#Interview

“Krisen gehören quasi zu unserer Unternehmensgeschichte”

Die Jungfirma MotionMiners aus Dortmund möchte Unternehmen dabei helfen, "Prozesse hinsichtlich der Effizienz oder Ergonomie zu optimieren". PwC Deutschland sowie die Altinvestoren investierten zuletzt 5 Millionen in das Unternehmen, das 2017 gegründet wurde.
“Krisen gehören quasi zu unserer Unternehmensgeschichte”
Mittwoch, 31. Mai 2023VonAlexander Hüsing

MotionMiners ist eines der aufstrebenden Unternehmen aus dem Ruhrgebiet. Das Dortmunder Unternehmen, 2017 von Sascha Feldhorst, Sascha Kaczmarek und René Grzeszick als Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) gegründet, zeichnet mit mobilen Sensoren und Kleinstfunksendern, sogenannten Beacons, die Bewegungen von Mitarbeiter:innen auf. Ziel dieser Technologie ist es, die körperliche Belastung von Mitarbeitern zu messen, sie zu reduzieren und die Prozesszeiten in Unternehmen zu verkürzen.

PwC Deutschland sowie die Altinvestoren Fraunhofer Technologie-Transfer Fonds (FTTF), zu na mi und das TKM Family Office investierten zuletzt 5 Millionen Euro in MotionMiners. “Die Suche nach einem neuen Investor hat in den letzten Wochen und Monaten viel Zeit und harte Arbeit gekostet. Die aktuelle Lage auf dem Investmentmarkt ist für Startups mehr als herausfordernd, daher macht es uns umso stolzer unsere Finanzierungsrunde abgeschlossen zu haben”, sagt Gründer Kaczmarek.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der MotionMiners-Macher außerdem über Prozessdaten, Fragezeichen und die Messesaison.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Dein Startup erklären?
Die MotionMiners analysieren Tätigkeiten, die manuell ausgeführt werden, hauptsächlich in Logistik- und Produktionsunternehmen. Mit der Motion-Mining-Technologie können wir herausfinden, wie sich die Prozesse hinsichtlich der Effizienz oder Ergonomie optimieren lassen, weil wir die Bewegungen und Aktivitäten aufnehmen. Die Magie dahinter ist Sensorik, welche automatisiert und anonymisiert Daten aufnimmt. Anders als bei herkömmlichen Prozessanalysemethoden nimmt bei uns keine dritte Person die Daten mit Klemmbrett, Stoppuhr und Stift auf, sondern Mitarbeitende tragen die kleinen Wearables während ihrer Schicht. Am Ende können wir zum Beispiel in einem Analysedashboard sehen, wo Zeiten eingespart werden können oder wie die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter:innen weniger belastend gestaltet werden können. Ähnlich wie die weit verbreiteten Fitnessuhren nehmen unsere Sensoren Bewegungsdaten auf und sammeln beispielsweise Informationen über die zurückgelegte Strecke während einer Schicht. Damit diese Daten mittels Indoor-Lokalisierung via Bluetooth aufgenommen werden können, statten wir im Vorhinein das Lager mit sogenannten Beacons aus, die Funksendern ähnlich sind. Die Sensoren können auf diese Weise mit den Beacons kommunizieren. Aus den Prozessdaten werden dann automatisch, mithilfe eines Machine-Learning Algorithmus, Arbeitsschritte rekonstruiert und visualisiert.

Die ersten Monate des Jahres 2023 ziehen ins Land. Was war bisher das Highlight bei Euch?
Unser Highlight 2023 war oder ist auf jeden Fall der Abschluss unserer Series-A-Finanzierungsrunde. Die Suche nach einem neuen Investor hat in den letzten Wochen und Monaten viel Zeit und harte Arbeit gekostet. Die aktuelle Lage auf dem Investmentmarkt ist für Startups mehr als herausfordernd, daher macht es uns umso stolzer unsere Finanzierungsrunde bereits Anfang des Jahres abgeschlossen zu haben und freuen uns sehr nun mit PwC Deutschland einen starken Partner an unserer Seite zu haben, insbesondere auch des Know-hows wegen.

Was waren zuletzt die größten Herausforderungen, die Ihr überwinden musstet?
Als junges Unternehmen, dass letztes Jahr fünf Jahre geworden ist, können wir von uns behaupten, eines der krisenerprobtesten Jungunternehmen zu sein, denn Krisen gehören quasi zu unserer Unternehmensgeschichte und zeigen uns nur, dass wir den richtigen Weg gehen. Die größte Herausforderung zuletzt stellte daher vor allem die abgeschlossene Finanzierungsrunde dar. Wir sind froh, dass wir jetzt mit voller Kraft voraus durchstarten können!

Es herrscht derzeit Krisenstimmung in der deutschen Startup-Szene. Was ist Deine Sicht auf diese Eiszeit?
Für Startups stehen in Deutschland zwei harte Jahre bevor. Durch Corona und die Ukraine-Krise ist die Lage am Markt einfach enorm herausfordernd und lässt viele Fragezeichen im Raum. Wir haben das Glück, uns jetzt eine gewisse Stabilität erarbeitet zu haben. Doch auch für uns heißt es aufmerksam die Geschehnisse zu beobachten und mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen nachhaltig umzugehen. Unser Fokus liegt daher darauf, uns weiter in der Branche und uns als Spezialist für Prozessanalysen zu etablieren. Wichtig ist uns dabei vor allem gegenüber unseren Mitarbeiter:innen Transparenz und Offenheit, damit wir mit ihnen gemeinsam dieses Ziel erreichen können.

Wie lief es denn zuletzt wirtschaftlich für Euch?
Nach der Corona-Phase nehmen wir endlich wieder einen Aufschwung wahr. Die Pandemie hat wirklich alle Wirtschaftsbereiche getroffen und viele Unternehmen waren, was die Zusammenarbeit mit jungen Unternehmen oder auch die Investitionsbereitschaft in neue Technologien angeht, zurückhaltender. Die aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten sind für uns in dem Sinne von Nutzen als dass viele Unternehmen aktuelle den Bedarf erkennen, ihre bestehende Prozesse zu optimieren. Aktuell steigt das Bedürfnis dafür, mit gleichbleibendem Input einen höheren Output zu erzeugen. Gut für uns, denn genau damit können wir punkten.

Was lief zuletzt bei Euch nicht rund?
Auch hier ist in Anführungszeichen wieder unsere Finanzierungsrunde zu nennen. Im Juli/August 2022 sind wir noch optimistisch und mit viel Motivation in die Vorbereitung gegangen und haben nach nur kurzer Zeit sehr intensive Gespräche mit möglichen Investoren geführt. Allerdings gestaltete sich nach und nach die Suche immer intensiver und herausfordernder. Über mehrere Monate hinweg haben wir unzählige Gespräche geführt und viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt. Die Freude über den Abschluss der Finanzierungsrunde war dann natürlich umso größer.

Welches Projekt steht bei Euch in den kommenden Monaten ganz oben auf der Agenda?
Für uns beginnt bald wieder die Messesaison. Die Planung und Durchführung nimmt natürlich parallel zum Tagesgeschäft viel Zeit in Anspruch. Außerdem haben wie gerade ein neues Produkt entwickelt. Eine Plattform, welche unser Know-How aus bisherigen Motion-Mining bündelt und als webbasierte Anwendung allen zur Verfügung gestellt wird! Prozessplaner:innen- ingenieur:innen oder auch -manager bekommen die Möglichkeit, schnell und gezielt Lösungen für Prozessherausforderungen zu finden und zu erkennen, ob sie sich für die bestehende Herausforderung eignen. An der Entwicklung arbeiten wir nun schon einige Monate und in den nächsten Wochen beginnt für uns nun der Endspurt.

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Foto (oben): MotionMiners

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.