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Click A Tree: Der richtige Gründer für den “Karitalismus”

B'n'Tree bzw. Click a Tree hat ein nicht ganz einfaches Geschäftsmodell, Es folgt ein Löwenangebot, dass es so noch nie gab. Eine Investorin, die neue Wege geht. Und schließlich ein Löwe, der aussteigt, um am Ende in ein Battle der Kombi-Angebote zu gehen.
Click A Tree: Der richtige Gründer für den “Karitalismus”
Mittwoch, 9. Juni 2021VonRuth Cremer

Ja, mächtig Action wurde dem Zuschauer vor der Sommerpause noch einmal geboten. Und ein Thema, das wohl niemanden kalt lässt. Der Gründer Chris Kaiser will mit seinem Unternehmen Click A Tree dazu beitragen, dass mehr Bäume gepflanzt werden. Doch anders als gemeinnützige Organisationen, die auch viel auf Freiwilligenarbeit setzen müssen, will er ein skalierbares Geschäftsmodell daraus aufbauen.

Angefangen hat er mit einem fast schon “klassischen” Affiliate-Modell im Reisebereich: Über die Seite von B’n’Tree kann der Nutzer zu verschiedenen Reise-Websites gelangen. Bucht er dann hier etwas, erhält B’n’Tree als Vermittler eine Affiliate-Provision. Leider sind diese in der Branche nicht besonders hoch, und so fallen im Schnitt ca. 4 Euro pro Buchung ab.  Da die Pflanzung eines neuen Baumes für rund 3,50 Euro realisiert werden kann, trägt sich das Modell zwar grob, aber man kann sich leicht ausrechnen, dass es für die 50 Cent, die hier im Schnitt übrig bleiben, eher schwierig wird, das Modell zu skalieren.

Deswegen hat der Gründer sein Modell erweitert, und partnert jetzt direkt mit großen Unternehmen, nicht nur aus der Tourismus-Branche.

Hierbei verkauft er den gepflanzten Baum für 5 Euro – die Marge ist also etwas größer, und der Partner macht das Marketing für sein eigenes Projekt. Mit bereits über 100.000 gepflanzten Bäumen in 12 Ländern und einer recht gut gefüllte Pipeline auf Unternehmensseite läuft das Modell auch bereits gut an. Alleine schaffte er in seinem erste Vollzeit-Monat für Click’n’Tree sechs neue Firmenkunden zu akquirieren, was ihn für das nächste Jahr noch viel optimistischer stimmte.

Die Löwen finden die Idee großartig. Doch Nils Glagau ist das Geschäftsmodell noch etwas zu schwammig, die beiden aktuell laufenden Modelle erscheinen nicht ganze klar. Auch Carsten Maschmeyer fragt noch einmal nach, worin genau der USP bestehe.

Der Gründer nutzt zur Erklärung seine Wortneuschöpfung “Karitalismus”, was wohl so viel wie Gutes tun, aber in hoch skalierbarem Maße, heißt. Möglich, weil man es eben als Geschäftsmodell aufsetzt und dabei Geld verdient, nicht als wohltätige Organisation. Nebenbei gibt es noch einen weiteren positiven Effekt: es werden Arbeitsplätze geschaffen, man ist nicht auf gemeinnützige Arbeit angewiesen, um die Aufträge zu erfüllen. Denn dies würde Wachstum auch immer in irgendeiner Form beschränken.

Und was SirPlus und LetsAct nicht so richtig rüberbringen konnten, schafft der Gründer, der schon auf fünf Kontinenten gelebt und gearbeitet hat: die Löwen zu überzeugen, das richtige Modell gebaut zu haben, um Gutes zu tun, damit trotzdem Geld zu verdienen und das Ganze im Idealfall noch möglichst groß zu machen.

So sieht er sich selbst auch weder als einen Umwelt-Aktivisten wie Greta Thunberg, noch als Vollblut-Kapitalisten wie Marc Zuckerberg, sondern eine Mischung aus beidem. Das sorgt zumindest für sympathisierende Lacher, war aber vielleicht auch genau die Erklärung, die manchen Löwen vollends von Gründer und Modell überzeugte, den die Argumentation, dass nur die gesunde Mitte hier auch wirklich erfolgreich sein kann, überzeugte.

Für viele unerwartet zeigt dann vor allem Judith Williams unverhohlenes Interesse. “Ist das was für Dich?” raunt sie ihrem Sitznachbarn Carsten Maschmeyer zu. Die beiden tuscheln. Und machen schließlich ein noch nie da gewesenes Angebot in “Die Höhle der Löwen”: sie bieten die erfragten 75.000 Euro, wollen allerdings 25,1%. Doch sie wollen nur irgendwann, wenn es gut läuft, ihr Geld zurück haben und keinen Gewinn machen. Daher sollen diese 25,1% an zukünftige Mitarbeiter im Rahmen eines ESOP-Programms verteilt werden.

Das hört sich kompliziert an, ist aber eigentlich eine sehr elegante Lösung. Wenn Mitarbeiter am finanziellen Erfolg eines Unternehmens beteiligt werden sollen, bekommen sie oft sogenannte virtuelle Anteile im Rahmen eines “Employee Stock Option Programme”, kurz ESOP. Ihnen gehören nicht wirklich Teile des Unternehmens, das heißt, sie können in der Gesellschafterversammlung auch keinen Einfluss nehmen. Kommt es aber zum Beispiel zu einem (Teil-)Verkauf des Unternehmens, bekommen sie anteilig soviel vom Kuchen ab, wie sie eben virtuelle Anteile besitzen. Normalerweise geht dieser Teil dann vom Anteil der Gründer ab, denn irgendwer muss ja weniger Geld bekommen, wenn es plötzlich noch weitere Nutznießer gibt, die eigentlich gar nicht am Unternehmen beteiligt sind.

Hier bieten aber die Löwen ihre Anteile am finanziellen Gewinn – minus ihr Investment – zur Verteilung an die Mitarbeiter an. Eigentlich eine sehr einfache und elegante Lösung, die mit verhältnismäßig wenig Text im Beteiligungsvertrag gelöst werden kann.

Aber eben sehr bemerkenswert, wie effektiv die Löwen damit sicherstellen, dass sie nicht am Gewinn partizipieren werden.

Doch Georg Kofler und der bereits ausgeschiedene Löwe Nils Glagau sehen das anders: ihnen gefällt das Denken des Gründers, und sie konkurrieren um den Deal mit ihrem Angebot von 100.000 Euro  für 20% – bieten also sogar eine höhere Bewertung.

Nachdem der Gründer bei seinem Mentor nur die Mailbox erreicht – was wohl auch so noch nicht vorkam – entscheidet er sich jedoch für die Kombination von Judith Williams und Carsten Maschmeyer – und verschafft somit der Investorin ihren wohl bisher technischsten Deal. 

Die freut sich, vermutet sie doch viel Lob ihrer Töchter. “Mama, das ist das vernünftigste Startup, was Du je gemacht hast”, hört sie sie sagen. Leider aber platzte der Deal nach der Show.

Ganz zum Schluss der Staffel gab es also noch einen Pitch mit so vielen Neuerungen, dass es an sich schon wieder ein Rekord ist. Und ein würdiger Abschluss einer so stark von nachhaltigen Geschäftsmodellen geprägter Staffel wie noch keine zuvor.

Tipp: Alles über die Vox-Gründer-Show gibt es in unserer DHDL-Rubrik. Die jeweiligen Deals und Nicht-Deals gibt es hier: “Die Höhle der Löwen (9. Staffel)“,”Die Höhle der Löwen (8. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen (7. Staffel)“,”Die Höhle der Löwen” (6. Staffel)“,“Die Höhle der Löwen” (5. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen (4. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen (3. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen (2. Staffel)“, “Die Höhle der Löwen (1. Staffel)“.

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Foto (oben):  TVNOW / Bernd-Michael Maurer

Ruth Cremer

Ruth Cremer ist Mathematikerin und Beraterin sowie Hochschuldozentin im Bereich Geschäftsmodelle, Kennzahlen und Finanzplanung. Als ehemaliger Investment Manager weiß Sie, worauf Investoren achten und hilft bei Pitch- und Dokumentenvorbereitung auch im Investment- oder Akquisitionsprozess. In der aktuellen sechsten Staffel von “Die Höhle der Löwen” war sie als externe Beraterin in die Auswahl und Vorbereitung der Kandidaten involviert.