Gründerinnen. “Wir mussten die Firma hinterhergründen” – Doreen Brüggemann von travello

Die deutsche Online-Gründerszene ist ein Männerverein. Auf Kongressen, Tagungen und sonstigen Branchenhöhepunkten sind Frauen die große Ausnahme. Aber es gibt sie! Jeden Mittwoch stellt deutsche-startups.de in der neuen Reihe “Gründerinnen” eine interessante, wichtige […]
Gründerinnen. “Wir mussten die Firma hinterhergründen” – Doreen Brüggemann von travello

Die deutsche Online-Gründerszene ist ein Männerverein. Auf Kongressen, Tagungen und sonstigen Branchenhöhepunkten sind Frauen die große Ausnahme. Aber es gibt sie! Jeden Mittwoch stellt deutsche-startups.de in der neuen Reihe “Gründerinnen” eine interessante, wichtige oder erfolgreiche Web-Unternehmerin vor.

Wenn das eigene Hobby zum Beruf wird, ist das (meist) ein großer Glücksfall. Bei Doreen Brüggemann war es so: Die begeisterte Travellerin hat die Reisecommunity travello (www.travello.de) gegründet. Der Startschuss fiel – wie könnte es anders sein – bei einer Reise. Als Rucksacktouristin machte sie Griechenland unsicher und hatte anschließend das Bedürfnis, “der ganzen Welt” davon zu berichten. Anfangs entstand nur eine Art Griechenland-Reisetagebuch, dem sich jedoch viele anschlossen, so dass das Projekt größer und größer wurde. “Da wir plötzlich Einnahmen hatten, mussten wir schnell die Firma hinterhergründen”, lacht sie. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsinformatiker Ralf Eggert baute sie um das Online-Reisetagebuch schließlich eine GmbH. Dass sie in diese Sache so hineingestolpert sind, amüsiert Brüggemann im Nachhinein. “Heute würde ich viel schneller gründen, nicht mehr so nebenbei produzieren.”

Land in Sicht? Doreen Brüggemann blickt in die Ferne

Als “typische” Gründerin sieht sich Brüggemann nicht, eben weil sie sich im Vorfeld so wenig damit auseinander gesetzt hat und die Gründung eher nebenbei geschah. Dabei war der Gedanke an die eigene Selbständigkeit grundsätzlich nie weit weg: “Viele meiner Kommilitonen haben nach dem Studium gegründet oder sind in ein IT-Startup eingestiegen.” Die Unternehmerin hat in Potsdam Germanistik, BWL und Politik studiert. Warum unter den gründenden Mit-Studenten wenige Frauen waren, hat sie sich oft gefragt. Ihr Eindruck: “Ich glaube, dass viele studierte Frauen erstmal Karriere in einem Unternehmen machen wollen, mit der Sicherheit einer Festanstellung.” Außerdem würden fühlten sich manche Frauen in der “zweiten Reihe” wohler fühlen und sich lieber um den Aufbau der Communitys innerhalb der Unternehmen kümmern. Eines von Brüggemanns Anliegen ist es, dass sich Frauen in den nächsten Jahren noch mehr in Netzwerken zusammenfinden, sich dort gegenseitig fördern, Mut machen und auf dem Weg zur Selbständigkeit unterstützen.

Von der Krise hat travello nicht viel mitbekommen

Obwohl das ursprünglich nicht geplant war, mauserte sich die kleine Griechenland-Plattform zu einer richtigen Reisecommunity. Sie wuchs Schritt für Schritt: “Wir haben uns bei der Entwicklung an den Bedürfnissen der Nutzer orientiert.” Die Community ist sehr aktiv, des Öfteren verabreden sich Mitglieder zu gemeinsamen Touren. Anschließend laden sie Fotos hoch und berichten von den Erfahrungen. Bei travello können sie außerdem bewerten: “Nicht nur Hotels, wie üblich, sondern sämtliche Urlaubsorte wie zum Beispiel Strände.” Auf der Grundlage dieser Daten möchte das Team demnächst eine Urlaubssuchmaschine für die Startseite eröffnen. Immerhin kann travello auf Einträge von knapp 20.000 Mitgliedern zurückgreifen, monatlich tummeln sich 423.000 Reisebegeisterte auf der Webseite. Geld fließt durch Werbung und Provisionen, die das Pinneberger Unternehmen über die Vermittlung von Flügen, Reisen und Hotels erhält. Von der Krise hat travello nicht viel mitbekommen: “Die Deutschen sparen eher am Auto als am Urlaub! Und wer nicht verreist, liest zumindest die Beiträge oder schaut sich die Fotos anderer Urlauber an und sorgt somit für Werbeeinnahmen.”

Weil Reisen ihr großes Thema ist, beruflich wie privat, kann Brüggemann auch im Winter nicht still sitzen, wo es bei travello etwas ruhiger zugeht. Deswegen folgte bald nach der Gründung ein weiteres Projekt, eine “Zwischendurchsache”. Mit reisonaut (www.reisonaut.de), der Reisebüro-Suchmaschine, gewannen Brüggemann und Eggert 2004 beim ITB Gründerforum in Berlin den Travel One Gründerpreis für die beste Geschäftsidee in der Kategorie Technologie. Doch weil sie so viel um die Ohren hat, ist es nun schon über zwei Jahre her, seit sie das letzte Mal ihr geliebtes Griechenland bereiste: “Es wird höchste Zeit!” Wenn das Hobby zum Beruf wird, leidet das Hobby eben auch an manchen Stellen darunter.

Zur Person
Doreeen Brüggemann studierte Germanistik, BWL und Politik an der Universität in Potsdam und gründete gemeinsam mit Ralf Eggert die Travello GmbH – das Unternehmen entwickelt und betreibt die Reise-Community Travello, die im Dezember 2007 an den Start ging.

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Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.