Erfahrungsbericht von Alexander Dünnes Social Media-Erfolg: In 7 Monaten 1 Million Euro Umsatz

Gründergeist im Autohaus! Ein alteingesessenes Autohaus entdeckt Social Media für sich. "Sachlich nüchtern betrachtet haben wir in sieben Monaten nun weit mehr als 1 Million Euro Umsatz über das Internet erwirtschaftet und die Kosten mehr als gedeckt", schreibt Besitzer Alexander Dünnes.
Social Media-Erfolg: In 7 Monaten 1 Million Euro Umsatz

Bereits 1954 haben wir in Regensburg einen Autohandel für Ford gegründet und kamen bis zum April 2014, also 60 Jahre ohne Blog und Social Media aus. Sicherlich, wir haben Bilder der Autos in Mobile.de gestellt und hatten eine normale Händler Homepage. Inzwischen für die Marken Ford, Ford Mustang, Jaguar, Maserati und Land Rover. Bis zum April 2014 war jedoch der Gedanke an eine zweite Homepage und sogar einen Facebook-Account abwegig. Warum auch? In Werbung investierten wir in Zeitungswerbung, lokale Fernsehwerbung und Banner. Zumeist Banner von lokalen Tageszeitungen und einem regionalen Fernsehsender.

Im Mai 2014 beschlossen wir jedoch eine WordPress-Seite mit den Sportwagen Marken Jaguar, Maserati, Ford Mustang und Land Rover zu erstellen und jeden zweiten Tag einen Beitrag zu schreiben. Wir nannten diese www.sportwagen-kaufen.de da wir keinen Auto- bzw. Markennamen nutzen konnten. Mitarbeiter regten an, eine Facebook-Fanpage zu eröffnen, was ich jedoch schlicht ablehnte, da ich hier meine Zielgruppe nicht vertreten sah. Trotzdem rang ich mich zu dem Schritt durch und eröffneten zwei Facebook-Fanpages. Einmal eine lokale Facebook Fanpage mit inzwischen 1.700 Facebook Fans und eine überregionale Fanpage, die aktuell fast 4.000 Facebook Fans mit hoher Interaktion aufweist. In meinem privaten Facebook-Account zähle ich 550 Freunde und Geschäftspartner. Schnell lernte ich, es nutzen doch wesentlich mehr Geschäftspartner und Freunde Facebook als Kommunikationsplattform, als ich vermutete.

Die WordPress-Seite benötigte fast vier Monate bis die Texte gut gefunden wurden und erste Probefahrt Anfragen und Kaufanfragen kamen. Durch das Zusammenspiel mit Facebook, bezahlten Werbeanzeigen und Postings kamen Anfangs 80 % des Traffic auf den Blog von Facebook. Was sich inzwischen auf 30 % reduziert hat. Nach vier Monaten Social Media und Blogtexten setze eine Welle ein, die seitdem nicht mehr zu stoppen ist. In einem Facebook-Posting berichteten wir vom Jaguar F Type Project 7, von dem nur 20 Stück nach Deutschland kamen. Früher konnte ich die Informationen den Kunden erst zeitverzögert per Telefon oder Email geben und bis dahin waren die Autos ausverkauft. Mit dem Facebook-Posting kamen in der ersten Stunde zwei verbindliche Fahrzeugbestellungen über 310.000 Euro zustande. Zuerst dachte ich an einen Zufall, aber dem war nicht so.

Bisher war mir nicht klar, dass man mit Social Media und dem Zusammenspiel von guten Texten, Videos und Bildern ein Auto dieser Preisklasse über das Internet verkaufen kann. Doch die Online Anfragen treffen kontinuierlich ein, was fast täglich eine Probefahrt Anfrage oder Leasinganfrage bedeutet. Von einem Sportwagen, der erst nächstes Jahr erscheint, haben wir bereits eine zweitstellige Anzahl an Vorbestellungen unterschrieben vorliegen und sicherlich noch 30 weitere Interessenten, die das Auto nach einer Probefahrt kaufen möchten.

Der Umsatz in sieben Monaten rüttelte mich auf

Sachlich nüchtern betrachtet haben wir in sieben Monaten nun weit mehr als 1 Million Euro Umsatz über das Internet erwirtschaftet und die Kosten mehr als gedeckt. Zumal unser Autohaus in Bayern nun viel bekannter ist und wir bei manchen Autos mit dem Namen des Autos und dem Wort „Leasing“ oder „leasen“ bis zu 39 % des gesamten Google Traffic erhalten. Vor kurzem erhielten wir die erste Bestellung für einen Maserati Ghibli. Der Kunde war durch ein Forum und Blogbeiträge auf uns aufmerksam geworden. In dem Forum hatten anderen Teilnehmer über unsere Aktivitäten berichtet.

Inzwischen haben wir knapp 30.000 Seitenzugriffe auf der Sportwagen Seite im Monat, versenden einen 14-tägigen Newsletter und posten circa 11 bis 12 mal die Woche in Facebook. Ich musste lernen, dass weniger Postings die Interaktionsrate deutlich fallen lies. Bei manchen Videos haben wir bereits mehr als 10.000 Klicks, was mich besonders stolz macht.

Meine größten Fehler im Online Autohandel

Am Anfang unterschätzte ich die Macht von Social Media und eines WordPress-Blogs. Ich hatte mich bis dato zu wenig mit der Materie befasst. Ebenfalls ist mir jetzt klar, dass unsere Firma noch rechtzeitig in Social Media investiert hatte. Wir haben eine Beitrags-Gesamtreichweite von über 25.000 pro Woche. Am Anfang machte ich auch die typischen Anfängerfehler und wollte meine Facebook-Seite ohne zielgerichtete Facebook-Werbung bekannt machen und Beiträge nur hervorheben. Hier gab es jedoch weder mehr Umsatz noch die nötigen Anfragen. Inzwischen schalten wir nur noch zielgerichtete Facebook-Werbung.

Google Adwords-Werbung haben wir kurz ausprobiert, konnten hier aber keine Erfolge erzielen. Die Kunden verlangen in unserem Business nach organischen Suchergebnissen. Ebenfalls eruierte ich den Erfolg der bisher eingesetzten Bannerwerbung mittels Tracking in Google Analytics. Es zeigte sich, dass die monatliche Investition eines vierstelligen Betrags für Bannerwerbung auf Webseiten mit über 300.000 Besuchern wenig Erfolg brauchte. Von den Webseitenbesuchern klickten nur 60 Personen monatlich auf den Banner und keiner davon zeigte ein direktes Kaufinteresse.

Meine Ziele für 2015 im Internet für unser Autohaus in Regensburg

Im Jahr 2015 könnte bei circa 500 Probefahrt- und Leasing-Anfragen, sowie den Vorbestellungen für kommende Modelle eine Verdoppelung des Online Umsatz möglich sein. Wir werden unsere Social Media-Fans weiter ausbauen. Im Google Webmaster Tool möchten wir von 8.000 Suchanfragen täglich auf 20.000 bei ca. 1.200 Klicks täglich steigen. In Google Analytics sollten ca. 50.000 Sitzungen und mehr als 150.000 Seitenaufrufe monatlich möglich sein. Das Facebook die Reichweite seit Jahresanfang reduziert sehe ich gelassen, da Social Media nicht umsonst sein kann. Wir planen mit 500 Euro Werbekosten pro Monat und Fanpage.

Ich persönlich hätte es mir nie vorstellen können, über das Internet hochwertige Autos in so kurzer Zeit zu verkaufe. Und es sind sicherlich noch viel mehr, denn viele Kunden lernen uns über das Internet kennen und besuchen uns vor Ort oder rufen einfach an. Unsere Schwächen liegen klar in noch besseren Social Media-Aktivitäten als Team. Wir wurden vom Erfolg wachgerüttelt.

Zur Person
Das 1954 gegründete Familien-Unternehmen Autohaus Dünnes gehört nach eigenen Angaben als Exklusiv-Vertreter von vier Automarken (Ford, Jaguar, Land Rover, Maserati) zu den leistungsstärksten Autohaus-Gruppen in Deutschland. Im Jahr 2013 gehörte das Autohaus nach Fahrzeugeinheiten zu den 30 größten Ford-Händlern in Deutschland, sowohl im PKW- als auch im mittleren und leichten Nutzfahrzeugbereich. Alexander Dünnes führt das Autohaus.

Foto: Modern Cars in Stock. Car Dealer Brand New Cars in a Row from Shutterstock
  • http://fans4brands.com/ Peter-Georg Lutsch

    Ein sehr schönes Beispiel wie Facebook Werbeanzeigen gekoppelt mit einer Social Media Gesamtstrategie (Blog, Content-Plan…) zu einem deutlichen Umsatzplus führen können. Auch das oft angeführte Argument, “meine Zielgruppe ist nicht auf Facebook” ist in diesem Beispiel entkräftet worden. Mittels Facebook Advertising können sehr gut auch kaufkräftige Kunden angesprochen werden. Vielen Dank für diesen interessanten Einblick!
    Falls von Interesse, ich habe unter http://fans4brands.com/facebook-advertising-fuer-kmus/ einen Artikel verfasst, warum sich Facebook Werbung besonders auch für kleine und mittelständische Unternehmen lohnt.

  • Vanessa Meisinger

    Sehr inspirierender ehrlicher geschriebener Bericht. Sowas müsste es öfters geben, dann man sieht das es immer noch klappt. Und auch das die Mühen der Existenzgründer oder Unternehmen belohnt werden. Klasse gemacht

  • Edmund Berenfeld

    Werbung und Blogs für High interest Produkte können hervorragend in sozialen Netzwerken funktionieren. Voraussetzung, die Geschichten sind ehrlich und glaubwürdig. Edle Karossen gehören zu der Kategorie high interest Produkte.
    Ob für low interest Produkte diese Strategie genauso erfolgreich ist ? Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Abbildung einer Klobürste die gleiche Aufmerksamkeit bringt. Mag die Story über den Reinigungserfolg noch so sensationell klingen. Aber mit einer gehörigen Portion Creativität ist dieser Erfolg sicherlich für viele Produkte nachvollziehbar. Leider nicht für alle Produkte.
    Facebook ist ein absolutes Massenmedium mit wunderbaren Kommunikationsmöglichkeiten geworden. Wo viel Masse ist oft auch viel Klasse zu finden.Als Media-Marketing-Spezialist ist es für mich ein Grund mehr, nicht nur start ups diese Strategie zu empfehlen.
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