millionen. Dann kaufe ich mir ein schönes Strandhaus.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Morgens aufstehen, gemütlich frühstücken mit viel Kaffee und Zeitung, dann am besten die Familie oder ein paar Freunde einpacken und ans Meer fahren. Abends grillen wir und genießen den lauen Sommerabend. Hoffentlich wird es bald wieder Sommer! Im Winter bin ich dann für die Alternativen Therme, Sauna und Glühwein zu haben.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Ella.

Zur Person
Doreen Brüggemann studierte Germanistik, BWL und Politik an der Universität in Potsdam und gründete gemeinsam mit Ralf Eggert die Travello GmbH. Das Unternehmen entwickelt und betreibt verschiedene Internetseiten für die Touristikbranche, unter anderem die Reise-Community travello (www.travello.com).

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

  1. Glückwunsch zu dem schönen Interview. Ich würde den Bundeswirtschaftsminister jedoch nicht um Steuerfreiheit für Gründer bitten, sondern um eine radikale Vereinfachung des Steuerrechts.

    (aber dafür ist der ja so oder so nicht zuständig ;-), das macht ja der Kollege Schäuble…)



  2. Erbsenzähler

    tolles interview.

    die seite selsbt sieht aus wie ein billiger domainholder…. weswegen ich vllt nochmal einen designer an die seite lassen würde…. aber alles in allem wünsch ich viel glück.



  3. Sebastian

    Travello kam mir irgendwie bekannt vor, und als ich den Mitgründer Ralf Eggert las hat mich das sofort an die Travello Tutorials von dessen Zend Framework Buch erinnert.
    Nur muss ich mich leider meinem Vorredner anschließen, das Design ist bald unterirdisch!

  4. Frage aus dem Interview: “Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?”
    Antwort: “Ich stecke das Geld in die Firma und mache daraus mehr Millionen. Dann kaufe ich mir ein schönes Strandhaus”
    Ich muss ich irgendwie an eine Geschichte von Heinrich Böll denken und würde als Interviewer sofort meine die nächste Frage wie folgt stellen: “Warum kaufen Sie sich mit der Millionen Euro nicht schon jetzt das Stradnhaus?”

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