#Interview

“Das Startup-Leben wird oft romantisiert”

Gründeralltag - gibt es das überhaupt? "Es ist ein ständiges Auf und Ab. Das ist auch gut so. Die Zeiten, die uns im Startup wirklich weiterbringen, sind selten die Hochphasen, in denen alles läuft. Es sind die schwierigen Phasen, wenn Lösungen gefunden werden müssen", sagt Sebastian Siegbert, Gründer von VanSite.
“Das Startup-Leben wird oft romantisiert”
Freitag, 20. Januar 2023VonTeam

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Dieses Mal antwortet Sebastian Siegbert, neben Alexander Herbst, David Kogan, Carolin König und Maximilian Buschmeyer, Gründer von VanSite. Das Startup aus Bielefeld positioniert sich als Plattform, die “naturnahes Reisen im Van, Wohnwagen, Wohnmobil” ermöglicht.

Wie startet Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Ganz klar: mit einem anständigen Kaffee. Wenn der getrunken ist, checken wir standardmäßig unsere Mails und den Kalender. Dann haben wir meistens noch kurz Zeit für unsere laufenden Projekte, bevor es dann wie jeden Montag um 10 Uhr mit einem “Guten Morgen” in das Weekly geht. Es startet bei uns mit einer kleinen Frühstücksrunde im Team. Wir nehmen uns bewusst Zeit für unsere privaten Themen. Anschließend sprechen wir über Wochenziele, gemeinsame Termine, Projektfortschritte und aktuelle To-Dos. Danach geht’s dann so richtig los.

Wie schaltet Du nach der Arbeit ab? 
Da hat jede:r seinen eigenen Weg. Mein Mitgründer Max zum Beispiel kann beim Fallschirmspringen richtig abschalten und macht das regelmäßig. Carolin unternimmt viel mit Freunden. Und David spielt gerne Pen-&-Paper-Rollenspiele. Alex macht Kraftsport und ich gehe regelmäßig mit meiner Freundin und Hund im Wald wandern. Wenn wir den Feierabend zusammen verbringen, nehmen wir uns bewusst Zeit für uns und reden nicht mehr über die Arbeit. Dann gehen wir bowlen, grillen zusammen oder setzen uns mit einem Kaltgetränk auf die Terrasse des Co-Working-Space.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest Du gerne vor dem Startup-Leben gewusst?
Das Startup-Leben wird oft romantisiert. Es gibt nicht die eine langanhaltende Hochphase, in der das Unternehmen wächst und alle zufrieden sind. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Das ist auch gut so. Die Zeiten, die uns im Startup wirklich weiterbringen, sind nämlich selten die Hochphasen, in denen alles läuft. Es sind die schwierigen Phasen, wenn Lösungen gefunden und schwere Entscheidungen getroffen werden müssen.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Der größte Fehler war ganz klar, zu viel Angst vor Fehlern zu haben und deshalb zu langsam Entscheidungen zu treffen. Im letzten Jahr hatten wir einige Entwicklungsschritte für VanSite geplant, die wir unbedingt umsetzen wollten. Letztlich haben wir uns bis zur eigentlichen Realisierung zu viel Zeit gelassen, weil wir vorher unbedingt umfangreiche Validierungen machen wollten. Dadurch hat am Ende die Zeit gefehlt, die gesetzten Ziele zu erreichen. Manchmal muss man da einfach Risiken eingehen.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Darauf habe ich keine pauschale Antwort. Aber wozu wir generell nur raten können: Dir ganz klar zu überlegen, wen du für dein Unternehmen brauchst. Für unsere noch frühe Phase brauchen wir zum Beispiel Generalist:innen, keine Spezialist:innen. Denn unsere Aufgaben sind momentan noch so divers und ändern sich ständig, sodass wir trotz eines perfekten Spezialisten vielleicht morgen schon einen neuen für ein anderes Gebiet bräuchten. In Zukunft werden wir aber sehr dankbar sein, wenn ein paar Spezialist:innen und Fachprofis unser Team ergänzen. Am wichtigsten ist uns, dass wir Menschen finden, die unsere Leidenschaft für Camping und unsere Vision teilen. Wir glauben daran, dass Menschen nur in der Ruhe der Natur den Ausgleich zu ihrem Alltag finden. Wer da nicht auf einer Wellenlänge mit uns ist, wird vermutlich nicht mit uns zusammenkommen, Skills hin oder her.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?
Da gibt es eigentlich zwei, die ich ganz wichtig finde. Erstens: Es gibt richtig gute Startup-Literatur – nehmt euch die Zeit, sie zu lesen. Wenn ihr nicht wisst, welche gut ist, fragt andere Gründer:innen, welche Bücher sie besonders wertvoll fanden. Zehn Stunden für ein gutes Buch können euch zehn Wochen Arbeit in die falsche Richtung ersparen. Zweitens: Die besten Ratschläge kommen in der Regel von Leuten, die selbst direkt im Anschluss sagen, dass sie auch total falsch liegen können.

Ohne welches externe Tool würde dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Da gibt es so einige. Wenn ich meinen Finger drauflegen müsste, würde ich vermutlich Microsoft Teams sagen. Darin strukturieren und koordinieren wir so ziemlich alles, was wir machen.

Wie sorgst Du in deinem Team für gute Stimmung?
Auch wenn es echt abgedroschen klingt: Wir lesen Bewertungen auf unserer Plattform. Eigentlich war das für uns als reine Maßnahme gedacht, um nachhaltig Vertrauen in die Plattform aufzubauen. Mit der Zeit hat sich aber gezeigt, dass viele unserer Nutzer:innen die Reviews fast wie ein kleines Reisetagebuch nutzen. Das macht richtig gute Laune, zu lesen, wie andere eine richtig gute Zeit haben, und wenn wir dann feststellen: Krass, ohne uns wäre das nie passiert.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Ich glaube, da hat jeder bei uns im Team sein ganz persönliches Erlebnis. Für mich war es ein fünfminütiges Live-Interview im Fernsehen zu VanSite – bevor die Plattform überhaupt live war. Das war surreal, weil die Situation komplett neu war und ich mir dachte: „Ok, auch wenn wir noch nicht gelaunched sind, VanSite existiert jetzt.”

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

Foto (oben): VanSite