#Interview

„Gegen eingefahrene Denkmuster anzutreten, verlangt Geduld“

Das Team von ewigbyte möchte digitale Daten über Jahrhunderte hinweg sicher in Glas speichern. Im Interview spricht Gründerin Ina von Haeften über die Entwicklung der Technologie, erste Erfolge und die Pläne für die kommenden Monate.
„Gegen eingefahrene Denkmuster anzutreten, verlangt Geduld“
Montag, 17. August 2026VonAlexander

Das Münchner DeepTech-Startup ewigbyte, 2025 von Steffen Klewitz und Phil Wittwer gegründet, entwickelt „eine glasbasierte Speichertechnologie“. Daten werden dabei „mithilfe ultrakurzer Lichtpulse direkt in Glas eingeschrieben“.

Der Münchner Frühphaseninvestor Vanagon Ventures und Bayern Kapital sowie Business Angels aus dem BayStartUP-Investorennetzwerk investierten bereits 1,6 Millionen Euro in die Jungfirma.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Gründerin Ina von Haeften einmal ausführlich über den Stand der Dinge in ihrem Unternehmen.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Ewigbyte erklären?
Stell Dir vor, Du könntest alle Deine Bücher in eine hauchdünne Glasplatte gravieren, so dass sie auch in tausend Jahren noch lesbar sind – ohne Strom, geschützt vor Cyberattacken, ohne dass sie jemand alle paar Jahre umkopieren muss. Genau das machen wir mit digitalen Daten: Wir schreiben sie mit Laserlicht dauerhaft in Glas. So kann all das, was uns wichtig ist, die Jahrhunderte überdauern.

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Die größte Aufgabe ist, eine ganz neue Kategorie der Datenspeicherung zu bauen – nicht das bessere Archiv, sondern eine Bewahrungs-Schicht, die es so vorher nicht gab. Das heißt, gleichzeitig Hardware aus dem Labor in ein verlässliches Produkt zu bringen und einem Markt überhaupt erst die Sprache dafür zu geben. Als junges Team gegen die eingefahrenen Denkmuster der etablierten Speicherwelt anzutreten, verlangt Geduld – und eine sehr klare Haltung, warum diese neue Kategorie die Zukunft der Langzeitspeicherung sein wird.

Was war zuletzt das Highlight bei Euch?
Zunächst der Sieg beim Founder-Showcase der Start2 Group vor dem Gouverneur von Colorado und seiner Delegation – dass sich ein junges Münchner Team im direkten Wettbewerb mit bereits ausgezeichneten Deep-Tech-Teams durchsetzt und zur Startup Week nach Denver eingeladen wird, war ein besonderer Moment. Das eigentliche Highlight sind aber die ersten Schreibergebnisse unseres industriellen MVP – sie sind sogar besser ausgefallen als erwartet.

Zuletzt konntet Ihr Millionen einsammeln. Wie seid Ihr mit Euren Investor:innen in Kontakt gekommen?
Unsere Pre-Seed-Runde haben wir mit Vanagon Ventures und Bayern Kapital geschlossen – zwei Partnern, die Deep Tech und lange Zeithorizonte wirklich verstehen. Der Kontakt entstand über einen sehr engagierten Mentor, den wir über XPRENEURS kennengelernt hatten. Weiterhin unterstützen uns einige sehr hilfreiche und erfahrene Business Angels.

Wo steht Ewigbyte in einem Jahr?
In einem Jahr schreibt unsere erste Maschine bereits Kundendaten ins Glas – unser erstes kommerzielles Angebot, im Betrieb, nicht nur im Labor. Weiterhin arbeiten wir an der Etablierung eines photonischen Cold Data Centers. Wir wollen zeigen, dass die Bewahrungs-Schicht funktioniert: als das verlässliche, dauerhafte Fundament unter einer Datenwelt, die immer schneller wächst.

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Foto (oben): Ewigbyte

Alexander

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.