Lycos Europe kommt nicht in Fahrt

Der Online-Werbemarkt brummt bekanntlich. Doch nicht alle profitieren davon. Die große Ausnahme ist und bleibtLycos Europe, an dem Mediengigant Bertelsmann maßgeblich beteiligt ist. In den ersten neun Monaten dieses Jahres erwirtschaftete das Unternehmen […]

Der Online-Werbemarkt brummt bekanntlich. Doch nicht alle profitieren davon. Die große Ausnahme ist und bleibtLycos Europe, an dem Mediengigant Bertelsmann maßgeblich beteiligt ist. In den ersten neun Monaten dieses Jahres erwirtschaftete das Unternehmen unter Vorstandsboss Christoph Mohn (Sohn des Bertelsmann-Patriarchen Reinhard Mohn) einen Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) in Höhe von 36,4 Millionen Euro (2006: -7,9 Millionen). Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) beläuft sich auf 12,9 Millionen Euro (2006: -3,4 Millionen). Hauptgrund für diese Entwicklung seien rückläufige Werbeumsätze, eine rückläufige Marge im Shopping-Geschäft, steigende Kosten der zur Erzielung des Umsatzes erbrachten Leistungen sowie zusätzliche Marketing-Maßnahmen für Lycos IQ, teilt das Unternehmen mit.

Das Hauptproblem bei Lycos Europe ist jedoch ein anderes: Der Internet-Pionier mit seinen rund 700 Mitarbeitern tanzt auf vielen Hochzeiten und hat dadurch kein Profil. Lycos steht für alles und gar nichts. Alte Marken wie Fireball, Paperball oder eVita haben ihren Glanz längst verloren. Neue Marken wie Jubii hatten nie welchen. Hans-Peter Siebenhaar, Medienexperte beim “Handelsblatt” bringt es in seinem Blog auf den Punkt: “Mohn, im Nebenjob Aufsichtsrat von Bertelsmann, hat es weder im Web 1.0 noch im Web 2.0 geschafft, seinen börsennotierten Konzern in eine gesunde wirtschaftliche Zukunft zu führen”. Doch solange noch liquide Mittel aus dem Börsengang in der Kasse seien, stelle Lycos für niemanden ein ernstes Problem dar. Und derzeit hat Mohn mit 159,9 Millionen Euro liquiden Mitteln noch reichlich Geld in der Kasse.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.