Sprecher-Markplatz bodalgo peilt Umsatz im unteren sechsstelligen Bereich an

Seit Anfang 2008 betreibt Armin Hierstetter bodalgo (www.bodalgo.com), einen Marktplatz für Sprecher. Für die erste Version seiner selbstprogrammierten Homepage schämt er sich heute. Vor allem freut er sich aber über die Veränderungen, die […]
Sprecher-Markplatz bodalgo peilt Umsatz im unteren sechsstelligen Bereich an

Seit Anfang 2008 betreibt Armin Hierstetter bodalgo (www.bodalgo.com), einen Marktplatz für Sprecher. Für die erste Version seiner selbstprogrammierten Homepage schämt er sich heute. Vor allem freut er sich aber über die Veränderungen, die seitdem ins Land gezogen sind. Zu den 70 SprecherInnen aus der ersten Woche sind 2.185 weitere hinzugekommen, ein Viertel davon als Premiummitglieder. Das Sprecherportal erscheint in Englisch, Spanisch und Italienisch, die Hälfte der Sprecher kommt aus 50 zum Teil exotischen Ländern. Bis Ende 2010 soll es drei bis vier weitere Sprachversionen geben.

Bodalgos Herzstück sind die Castings. Auftraggeber können so nach passenden Sprechern für jedmögliches Projekt wie Werbung, Image-Film oder Podcast suchen. Wer Premiummitglied ist, darf an den Castings teilnehmen, Standartmitglieder können mitsamt ihren Audiodemos in der Datenbank gefunden werden. “Im Abo gibt es die Premiummitgliedschaft für 179 Euro pro Jahr. Ein durchschnittlicher Auftragswert beträgt 230 Euro, womit sich die Mitgliedschaft schon ab einem Auftrag pro Jahr gelohnt hat”, rechnet Hierstetter vor. Provisionen verlangt bodalgo nicht. Schon über 1.600 Castings haben allein in diesem Jahr stattgefunden. “Ein aktueller Boom ist E-Learning, aber auch für Hörbücher werden häufig SprecherInnen gesucht. Es handelt sich zwar um einen Nischenmarkt, dieser ist aber relativ krisensicher. Sprecher werden immer benötigt, wir haben keine Rückgänge zu verzeichnen.” In die Datenbank kommt jedoch nur, wer eine professionell ausgebildete Stimme vorweisen kann.

“Zu Beginn haben wir alle Castings durchgewunken. Das war schlecht.”

Hierstetter ist mit der Entwicklung von bodalgo zufrieden. Das Unternehmen kann im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eine Umsatzsteigerung von 70 % verzeichnen, hochgerechnet wird sich der Umsatz in diesem Jahr im unteren sechsstelligen Bereich bewegen. Nicht selbstverständlich angesichts mancher Anfangsschwierigkeiten: “Zu Beginn haben wir alle Castings durchgewunken. Das war schlecht, weil es dadurch einige Preis-Dumper gab, die unserem Ruf geschadet haben. Heute wird jeder Auftrag geprüft und wenn einer aus dem Rahmen fällt, spreche ich die Auftraggeber direkt an.” Da die Sprecher “von ganz alleine kommen”, richten sich alle Marketingmaßnahmen an potentielle Auftraggeber. Auch da gibt es Lerneffekte: “Es ist nicht einfach, die richtigen Leute zu erreichen. Werbung in Printmedien hat leider überhaupt nichts gebracht. Google Adwords funktioniert am besten.”

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Weil das Konzept fruchtet, weitet Hierstetter es kontinuierlich aus. Mittlerweile gibt es bodalgo auch für Texter (www.bodalgo.com/copy) und für Designer (www.bodalgo.com/art). “Das Konzept ist für so viele Berufsfelder denkbar, zum Beispiel für Models, Programmierer, Schauspieler und Babysitter. Allerdings kann ich das bald nicht mehr alleine stemmen und suche nach Lizenzpartnern aus dem Verlagsbereich.” Seit Juli ist Hierstetter außerdem mit dem “Schwesterlein” verbumpetto (www.verbumpetto.de) online: Der Dienstleister nimmt Kunden das Einstellen von Castings und die Suche nach passenden Sprechern ab. Auch wenn es wünschenswert wäre: Ein Konzept “made in Germany” ist bodalgo nicht. Hierstetter, der selbst Sprecher ist, stieß 2004 auf den US-amerikanischen Sprecher-Marktplatz voice123.com (www.voice123.com), bei dem er sich zunächst selbst registrierte und dessen Jahresumsatz er auf ein bis eineinhalb Millionen Euro schätzt. Als er bodalgo gründete, flog er dort raus. Der zweitgrößte Mitbewerber im Segment Sprecher-Vermittlung ist die Kanadische Agentur voices.com (www.voices.com). Eine nette, kleine Erfolgsgeschichte in der Nische.

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* bodalgo vermittelt Sprecher

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.



  1. Angelos

    Kleiner aber entscheidender Schönheitsfehler am Geschäftsmodell:

    Die Suchkosten werden nicht der Seite aufgebürdet, auf der die Wertschöpfung stattfindet. Stattdessen müssen diejenigen zahlen, die lediglich darauf hoffen dürfen, in den Wertschöpfungsprozess integriert zu werden. Es müssen somit sogar diejenigen zahlen, die gar keinen oder nur wenige Aufträge erhalten.

    Ähnlicher Abzock hat sich leider z.B. auch in der Schauspielbranche etabliert….

  2. Und genau deshalb gibt es auch monatliche Mitgliedschaften für 19,90 Euro. So kann man ohne große Investition feststellen, ob bodalgo etwas für einen selbst bringt oder nicht.

    Die stetig wachsende Zahl an Premiummitgliedern zeigt ja auch ganz klar, dass die Rechnung für die Sprecher aufgeht (die ja sonst nicht Premium-Mitglied bleiben würden), denen bodalgo seit Gründung übrigens mehr als 1.000.000 Euro in die Kassen gespült hat.

    Dazu kommt noch, dass die Basis-Mitglieder völlig kostenlos davon profitieren, auf Europas größter Plattform für Sprecher gelistet zu sein und dort direkt, also auch ohne Premium-Mitgliedschaft, direkt von Auftraggebern kontaktiert werden können.

    Von Abzocke kann da wohl kaum die Rede sein. Diesen Vorwurf hat übrigens auch noch kein einziges uns gegenüber geäußert.



  3. Carsten

    Ich finde die Idee gut, das Layout erinnert mich zwar sofort an XING ;) aber als negativ empfinde ich das nicht. Auch den Vorwurf von Angelos kann ich nicht nachvollziehen, der Premiumbeitrag ist zwar relativ hoch, aber vermutlich hält das solche Leute wie Angelos ab sich zu registrieren und damit die Qualität der Datenbank hoch. Das Problem bei solchen Modellen ist ja eine möglichst einfache Monetarisierung zu erreichen. Man kann sicherlich “fairere” Wege finden, wie z.B. prozentual vom Projekt, aber das kompliziert alle Vorgänge ungemein. Davon abgesehen bieten Sprecher (wie andere auch) eine Dienstleistung an, und wer anbietet muss in der Regel um einen Auftrag werben. Wenn man vergleicht, was die Gelben Seiten für einen Eintrag haben wollen, der sicherlich in solchen Sparten weniger bringt, ist das nicht teuer. Immer vorausgesetzt, der Dienstleister (Sprecher) ist sein Geld wert :)
    Den Bereich Model/Schauspieler sehe ich allerdings kaum noch als Nische, hier ist doch einiges an Plattformen auf dem Markt.
    Und wenn ich so eine Plattform nutze, dann vor allem deswegen, um mir Zeit zu sparen und mich nicht mit “nicht-professionellen” rumärgern zu müssen.
    Ich werde die Plattform auf jeden Fall bei zukünftigen Sprecherrecherchen berücksichtigen :)

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