WhatsYourPlace zieht Bilanz

Seit einem Jahr kann jeder Onliner bei WhatsYourPlace (www.whatsyourplace.de) zum Großgrundbesitzer aufsteigen. Der Hektar virtuelles Land kostet beim Münchner Start-up, welches von Tobias Lampe und Christian Weese gegründet wurde, 9,95 Euro. Filetstücke wie […]

Seit einem Jahr kann jeder Onliner bei WhatsYourPlace (www.whatsyourplace.de) zum Großgrundbesitzer aufsteigen. Der Hektar virtuelles Land kostet beim Münchner Start-up, welches von Tobias Lampe und Christian Weese gegründet wurde, 9,95 Euro. Filetstücke wie der Berliner Hauptbahnhof, die Münchener Theresienwiese oder der Jungfernstieg in Hamburg haben bereits einen neuen Cyberbesitzer. Insgesamt haben die WhatsYourPlace-Macher nach eigenen Angaben im ersten Jahr über 8.000 Hektar virtuelles Land verkauft. Macht somit grob geschätzt 80.000 Euro Umsatz. In der zweiten Hälfte des kommenden Jahres soll WhatsYourPlace profitabel sein. “Unser Geschäftsmodell führt auch häufig zu Fantasie-Berechnungen. Dabei wird übersehen, dass unser Average Revenue per Unique User nicht unbedingt höher sein muss, als bei rein werbefinanzierten Plattformen”, sagt Lampe. Häufig werde übersehen, dass jeder, der ein Grundstück käuflich erwerbe, dieses unbefristet nutzen könne. Folgekosten gibt es bei WhatsYourPlace nicht. Die Zahl der monatlichen Unique User gibt Lampe mit 70.000 an. Google Trends liefert keine Kurve für die Landbesitz-Community.

Für ihr Konzept, den Verkauf von virtuellen Grundstücken, mussten die WhatsYourPlace-Gründer viel Kritik einstecken. Die Palette der Vorwürfe reichte von Nepp bis Betrug. “Eine spezielle Herausforderung ergibt sich daraus, dass wir mit dem Produkt \’reale Orte virtuell besitzen\’ Neuland betreten. Das bringt enormen Erklärungsbedarf mit sich und für uns die große Herausforderung, Überzeugungsarbeit für ein völlig neuartiges Produkt zu leisten”, sagt Lampe. Ob ein Gut Unterhaltungswert habe oder nicht, hänge aber nicht davon ab, ob man es anfassen könne oder nicht. “Bei rein virtuellen Gütern wie dem Grundstück auf WhatsYourPlace muss aber noch ein Gewöhnungsprozess stattfinden, bis diese ebenso selbstverständlich werden.” Letztendlich funktioniert dieses Konzept bei Mondgrundstücken, Luftländereien und Sternen in der realen Welt aber auch. Um potenziellen Großgrundbesitzern die virtuellen Ländereien bei WhatsYourPlace schmackhaft zu machen, setzen die Bajuwaren inzwischen auf kostenlose Probegrundstücke. 30 Tage kann jeder Nutzer nun Großgrundbesitzer auf Probe sein. “Viele Nutzungsmöglichkeiten, die mit dem virtuellen Landbesitz verknüpft sind, erschließen sich erst aus der Praxis. Jetzt bietet sich erstmals allen Usern die Möglichkeit, diese Funktionen komplett kostenlos und unverbindlich kennenzulernen”, sagt Lampe.

“Nutzungsmöglichkeiten ausbauen und Communityelemente stärken”

Damit die Besitzer den Spaß an ihren Grundstücken auf Dauer nicht verlieren will Lampe die “Nutzungsmöglichkeiten rund um die Grundstücke immer weiter auszubauen und auch die Communityelemente stärken”. Seit einigen Wochen können den Grundstücken beispielsweise Mitbewohner hinzugefügt werden. Alle Mitbewohner steht ein “privater Bereich zum Austausch von Kontaktdaten, Bildern, Nachrichten oder auch zum Organisieren von Real-Live-Treffen zur Verfügung”. Vielleicht eine Möglichkeit für Fanclubs, Mitarbeiter einer Firma oder Anhänger eines Ortes, sich über die Plattform zu organisieren. Ebenfalls neu sind so genannte Themenringe, in denen sich beispielsweise alle Brauereibesitzer zu einem Linkbündnis zusammenschließen können. Vermutlich ist der Ausbau der Nutzungsmöglichkeiten und der Community der beste Weg, die Grundstücksbesitzer bei der Stange zu halten und gleichzeitig neue anzulocken. Denn Grundstücksbesitzer, die aus oder mit ihren Ländereien etwas machen, sind die beste Werbung für WhatsYourPlace. Mondgrundstücke, Luftländereien oder Sterne sind in der realen Welt zwar ein spaßiges Geschenk, nach kurzer Zeit verstauben die Urkunden dann aber in irgendeiner Schublade.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.