„Und schon steht man zu zweit an der Hotelbar“ – Stefanie Lang von MAKIme im Interview

Über die Plattform MAKIme (www.makime.com) können Geschäftsreisende andere Geschäftsreisende in ihrem Hotel oder der näheren Umgebung kennen lernen und kontaktieren. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründerin Stefanie Lang über interessante Hotelgäste, Reisebudget und […]

Über die Plattform MAKIme (www.makime.com) können Geschäftsreisende andere Geschäftsreisende in ihrem Hotel oder der näheren Umgebung kennen lernen und kontaktieren. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründerin Stefanie Lang über interessante Hotelgäste, Reisebudget und einsame Nächte an der Hotelbar.

Hand aufs Herz: Gehören Businessleute wirklich zur Gruppe von Menschen, die andere Hotelgäste virtuell anquatschen?
Nicht andere Hotelgäste. Aber interessante Hotelgäste. Vorzugsweise mit ähnlichen Interessen, aus der gleichen Branche oder eben gerade aus einer anderen, ganz wie man möchte. Aktuelle Ergebnisse aus einer Umfrage unter Geschäftsleuten, die wir zum Marktstart von MAKIme haben durchführen lassen, decken sich dabei mit unseren eigenen Erfahrungen. So gaben 70 % der Befragten an, ihre freie Zeit gerne anders verbringen zu wollen, wenn sie denn wüssten, dass Kontakte aus ihrem Netzwerk oder Geschäftsreisende mit ähnlichen Interessen vor Ort sind.

Die Tatsache, dass man sich mit anderen Geschäftsleuten in einer ähnlichen Situation befindet, bietet also genügend Gesprächsstoff?
Wenn man durch MAKIme erfährt, dass interessante Gesprächspartner in der Nähe sind und wir vielleicht sogar die selbe Konferenz besuchen oder man im Profil von Themen liest, die interessieren, dann gibt es viele Gesprächsthemen, mit denen man das Eis brechen kann. Ganz im Gegensatz zu allgemein üblichen Netzwerktreffen, bei denen ich meistens nur die Visitenkarte meines “Gesprächspartners” zu Gesicht bekomme. MAKIme erschließt aber nicht nur neue Kontakte. Wenn man in eine Stadt reist, in der man viele Kontakte hat, wird diesen das angezeigt, umgekehrt erfährt man, wer in die eigene Heimatstadt kommt. Vielreisende halten sich oft in der selben Stadt auf, ohne davon zu wissen. Dank MAKIme muss danach aber niemand mehr sagen: “Hätt ich nur gewusst, dass Du diese Woche auch in Berlin warst, wir haben uns ja schon lange nicht mehr gesehen”.

Suchen die meisten Mitglieder über MAKIme eher geschäftliche Kontakte oder für das Freizeitprogramm nach Feierabend?
Hier kann ich wieder auf die Umfrage verweisen. Und da lautet die Antwort: Beides. Fast 90 % gaben an, dass ihnen die Pflege geschäftlicher Kontakte wichtig bzw. sehr wichtig ist. Aber auch die Pflege privater Kontakte erreicht immerhin noch einen Wert von fast 70 %. Allem, was mit der Darstellung, Empfehlung und Bewertung von Freizeitangeboten und Locations – zum Beispiel Hotels, Restaurants, Kinos, Bäder, Ausflugsziele, Events, Jogging-Gruppen – zu tun hat, kommt ebenfalls eine recht große Bedeutung zu.

Inwiefern ist für Geschäftsreisende das Thema “Freizeit” überhaupt relevant? Die meisten haben wenig Zeit.
Umso wichtiger ist es, diese knappe Zeit sinnvoll zu nutzen. Die Teilnehmer unserer Umfrage haben angegeben, für gemeinschaftliche Freizeitbeschäftigungen wie Gastronomiebesuche, Teilnahmen an Kunst-, Kultur- oder Musikveranstaltungen sowie Sportaktivitäten und Wellness & Erholung an anderen Stellen Zeit einzusparen. Arbeiten oder Nichtstun müssten dann ebenso zurückstecken wie die Pflege privater Kontakte am Reiseziel.

Wie sieht eine typische Kontaktaufnahme im Sinne von MAKIme aus?
Schwer zu sagen, da es auch nicht den typischen Geschäftsmann, die typische Geschäftsfrau gibt. Ich kann zum Beispiel bereits vor der Veranstaltung weitere Teilnehmer anschreiben, sei es bereits mit konkreten Vorschlägen zur Freizeitgestaltung oder auch mit Fachfragen. Wenn man sich dabei sympathisch ist, steht einem Offline-Treffen vor Ort nichts mehr im Weg. Denkbar wäre auch, gleich gemeinsam anzureisen. So hat man neben einer interessanten Begleitung auch gleich am Reisebudget gespart und seinen persönlichen CO²-Beitrag reduziert. Oder ich sitze nach einem anstrengenden Meeting um Mitternacht gelangweilt in meinem Hotelzimmer und lasse mir anzeigen, welche interessanten Menschen denn gerade auch in meiner Nähe, vielleicht sogar im gleichen Hotel sind. Und schon steht man zu zweit an der Hotelbar anstatt allein im Zimmer. Wie Sie sehen, die Möglichkeiten sind vielfältig.

Welche Personengruppen nutzen MAKIme am meisten?
Bis jetzt sind gut Zweidrittel unserer Mitglieder männlich. Beim Alter haben wir von Anfang zwanzig bis Mitte 50 jeden dabei. Die meisten Mitglieder sind zwischen 30 und 40 Jahre alt.

Wie steht es in finanzieller Sicht um MAKIme, lohnt sich das Geschäft bereits?
Erfolgreiche Start-Ups werden in der Regel in einer Zeitspanne von 2 bis 3 Jahren profitabel. Das Interesse verschiedener Unternehmen, die Gespräche, die wir aktuell führen und das positive Feedback der immer weiter wachsenden Schar interessierter MAKIme-Mitglieder lassen uns sagen, wir sind auf einem guten Weg, das ebenfalls zu schaffen.

Welcher Mehrwert bietet sich für Hotels, als Partner mitzumachen, für welche anderen Gruppen gibt es darüber hinaus einen Mehrwert?

Der Nutzen für Hotels liegt zum einen darin, Veranstaltungen in den Hotels über MAKIme bekannt zu machen; zum anderen kann man so mit den Gästen in direkten Kontakt treten und das Service-Angebot im Dialog beständig weiterentwickeln – und dies alles nicht nur während des Hotelaufenthalts. Als weiterer potentieller Partner ist jeder zu sehen, der Menschen, vorzugsweise Geschäftsleute, zusammenbringt. Das sind Veranstalter von Konferenzen, Schulungen oder sonstigen Events. Diese stellen ihre Veranstaltungen auf MAKIme ein, ermöglichen den Teilnehmern ihre Teilnahme öffentlich zu machen und offene Themen auf der Pinwand zu diskutieren. Der so entstehende Überblick über Teilnehmer, Fragen und Diskussionspunkte schafft einen intensiven Austausch mit den Teilnehmern, aber auch der Teilnehmer untereinander und das alles an 365 Tagen im Jahr. Desweiteren informieren die MAKIme-Mitglieder ihr gesamtes Netzwerk über bevorstehende Veranstaltungen, auch über Facebook, somit ist das kostenloses virales Marketing für den Veranstalter.

Soll sich MAKIme zu einer Art Social Network für Geschäftsreisende entwickeln?
Das ist es bereits. Aber eben auch mehr als das. Geschäftsleute vernetzen sich nicht nur online, wie das bei herkömmlichen Social Communities der Fall ist. Bei uns geht es vor allem darum, die freie Zeit in der realen Welt aufzuwerten. Die Social Community ist dabei aber mehr als nur Mittel zum Zweck, sie dient zum Finden und Vernetzen, und auch zum Erstellen und Einsehen von Aktivitäten. Eine weitere Besonderheit stellt der von Nutzern erstellte City Guide dar.

Wen sehen Sie als Ihre größten Konkurrenten im Geschäft an?
MAKIme füllt eine Marktlücke. Es gibt bisher keine etablierte Community für Geschäftsreisende. Wir sind die ersten am Markt, das bestätigt auch der zweite Platz beim Innovationspreis der Business Travel Show – die Messe der Geschäftsreisebranche. Der Markt ist also gerade am Entstehen, unser Hauptwettbewerber entscheidet sich über die Zeit.

Ist eine Auslandsexpansion geplant?
Ja, allerdings konzentrieren wir uns zuerst auf den deutschen Markt und arbeiten zurzeit auch noch an der weiteren Optimierung der Plattform.
Geschäftsleute sind allerdings kraft ihrer Tätigkeit häufig im Ausland unterwegs, sodass eine Erweiterung in interessante ausländische Märkte den logischen nächsten Schritt darstellt. Außerdem freuen wir uns, MAKIme in wenigen Tagen auch in Englisch anzubieten.

Gibt es bereits einige nette Geschichten von Kontakten, die über MAKIme entstanden sind?
Ich selbst kann von zwei Treffen berichten, die Dank meiner Community meine Zeit und mein Reisebudget geschont haben. Im ersten Fall ergab sich die Begegnung mit einem Bekannten, mit dem ich zuvor nur telefonischen bekannt war. Er hat auf MAKIme gesehen, dass ich ganz in seiner Nähe zur Verleihung des Innovation Awards in Düsseldorf war. Er kam dann mitsamt seiner Kollegen zur Preisverleihung und wir hatten alle einen schönen Abend. Das zweite Treffen kam zu Stande, als ich auf MAKIme erfahren habe, dass einer meiner Geschäftspartner für ein Meeting nach Stuttgart gereist ist. Kurzerhand hat er seine Rückreise etwas nach hinten verschoben und ich habe ihm noch die Stadt gezeigt.

Wo steht MAKIme in einem Jahr?
Die Plattform MAKIme ist im September letzten Jahres gestartet. Wir sind also noch sehr jung und es ist zu früh, Prognosen abzugeben.
Mit den Commundo Tagungshotels haben wir von Anfang an eine Partnerschaft. Im Moment führen wir Gespräche mit weiteren potentiellen Partnern, um unsere Mission gemeinsam mit noch mehr Power umzusetzen – make business travel active! Wir sind guter Dinge, dass sich dieser Kurs durchsetzt, zumal es immer häufiger vorkommt, dass sich Bereiche für MAKIme interessieren, an die wir selbst so noch gar nicht gedacht haben.

Zur Person
Stefanie Lang ist Gründerin von MAKIme. Während ihrer letzten Tätigkeit als Vertriebsleiterin für die Deutsche Telekom im asiatisch-pazifischen Raum verband sie ihre Vorliebe für Reisen und asiatisches Lebensgefühl. Dabei war die Stuttgarterin auch des Öfteren alleine auf Geschäftsreisen in fremden Städten unterwegs. Aus der Idee heraus, das Leben der Geschäftsleute auf Reisen aufzuwerten, entstand schließlich im Jahr 2009 Makime .

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.