Fünfzehn Fragen an Martin Theben von Bergfreunde.de

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Als eigener Chef bin ich in vollem Umfang für meinen beruflichen Erfolg selber verantwortlich. Ich genieße es, niemandem gegenüber Rechenschaft ablegen zu müssen! Bei […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Als eigener Chef bin ich in vollem Umfang für meinen beruflichen Erfolg selber verantwortlich. Ich genieße es, niemandem gegenüber Rechenschaft ablegen zu müssen!

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Meiner Frau und mir war 2005 aufgefallen, dass es für die Zielgruppe der Kletterer keinen kompetenten und authentischen Online-Shop gab. Nach und nach verfestigte sich der Gedanke diese Marktlücke selber zu schließen und ein eigenes Unternehmen zu gründen. Nach einem Jahr Vorbereitungs- und Planungszeit ist Bergfreunde.de dann 2006 online gegangen.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Ein Drittel des benötigten Startkapitals haben wir selber eingebracht, für die anderen zwei Drittel konnten wir unsere lokale Sparkasse als Kreditgeber überzeugen. Ein langer und aufreibender Prozess…

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Anfangs war es schwierig sowohl die Hausbank als auch alle Lieferanten von der Tragfähigkeit unseres Konzepts zu überzeugen. Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten. Als es dann losging war aber unser schneller Erfolg letztendlich der größte Stolperstein, den wir Gott sei Dank ohne Hinfallen überwinden konnten. Wir waren sehr schnell gezwungen Personal einzustellen, um das laufende Geschäft abwickeln zu können. Bei starkem Wachstum steht man schnell vor Herausforderungen in der Unternehmensorganisation.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Think bigger! Hätten wir unseren Erfolg so absehen können, hätten wir softwareseitig sicherlich die eine oder andere höhere Investition getätigt. Läuft das Tagesgeschäft erstmal, ist es extrem schwierig sich Luft für große Prozess-Umstellungen zu schaffen. An eine eventuell nächste Gründung würde ich mit noch mehr “Erfolgsvertrauen” herangehen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir machen nahezu ausschließlich Online-Performance-Marketing. Für jeden Euro Marketingausgaben wollen wir wissen was an Umsatz generiert wird. Dazu nutzen wir eine Webanalyse-Software, mit deren Hilfe wir die Marketingkanäle Suchmaschinen, Partnerprogramm,  Preissuchmaschinen etc. genau analysieren können. Natürlich spielt in einer kleinen Zielgruppe auch die Mundpropaganda eine große Rolle. Hierbei ist die Kundenzufriedenheit durch guten Service und schnelle Lieferzeiten entscheidend.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Meine Frau Swantje und ich saßen von Anfang an im gleichen Boot und haben beide gerudert. Dadurch konnten wir uns in schwierigen Phasen optimal gegenseitig stützen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Man sollte sehr genau wissen wo man hin will. Darüber hinaus ist in meinen Augen ein ständiger persönlicher Lernwille enorm wichtig. Für jeden Gründer gibt es jeden Tag viel dazu zu lernen. Man sollte sich oft selber kritisch hinterfragen und seine Persönlichkeit ständig weiterentwickeln.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Den treffe ich ja tatsächlich, am 30. Juni im Rahmen der Gala zum deutschen Gründerpreis, für den wir 2009 in der Kategorie Start-Up nominiert sind. Ich bin mit dem Gründungsstandort eigentlich sehr zufrieden, immerhin konnten wir trotz viel besungener Bürokratie ordentlich durchstarten. Ich würde ihm empfehlen möglichst viele junge Menschen zum Gründen zu ermutigen. Die Bildungsministerin wäre aber sicherlich der geeignetere Ansprechpartner, da meiner Meinung nach ein gutes Gründerklima in den Köpfen von Schülern anfängt. Aber vielleicht treffe ich Frau Schavan ja auch irgendwann einmal…

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Hmm, sehr schwierige Frage. Vielleicht Landwirt, wobei ich ja dann auch wieder Unternehmer  wäre. Der Kreislauf von säen, wachsen lassen und ernten fasziniert mich irgendwie.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ich würde eher gerne einmal bei lang etablierten Unternehmen reinschauen. Mir ist es oft unbegreiflich wie langsam dort die Mühlen anscheinend mahlen. Wie muss  ein Unternehmen organisiert sein, um möglichst langsam zu sein und um möglichst schnell den Anschluss zu verpassen?

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich reise an den Anfang des 20. Jahrhunderts, als es noch keine Computer gab. Mir ist es ein Rätsel, wie große Unternehmen damals beispielsweise ihre Buchhaltung organisiert haben. Controlling ohne Computer, geht das?

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ganz simpel: Aufs Sparbuch! Die Bergfreunde GmbH ist gerade gut finanziert und Luft für neue Projekte habe ich momentan auch weniger. Ich bin zwar definitiv kein Geldsammler, aber aus teuren Konsumgütern mache ich mir nichts. Geld ist für mich eher die Einheit in der Unternehmererfolg gemessen wird. Geschenktes oder geerbtes Geld fände ich ziemlich fade.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Aufwachen und raus. Entweder zum Klettern oder aufs Mountainbike. Dann schön ausgepumpt zurück kommen, den Grill anheizen und die Slackline spannen. Mit ein paar Freunden und gutem Wein wird es dann hoffentlich mal wieder etwas länger.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Ich würde gerne mal wieder ein paar alte Kumpels treffen, die ich im Zuge der ganzen Gründerhektik etwas vernachlässigt habe.

Zur Person
Martin Theben, Jahrgang 1978, studierte VWL in Mannheim und Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Hamburg. Bevor er 2006 zusammen mit seiner Frau Swantje Theben Bergfreunde.de (www.bergfreunde.de) gründete, war er in einer Unternehmensberatung tätig. Seit 2006 ist er Geschäftsführer der Bergfreunde GmbH, die sich mit ihrem Onlineshop auf den Trendsport Klettern und andere Outdooraktivitäten konzentriert. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Bergfreunde.de nach eigenen Angaben einen Umsatz in Höhe von 3,6 Millionen Euro. In diesem Jahr sollen es über 5 Millionen Euro Umsatz werden.

Geboren 1978, studierte Soziologie, Politik und Psychologie an der Freien Universität in Berlin. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie im Jahr 2000 im Onlineressort des Medienfachdiensts “kressreport”. Ein Jahr später zog es sie ins Ruhrgebiet zu “Unicum”. Seit 2008 gehört Veronika Hüsing zum Redaktionsteam von deutsche-startups.de.