#Interview
„Das Geschäftsmodell ist unsere Aufgabe, nicht die des Kunden“
Die beiden finanzen.net-Gründer Jens Ohr und Peter Schille starten gemeinsam mit dem ehemaligen finanzen.net-CTO Dominik Nienhaus in Karlsruhe das Startup Deutsche Mietkaution.
Das Trio möchte die Verwaltung von Mietkautionen digitalisieren. „Jede Kaution erhält ein eigenes Konto mit eigener IBAN bei der Baader Bank. Das Konto läuft auf den Namen des Mieters und wird an den Vermieter verpfändet“, heißt es zum Konzept. Für Mieter und Vermieter ist das Angebot kostenlos. Geld verdient das FinTech über einen Teil der Zinsmarge.
Mit seinem neuen Projekt bleibt das Deutsche Mietkaution-Team somit seinem bisherigen Spielfeld treu. Ohr, Schille und Nienhaus arbeiten bereits seit mehr als 25 Jahren zusammen und haben in dieser Zeit mehrere Unternehmen im IT- und Finanzbereich aufgebaut. Gemeinsam gründeten sie zuletzt den ebenfalls in Karlsruhe beheimateten Robo-Advisor Oskar.
Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Seriengründer Jens Ohr sein neuestes Projekt einmal ganz ausführlich vor.
Wie würdest Du Deiner Großmutter Deutsche Mietkaution erklären?
Wer eine Wohnung mietet, gibt dem Vermieter bis zu drei Monatsmieten als Pfand. Das Geld gehört weiter dem Mieter. Der Vermieter darf es nicht anrühren und muss es getrennt von seinem eigenen Geld bei einer Bank anlegen. Bisher hieß das: Termin in der Filiale, Formulare, ein Sparbuch ohne Zinsen, oft eine Gebühr obendrauf. Bei uns gibt der Vermieter nur die E-Mail-Adresse des Mieters und den Betrag ein. Der Mieter eröffnet das Konto dann am Handy, zahlt ein und bekommt Zinsen. Das Konto läuft auf seinen Namen, ist aber an den Vermieter verpfändet. Der hat also dieselbe Sicherheit wie bisher, sieht alle seine Kautionen auf einem Bildschirm und hat keine Arbeit mehr damit. Kosten tut es beide nichts.
Wie genau funktioniert Euer Geschäftsmodell?
Für Mieter und Vermieter kostet der Service nichts. Jede Kaution liegt auf einem eigenen Konto mit eigener IBAN bei der Baader Bank. Es läuft auf den Namen des Mieters und ist an den Vermieter verpfändet. Die Bank erwirtschaftet mit den Einlagen Zinsen. Einen Teil davon bekommt der Mieter. Den anderen Teil behalten wir.
Wie ist die Idee zu Deinem Startup entstanden?
Aus Frust. Die Gründer sind selbst Vermieter und kannten die Problematik um Freistellungsauftrag, Kapitalertragsteuer, Nachweise für das Finanzamt… Alles Fragen des Mieters, die auf dem Tisch des Vermieters landen. Alles Fragen, die millionenfach in Deutschland gestellt und im Jahr 2026 noch mit Papier und per Banktermin gelöst werden. Das musste besser gehen.
Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Die Konstruktion. Eine Kaution ist kein gewöhnliches Guthaben. § 551 BGB verlangt, dass sie getrennt vom Vermögen des Vermieters liegt und in dessen Insolvenz geschützt bleibt. Ein Konto auf den Namen des Mieters, verpfändet an den Vermieter, kann auch eine Sparkasse eröffnen. Aber am Schalter, mit Formular, einzeln. Wir brauchten eine Bank, die das für jede Kaution automatisch macht, per Schnittstelle, mit eigener IBAN, ohne dass ein Sachbearbeiter eingreift. Mit der Baader Bank haben wir diesen Partner gefunden. Dazu die Regulatorik: Wir sind als vertraglich gebundener Vermittler im BaFin-Register eingetragen, und nichts geht live, bevor es rechtlich geprüft ist. Das dauert, und abkürzen kann man es nicht.
Vor Deutsche Mietkaution hast Du unter anderem finanzen.net aufgebaut. Was reizt Dich daran, nun wieder ein Startup hochzuziehen?
Die Mietkaution kennt jeder, und niemand mag sie. In Deutschland liegen nach unserer Schätzung rund 20 Milliarden Euro Mietkaution, und keine Stelle erfasst, wo. Weder Bundesbank noch BaFin führen eine amtliche Zahl. Ein Betrag dieser Größe, der noch mit Sparbuch und Formular verwaltet wird, ist für einen Gründer eine Einladung.
Ist beim erneuten Gründen wirklich alles einfacher als beim ersten Mal?
Nein. Einfacher ist, dass wir uns kennen und dass Partner wie die Baader Bank uns zuhören, weil wir mit finanzen.net und Oskar schon Finanzprodukte betrieben haben. Schwieriger ist die Regulatorik. Im Jahr 2000 haben wir „einfach“ ein Portal online gestellt. Heute bauen wir ein Produkt, das fremdes Geld berührt: Bankpartner, BaFin-Register, Identifizierung per Video, § 551 BGB. Jeder Schritt muss stehen, bevor er live geht.
Welche Erfahrungen aus finanzen.net fließen in Deutsche Mietkaution ein?
Vor allem der Grundsatz, dass ein Finanzangebot für den Nutzer kostenlos sein kann und sich trotzdem trägt. Bei finanzen.net haben die Leser nichts bezahlt, verdient hat das Portal über Werbung und Partner. Bei der DMK zahlen Mieter und Vermieter nichts, verdient wird an der Zinsmarge. Das Geschäftsmodell ist unsere Aufgabe, nicht die des Kunden.
Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf Eurer Agenda?
Die Ausweitung des Angebots für Hausverwaltungen. Für sie läuft der Service bisher nur auf Einladung, zum Jahresende öffnen wir ihn. Dafür bauen wir gerade die Schnittstellen: eine API zu den gängigen Verwaltungssystemen, einen Sammelimport für große Bestände, einen CSV-Export für die Buchhaltung und die Übernahme bestehender Kautionen, damit niemand bei null anfangen muss. Wer heute Kautionen für mehrere Eigentümer verwaltet, hat den größten Aufwand und den größten Nutzen.
Wo steht Deutsche Mietkaution in einem Jahr?
Dann ist die Kaution für unsere Vermieter kein Punkt mehr auf der Pain-Liste.
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