#Interview
„Wir haben gezeigt, dass Frauengesundheit kein Nischenthema ist“
Das Berliner Startup fembites, das 2021 von Angelica Conraths und Jana Deckelmann gegründet wurde, entwickelt Produkte, die auf die Bedürfnisse von Frauen abgestimmt sind. „Also Produkte, die Frauen im Alltag unterstützen sollen – wissenschaftlich fundiert, alltagstauglich, mit natürlichen Inhaltsstoffen und ohne unnötige Zusatzstoffe“, sagt Gründerin Conraths.
Im Interview mit deutsche-startups.de stellt die fembites-Macherin ihr Unternehmen einmal ganz ausführlich vor.
Wie würdest Du Deiner Großmutter fembites erklären?
Ich würde sagen: Oma, stell dir vor, ganz viele Frauen haben Beschwerden wie PMS, hormonelle Akne, Haarausfall, Stimmungsschwankungen, Verdauungsprobleme oder Beschwerden rund um Zyklus und Hormone – und bekommen oft zu hören: „Das ist halt normal.“ Wir finden: Nur weil etwas häufig vorkommt, heißt das nicht, dass man es einfach hinnehmen muss. Und normal schon gar nicht. Mit fembites entwickeln wir Produkte zum Einnehmen, die speziell auf die Bedürfnisse von Frauen abgestimmt sind. Also Produkte, die Frauen im Alltag unterstützen sollen – wissenschaftlich fundiert, alltagstauglich, mit natürlichen Inhaltsstoffen und ohne unnötige Zusatzstoffe. Gleichzeitig geht es uns nicht nur um Produkte, sondern auch um Aufklärung: Wir wollen, dass Frauen ihren Körper besser verstehen und sich mit ihren Beschwerden nicht allein fühlen. fembites beschreibt seine Mission selbst als Beitrag dazu, die Forschungslücke im Bereich Frauengesundheit zu schließen. Oder noch einfacher gesagt: Wir machen Frauengesundheit verständlicher, zugänglicher und weniger tabu.
Wie hat sich fembites seit der Gründung entwickelt?
Wir haben fembites 2021 gegründet – damals noch mit einer sehr klaren ersten Produktidee: femchoc, unsere Antwort auf die typische Heißhunger-Schokolade vor der Periode für den weiblichen Körper. Rückblickend war das ein wichtiger Startpunkt, weil wir damit ein Thema greifbar gemacht haben, das vorher kaum sichtbar war: Wie stark Ernährung, Zyklus und hormonelles Wohlbefinden zusammenhängen. Seitdem hat sich fembites sehr stark weiterentwickelt. Aus einem ersten Produkt ist eine preisgekrönte Marke für Female Health und Nährstoffkomplexe geworden. Heute sind wir ein Team aus 12 Mitarbeitenden plus ein Netzwerk aus Expertinnen aus Bereichen wie Gynäkologie, Endokrinologie, Ernährungswissenschaft und Female Health. Umsatzseitig sind wir von einem ersten Crowdfunding und einer ersten Produktion zu einem Unternehmen gewachsen, das heute mehr erreicht hat, als ich mir je hätte erträumen können. Was für mich fast noch wichtiger ist: Wir haben gezeigt, dass Frauengesundheit kein Nischenthema ist, sondern ein riesiger Markt mit echtem Bedarf.
Was war zuletzt das Highlight bei Euch?
Ein absolutes Highlight war für uns zuletzt der Maria Clementine Martin-Award 2026 der Klosterfrau Group. Wir haben dort den ersten Preis gewonnen – für uns ein sehr besonderer Moment, weil der Award Gründerinnen auszeichnet, die neue, wissenschaftlich fundierte Ansätze für Frauengesundheit entwickeln. Das war für uns mehr als eine Auszeichnung. Es war ein Signal dafür, dass Female Health endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die das Thema verdient. Gerade weil wir mit fembites angetreten sind, um die Gender Data Gap in der Gesundheitsforschung zu adressieren und wissenschaftliches Wissen in alltagstaugliche Lösungen zu übersetzen, hat uns diese Anerkennung extrem viel bedeutet. Man arbeitet als Startup oft sehr lange an Themen, die am Anfang noch erklärungsbedürftig sind. Deshalb war dieser Award ein Moment, in dem wir gemerkt haben: Das, wofür wir seit Jahren kämpfen, kommt immer mehr in der Mitte der Gesellschaft an.
Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Gründung so richtig schiefgegangen?
Da fällt mir tatsächlich femchoc ein – nicht, weil das Produkt an sich ein Fehler war, sondern weil wir daran unglaublich viel gelernt haben. femchoc war unser erstes Produkt und emotional extrem wichtig. Es war mutig, neu und hat Aufmerksamkeit erzeugt. Das Produkt kam 2021 auf den Markt und wurde damals sogar als innovativstes Produkt von Trend One ausgezeichnet. Aber aus heutiger Sicht war es operativ und strategisch nicht der einfachste Einstieg. Schokolade klingt erst einmal nahbar und sympathisch. In der Realität ist sie für ein junges Startup aber komplex: Herstellung, Mindestmengen, Haltbarkeit, Temperatur, Versand im Sommer, Margen, Skalierbarkeit und die Frage, wie viel Wirkstofflogik man in ein Genussprodukt integrieren kann. Dazu kam: Wir wollten nicht einfach „Schokolade für Frauen“ machen, sondern ein ernsthaftes Female-Health-Produkt. Diese Differenzierung war im Markt nicht immer leicht zu erklären. Unser größtes Learning war: Nur weil ein Produkt kommunikativ stark ist, heißt das nicht automatisch, dass es das beste Produkt für die Skalierung ist. femchoc hat uns geholfen, die Tür zu öffnen. Aber die Weiterentwicklung hin zu gezielteren Nährstoffkomplexen war für fembites der entscheidende Schritt. Heute wissen wir viel besser, welche Produktformate zu unserem Anspruch passen: wissenschaftlich fundiert, wirksamkeitsorientiert, alltagstauglich und skalierbar.
Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Wir haben sehr früh verstanden, dass fembites nicht nur ein Produktunternehmen sein darf. Female Health ist kein Thema, das man einfach mit einem hübschen Packaging lösen kann. Es geht um Vertrauen, Aufklärung, Community und echte Bedürfnisse. Richtig gemacht haben wir aus meiner Sicht vor allem drei Dinge. Erstens: Wir sind sehr nah an unserer Community geblieben. Viele unserer Produktideen entstehen nicht aus einem Konferenzraum heraus, sondern aus echten Fragen, Beschwerden und Erfahrungen von Frauen. Das hat uns geholfen, Produkte zu entwickeln, die nicht nur „nice to have“ sind, sondern konkrete Probleme adressieren. Zweitens: Wir haben unsere Marke weiterentwickelt, ohne unsere Mission zu verlieren. Von femchoc bis femcaps war es ein großer Weg. Aber der Kern ist gleichgeblieben: Wir wollen den weiblichen Körper ernst nehmen und Lösungen schaffen, die es so lange nicht gab. Drittens: Wir haben früh auf Expertise gesetzt. Jana bringt als Biologin und Ernährungsökonomin die wissenschaftliche Perspektive ein, ich bringe die persönliche Erfahrung, Markenperspektive und unternehmerische Seite mit. Dazu arbeiten wir mit Expertinnen aus verschiedenen Disziplinen zusammen. Genau diese Verbindung aus persönlicher Betroffenheit, wissenschaftlicher Tiefe und Nähe zur Community macht fembites aus.
Wo steht fembites in einem Jahr?
In einem Jahr wollen wir fembites noch stärker als führende Female-Health-Marke im DACH-Raum etablieren. Unser Ziel ist, dass Frauen bei Themen wie PMS, hormoneller Akne, Haarausfall, Darmgesundheit, Post-Pill-Syndrom oder Perimenopause nicht mehr das Gefühl haben, sie müssten selbst stundenlang recherchieren, was mit ihrem Körper passiert. Wir wollen unser Sortiment gezielt weiterentwickeln, unsere Community ausbauen und noch mehr Aufklärungsarbeit leisten. Außerdem möchten wir fembites stärker in die Kanäle bringen, in denen Frauen nach Lösungen suchen – online, im stationären Handel und über starke Partnerschaften. Langfristig ist unsere Vision größer als einzelne Produkte. Wir möchten dazu beitragen, dass Frauengesundheit nicht länger als Nische behandelt wird. In einem Jahr sollen noch mehr Frauen fembites kennen – nicht nur als Nahrungsergänzungsmarke, sondern als Plattform, die ihnen hilft, ihren Körper besser zu verstehen und selbstbestimmter mit ihrer Gesundheit umzugehen.
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