#Interview
Wenn KI zum juristischen Spezialisten wird
Das junge LegalTech Grubel (München und Tübingen), von den Machine-Learning-Forschern Moritz Hardt und Reinhard Heckel gegründet, arbeitet an KI-Systemen für komplexe juristische Aufgaben. Die Technologie soll sich automatisch an einzelne Rechtsangelegenheiten anpassen und bei deren Analyse und Bearbeitung unterstützen.
Der Berliner Frühphaseninvestor Point Nine und Business Angels wie Jeff Dean Chris Ré, Ion Stoica, Gabe Pereyra und Winston Weinberg investierten zuletzt 3 Millionen Euro in das junge Unternehmen.
Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Gründer Reinhard Heckel sein Startup einmal ganz genau vor.
Wie würdest Du Deiner Großmutter Grubel erklären?
Wir entwickeln eine Software, die automatisch einen digitalen Helfer für einen Rechtsfall erstellt. Der Helfer soll die Unterlagen kennen und Anwälten bei ihrer Arbeit helfen. Bisher müssen Fachleute solche Helfer aufwendig von Hand erstellen und prüfen. Wir wollen, dass unsere Software das automatisch macht. So können Anwälte für einzelne Fälle eigene Helfer bekommen – einen Helfer für jeden Fall.
Wie genau funktioniert Euer Geschäftsmodell?
Zunächst bieten wir bestehenden LegalTech-Anbietern unsere Technologie über eine kostenpflichtige API an, damit sie diese in ihre Produkte integrieren können. Später wollen wir auch direkt an große Kunden verkaufen.
Wie ist die Idee zu Grubel entstanden?
Moritz und ich haben uns gefragt, wo unsere Forschung den größten Unterschied machen könnte. Wir beschäftigen uns damit, aus welchen Daten KI am leichtesten und effektivsten lernt, wie sie sich auf neue Aufgaben spezialisieren lässt und wie man die Qualität ihrer Ergebnisse zuverlässig überprüfen kann. Bei Programmier- und Mathematikaufgaben lässt sich oft recht einfach überprüfen, ob eine Lösung richtig ist. Im Rechtsbereich ist das viel schwieriger. Dazu kommt, dass jedes Mandat anders ist und die Spezialisierung bisher viel Handarbeit erfordert. Darin haben wir eine große wissenschaftliche und wirtschaftliche Chance gesehen: diesen Prozess zu automatisieren.
Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Eine der größten Herausforderungen ist herauszufinden, wie gut die KI eine juristische Aufgabe tatsächlich löst. Das macht es auch schwierig, unsere Systeme gezielt zu verbessern. Wir arbeiten deshalb intensiv an Methoden, mit denen wir die Qualität der Ergebnisse zuverlässig beurteilen können.
Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf Eurer Agenda?
Wir arbeiten daran, den gesamten Spezialisierungsprozess zu automatisieren: passende Trainingsdaten erzeugen, die KI damit anpassen und ihre Ergebnisse überprüfen. Diese Schritte sollen gut zusammenspielen und effizient sein, damit die Spezialisierung ohne manuelle Arbeit auskommt.
Ihr konntet bereits Investorengelder einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Geldgebern in Kontakt gekommen?
Die Kontakte sind über unser bestehendes Netzwerk in der Startup-Szene und der Wissenschaft entstanden. Darüber kamen wir mit Investoren ins Gespräch. Unsere Idee und unser Forschungsansatz stießen dabei auf großes Interesse.
Wo steht Grubel in einem Jahr?
In einem Jahr wollen wir mehrere große Kunden haben, die unsere Technologie für anspruchsvolle juristische Aufgaben einsetzen. Gleichzeitig wollen wir uns als Frontier Lab für Legal AI etablieren: als Forschungslabor, das die Leistungsgrenzen juristischer KI erweitert.
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