#Interview

„Operative Arbeit motiviert mich am meisten“

SpotMyEnergy setzt auf Smart Meter als Schlüssel für die Energiewende. Im Interview spricht Gründer Jochen Schwill über den Strommarkt der Zukunft, intelligente Energiesteuerung und den Reiz, erneut ein Startup aufzubauen.
„Operative Arbeit motiviert mich am meisten“
Donnerstag, 6. August 2026VonAlexander

Das Kölner Startup SpotMyEnergy, das 2023 vom Next Kraftwerke-Gründer Jochen Schwill gegründet wurde, setzt voll und ganz auf Smart Meter. Das Unternehmen übernimmt dabei die Messung, die Optimierung und den Stromhandel. 

Zu den Investoren der Jungfirma, die zuletzt den Messstellenbetrieb von Zählerhelden übernommen hat, gehören Junction Growth Investors, Norrsken VC, Vorwerk Ventures und Picus Capital. Bereits Ende 2024 konnte das SpotmyEnergy-Team mehr als 10 Millionen einsammeln.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Seriengründer Schwill einmal ausführlich über den Stand der Dinge bei SpotmyEnergy.

Wie würdest Du Deiner Großmutter SpotMyEnergy erklären?
Ich scheitere schon an meiner Mutter, haha! Aber in einem Wort sind wir Stromversorger. Wir helfen dann noch zusätzlich dabei, dass einige Geräte zur richtigen Zeit Strom verbrauchen oder ans Netz abgeben. Das machen wir zum einen, indem wir die Information über den Stromverbrauch in Echtzeit haben – mithilfe intelligenter Stromzähler oder auch Smart Meter genannt. Zum anderen können wir über ein HEMS, das als Energiemanager die wichtigen Geräte in deinem Haus verbindet und dann ein- und ausschalten kann, wenn Strom gespeichert oder verbraucht werden soll. Das betrifft vor allem E-Autos, Batterien, Solaranlagen und Wärmepumpen. 

Kürzlich habt Ihr den Messstellenbetrieb von Zählerhelden übernommen. Wie kam es dazu?
Wir haben in Deutschland über 800 Messstellenbetriebe, die durch die Digitalisierung und Flexibilisierung des Strommarkts vor immer neue und größere Herausforderungen gestellt werden. Viele Stadtwerke kommen deshalb nicht hinterher und Haushalte warten ewig auf ihren beantragten Smart Meter. Deshalb haben wir entschieden, das selbst in die Hand zu nehmen und die Geräte bei unseren Kunden einzubauen. Denn in diesem Markt sind Smart Meter die Grundlage für einen möglichst smart gesteuerten Stromverbrauch von Haushalten. SpotmyEnergy und Zählerhelden teilen den gleichen Ansatz: das Vorantreiben des Smart-Meter-Rollouts in Deutschland in Zusammenarbeit mit unabhängigen regionalen Installateuren. Mit der Übernahme des Messstellenbetriebs von Zählerhelden haben wir unser Wachstum als unabhängiger Messstellenbetreiber beschleunigen können und gleichzeitig erstmals im deutschen Markt eine so große Zahl an Steuerboxen übertragen.

Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf Eurer Agenda?
Uns ist es sehr wichtig, dass wir in dem, was wir tun, wirklich exzellent sind. Wir wollen für unsere Endkunden das beste Angebot haben, damit sie ihre Stromkosten deutlich senken können. Das schaffen wir zum Beispiel durch unseren Energiemanager, der alle relevanten Geräte einbinden und steuern kann. Daran arbeiten wir sehr intensiv. Unser nächstes Ziel ist, dass immer mehr Geräte live auf die Preise am Strommarkt reagieren können. 

Vor SpotmyEnergy hast Du bereits Next Kraftwerke aufgebaut. Was reizt Dich daran, nun wieder ein Startup hochzuziehen?
In der Zeit nach Next Kraftwerke war ich immer noch in der Branche aktiv – allerdings auf der anderen Seite, mit einigen Angel-Investments. Ich habe dann aber recht schnell gemerkt, dass mir etwas fehlt. Ich sage immer, dass mich operative Arbeit, gemeinsam mit einem ambitionierten Team, am meisten motiviert. Und deshalb kam dann auch schnell die Gründung von SpotmyEnergy. 

Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Gründung so richtig schief gegangen?
So etwas richtig fatal Schlimmes gab es noch nicht. Natürlich hat man gerade im operativen Geschäft aber immer wieder Situationen, über die man sich ärgern kann. Gerade in der letzten Woche hat unser Terminvergabetool verrückt gespielt und wir sind zur falschen Adresse gefahren, um dort einen Smart Meter zu installieren. Dadurch haben andere Kunden auf uns gewartet, und wir waren nicht da. Das ärgert mich dann schon sehr. Auch wenn die Kunden ihren Smart Meter anschließend mit nur einem Tag Verspätung erhalten haben. 

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht? 
Ich bin mir sicher, dass wir mit unserer Vision auf dem absolut richtigen Weg sind. Dass Elektroautos, Wärmepumpen und die Millionen von kleinen Speichern in Zukunft ein aktiver Teil des Strommarkts sein werden, ist sonnenklar. Unsere Lösung ist dafür bereits jetzt das Beste, was man bekommen kann. Wir haben uns seit der Gründung ein super starkes Team aufgebaut und das zum richtigen Zeitpunkt. 

Wo steht SpotmyEnergy in einem Jahr?
In einem Jahr werden wir vertrieblich noch viel aktiver sein und damit noch sichtbarer am Markt werden. Wir haben uns im letzten Jahr viel mit dem Produkt beschäftigt und es extrem verbessert – auch durch den engen Austausch mit unseren Partnerbetrieben und den Haushalten. Im nächsten Jahr setzen wir den Vertrieb ganz oben auf die Agenda, um unser Produkt noch breiter zu vermarkten und mehr Haushalte für eine kostengünstige Energiewende in den eigenen vier Wänden auszurüsten.

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Foto (oben): SpotmyEnergy

Alexander

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.