Google Instant begeistert die Massen – Opportuno InstantView ging vor drei Jahren unter

Die Instantisierung des Internets ist im vollen Gange. Auslöser dieser Entwicklung ist Suchmaschinengigant Google mit seinem neuen Service Google Instant. Schon während des Eintippens einer Suchanfrage bekommen Internet-Nutzer damit nach jedem Buchstaben eine […]
Google Instant begeistert die Massen – Opportuno InstantView ging vor drei Jahren unter

Die Instantisierung des Internets ist im vollen Gange. Auslöser dieser Entwicklung ist Suchmaschinengigant Google mit seinem neuen Service Google Instant. Schon während des Eintippens einer Suchanfrage bekommen Internet-Nutzer damit nach jedem Buchstaben eine neue Ergebnisliste präsentiert. In den vergangenen Tagen sind weltweit vermutlich tausende Berichte und Statusmeldungen über die Suchevolution geschrieben worden. Gelegentlich fallen dabei Begriffe wie Revolution und Innovation, oft ist aber auch genau das Gegenteil der Fall. Die Instantisierung zieht trotzdem weiter ihre Kreise – auch für YouTube und Google Maps existieren inzwischen Instant-Versionen. Die Bewegung ist nicht mehr aufzuhalten.

Ein kleines deutsches Start-up geht in diesem Pressewirrwarr leider völlig unter – gemeint ist die Jobsuchmaschine Opportuno (www.opportuno.de). Schon 2007 ging das Start-up von Andreas und Michael Bogen mit einer eigens entwickelten Suchoberfläche an den Start. Opportuno zeigt seinen Nutzern schon während der Eingabe von Suchbegriffen erste Job-Ergebnisse an. Witzigerweise nannten die Erlanger ihre Suchtechnologie bereits vor drei Jahren InstantView. “Die Grundidee, Suchergebnisse bereits während der Eingabe anzuzeigen, ist bei Google Instant und Opportuno InstantView identisch. Technisch gesehen ist Google Instant ein wesentlich komplexeres Produkt, da Google das weltweite Internet durchsucht und nicht nur eine begrenzte Job-Datenbank. Die Komplexität und Skalierbarkeit sind nicht vergleichbar. Das Grundkonzept und der Name weisen aber eindeutig Ähnlichkeiten auf”, sagt Gründer Andreas Bogen gegenüber deutsche-startups.de.

“Innovationen werden nicht wahrgenommen”

Für die gewisse Würze in der Instantsuppe sorgt der Hinweis, dass Opportuno bereits 2007 eine Reihe von strategischen Investoren anschrieb. Unter den Adressaten war auch Marissa Mayer von Google, die Instant kürzlich der Webwelt vorstellte. “Es ist also theoretisch möglich, dass wir zur Inspiration beigetragen haben”, sagt Bogen. Dem Opportuno-Macher geht es aber gar nicht darum, jetzt in irgendeiner Weise mit dem Finger auf Google zu zeigen, zumal es auch beim Suchmaschinengiganten viele kluge Köpfe gibt, die die Instant-Idee ohne Inspiration von außen erdacht haben können. Bogen freut sich auch viel mehr darüber, dass Opportuno der Zeit “offensichtlich drei Jahre voraus war”. Gleichzeitig ärgert er sich aber auch ein bisschen: “Ich würde mir wünschen, dass innovative Ideen in Deutschland mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die häufigste Frage potentieller Investoren war damals, ob es für Opportuno ein US-Vorbild gibt. Kein Wunder, dass wir international als Land der Copycats gelten und Innovationen nicht wahrgenommen werden.” Wenn die Opportuno-Gründer ihr Konzept jetzt vorstellen, dürfte vermutlich jeder InstantView für eine Adaption von Google Instant halten. Im Grunde eine traurige Geschichte.

Artikel zum Thema
* Opportuno sucht Jobs

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. janosch

    “Die häufigste Frage potentieller Investoren war damals, ob es für Opportuno ein US-Vorbild gibt. Kein Wunder, dass wir international als Land der Copycats gelten und Innovationen nicht wahrgenommen werden”.”

    Ich kann dem absolut nicht widersprechen.
    Das ist traurig, aber leider oft Realität in Deutschland. Viele beschweren sich in diversen Beiträgen und Artikeln und bemängeln, wie wenig Innovationen es besonders im Web Bereich in Deutschland gibt, aber wenn man Investoren mit Geschäftskonzepten und neuen Ideen anspricht, dann wird oft gefragt, ob es dann schon ein sog. proof of concept, am besten ein erfolgreiches US Vorbild gibt.

    Es gibt meiner meinung nach manchmal eine Diskrepanz zwischen dem Verlangen nach Innovationen und dem Fordern von besonderen Alleinstellungsmerkmalen, aber den oft weniger risikoreichen Weg, nicht von allen, aber doch einigen Investoren, eher etablierte und bereits erfolgreich erprobte Konzepte zu unterstützen.



  2. mike

    Wow, instant!!!

    Ist doch bei fast jedem Forum, Community usw. schon seit Jahren mit drin dank AJAX.



  3. eddie

    mike du hast es nicht begriffen…



  4. max

    also innovation hin oder her. mich nervt google instant eher. man kann nicht mal mehr in ruhe den suchbegriff zuende tippen, da wird einem schon ein suchergebnis ausgespuckt. für meine begriffe too much.



  5. thorsten

    Btw Facebook hat das schon seit ca. einem halben Jahr bei der Freundesuche. Die haben sich bisher auch nicht beschwert. Die Instantsuche ist an mehereren stellen im Internet zu finden.

    Das neue bei Google ist ja nicht das Konzept sondern dies bei einer Suchmaschine umzusetzen. Diese Veränderung betrifft die Durchsuchung des gesamten Netzes, nicht nur ein paar Jobangebote/Freunde. Der Vergleich hinkt daher ein wenig, sagt eher etwas über die uninformierten Journalisten aus.

  6. naja, “Instant” oder auch das oben genannte “InstantView” ist doch eher ein “nicetohave”-Feature. Wenn eine Jobsuchmaschine generell für einen Investor vom Businessmodell her nicht interessant oder nicht innovativ genug ist, dann reißt es doch ein technisches Feature nicht raus…
    „IT follows business“ – nicht anders herum ;)



  7. Tim

    Bah, überall Instant Instant Instant … Das erste was ich mit dieser ach so tollen Funktion gemacht habe: Ich habe sie deaktiviert.

    Aber gut, die Werbepartner von Google die per View bezahlen werden sich freuen, wenn bei einem “Langsam Tipper” jeder eingetippte Buchstabe bezahlt werden muss.

  8. stimme janosch 100% (aus eigener Erfahrung) zu.

  9. Ein Big Player, der eine neue Funktion vorstellt, zwei Studenten die noch eins drauf setzen, dazu ein passendes Nomen (“Instantisierung”) und der Hype ist perfekt.

    Google Instant ist entwicklungstechnisch gesehen eine Kleinigkeit. Das Besondere ist lediglich der gestiegene Ressourcenverbrauch pro Suchanfrage. Das wird sich Google aber im Voraus schon sauber durchgerechnet haben.

Aktuelle Meldungen

Alle