kontoblick bringt die Finanzverwaltung ins Web

Einnahmen, Ausgaben und alles rund um das Thema Finanzen sind in Deutschland noch immer ein kleines Tabuthema. Höchstens einer Desktop-Finanzsoftware vertrauen einige Zeitgenossen ihre Daten an. Die abgeschottete Umgebung auf dem heimischen Rechner […]

Einnahmen, Ausgaben und alles rund um das Thema Finanzen sind in Deutschland noch immer ein kleines Tabuthema. Höchstens einer Desktop-Finanzsoftware vertrauen einige Zeitgenossen ihre Daten an. Die abgeschottete Umgebung auf dem heimischen Rechner sorgt dabei für das entsprechende Sicherheitsgefühl. Christopher Cederskog und Philipp Erler wollen das Thema Finanzverwaltung mit kontoblick (www.kontoblick.de) nun fit fürs Internetzeitalter machen. Über die webbasierte Finanzverwaltung ist es möglich, seine Einnahmen und Ausgaben jederzeit zu überprüfen. “In die benutzerfreundliche Anwendung von kontoblick kann das Girokonto direkt eingebunden und die Umsätze verschlüsselt importiert werden. Die einzelnen Kontotransaktionen werden dann mit Hilfe eines Erkennungssystems von kontoblick automatisch kategorisiert und graphisch ansprechend und verständlich aufbereitet”, erklärt Gründer Cederskog, der früher bei der Deutschen Bank in der Konzernentwicklung arbeitete und dort strategische Akquisitionen betreute. Seinen Mitgründer Erler lernte er während des BWL-Studiums an der WHU in Vallendar kennen.

Für die Anmeldung bei kontoblick genügt die Angabe einer E-Mailadresse und Postleitzahl. Somit ist zumindest eine weitgehend anonyme Nutzung der Plattform möglich. Die persönlichen Finanzdaten lassen sich via Direktabruf des eigenen Kontos einspielen. Und wie sieht es mit der Sicherheit dieses Services aus? “Wir nutzen für den Direktabruf ein signiertes Java-Applet, das im Browser des Nutzers ausgeführt wird. Dies garantiert, dass die sichere Verbindung zum Bankserver vom Rechner des Nutzers und nicht über uns hergestellt wird. Wir nehmen nicht nur keine PIN-Speicherung vor und sehen diese niemals ein”, sagt Cederskog. Zusätzlich können kontoblick-Nutzer ihre Daten auch per Upload pflegen. Die meisten Banken werden unterstützt. Wenn dies vollbracht ist, kategorisiert kontoblick die vorhandenen Daten. Mit der Zeit arbeitet dieses System immer besser. Nutzer können ihre Einnahmen und Ausgaben anschließend über verschiedene Auswertungstools genau verfolgen und überprüfen.

Das Ziel: Optimierung von Langzeitverträgen

In Deutschland sieht Cederskog keine vergleichbare Konkurrenz für seinen kostenlosen Web-Finanzdienst. “Wir sehen unsere Konkurrenz vor allem in den klassischen Desktop-Lösungen wie StarMoney, WISO Mein Geld oder Quicken.” Beim Wettstreit mit diesen etablierten Anbietern werden die kontoblick-Macher von den Samwer-Brüdern und ihrem European Founders Fund sowie Holtzbrinck Ventures (beide auch an deutsche-startups.de beteiligt) unterstützt. Bei der Finanzierung ihres kostenlosen Dienstes setzen die Macher zunächst auf die “Optimierung von Langzeitverträgen”. Künftig soll den Nutzern beispielsweise genau vorgerechnet werden, wie viel sie durch den Wechsel seines Stromanbieters sparen könnten.

Ziel ist die “gesamte persönliche Finanzverwaltung” der Nutzer zu unterstützen. Im Gegenzug sollen dann Provisionen für abgeschlossene Verträge in der Kasse von kontoblick landen. Die Finanzverwaltung wäre dann auch ein Finanzoptimierer. “Unsere Vision ist es gewissermaßen, diese drei Ordner, die wahrscheinlich jeder Deutsche in seinem Schrank stehen hat und nur mit Widerwillen aufmacht, durch eine intelligente Weblösung zu ersetzen.” Parallel dazu wollen die Bajuwaren weiter in das Sicherheitskonzept investieren. Um Erfolg zu haben, wird dies auch notwendig sein: kontoblick muss quasi das Fort Knox unter den Finanzverwaltern werden. Nur so werden viele Mitmenschen dem Dienst ihre sensiblen Daten anvertrauen.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.