#Interview

“Gerade als Frau muss man auch mal das Ruder in die Hand nehmen”

Gründeralltag - gibt es das überhaupt? "Aktuell ist es fast nicht möglich nach der Arbeit abzuschalten. Home Office und Gründen sind schon ein sehr kompaktes Ding", sagt Rosalie Schmid, Gründerin von Less Waste Club.
“Gerade als Frau muss man auch mal das Ruder in die Hand nehmen”
Mittwoch, 5. Mai 2021Vonds-Team

Wie starten ganz normale Gründerinnen und Gründer so in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag? Wie schalten junge Unternehmerinnen und Unternehmer nach der Arbeit mal so richtig ab und was hätten die aufstrebenden Firmenlenker gerne gewusst bevor sie ihr Startup gegründet haben? Wir haben genau diese Sachen abgefragt. Heute antwortet Rosalie Schmid, Gründerin von Less Waste Club. Das Startup aus München setzt auf sogenannte Waterless-Produkte und bietet derzeit Duschgel- und Handseifen Pulver an

Wie startest Du in einen ganz normalen Startup-Arbeitsalltag?
Ich beginne recht früh zwischen 6 und 7 Uhr. So habe ich die Möglichkeit schon einmal etwas abzuarbeiten bevor es dann ab 9 Uhr mit dem Teammeeting los geht. Das tägliche Meeting ist uns extrem wichtig, denn so können wir den Fokus jeden Tag genau dahin legen wo wir den größten Mehrwert erzeugen können. Dann schauen wir, dass bis 13 Uhr möglichst viel in die Wege geleitet wird, um dann am Nachmittag an Ideen und Lösungen zu basteln. Abends geht’s dann oft ziemlich lange. Wenig Schlaf, wenig Sport und viel Arbeit gehören also zu unserem Alltag.

Wie schaltest du nach der Arbeit ab?
Das ist tatsächlich eine spannende Frage. Aktuell ist es fast nicht möglich nach der Arbeit abzuschalten. Home Office und Gründen sind schon ein sehr kompaktes Ding. Wir sitzen von Beginn an im Home Office und nehmen daher unsere Arbeit mit in unser Privatleben, welches es aufgrund von Corona und einem hohen Workload aktuell auch nicht wirklich gibt. Ich versuche abends immer ein Hörbuch anzuhören und mich ein wenig draußen zu bewegen. Ohne die aktuelle Situation würde ich vermutlich abends ins Fitnessstudio gehen oder mich zum Austausch mit Freunden treffen. So bleiben wir meistens bis spät in der Nacht am Schreibtisch sitzen.

Was über das Gründer:innen-Dasein hättest du gerne vor der Gründung gewusst?
Wie schlecht man eigentlich für das Unternehmertum vorbereitet ist. Selbst mit Studium und Berufserfahrung gibt es ganz viele Punkte, über die ich mir vorher gar nicht bewusst war und in die ich mich selbst erst einmal einarbeiten musste. Auch wie einsam manche Tage oder Wochen sein können habe ich etwas unterschätzt.

Was waren die größten Hürden, die Du auf dem Weg zur Gründung überwinden musstest?
Der Schritt in die Selbständigkeit. Tatsächlich zu sagen „ich verlasse das sichere Ufer und begebe mich in diese Ungewissheit“. Einen sicheren Job zu verlassen für etwas, bei dem man nicht 100% sicher gehen kann, dass es auch tatsächlich funktioniert. Aus dem Grund haben wir auch direkt zu Beginn eine Crowdfunding Kampagne gestartet. Wäre diese gescheitert, hätte ich mir das Ganze direkt noch einmal überlegt.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Zu Beginn war ich immer sehr zurückhaltend. Gerade als Frau muss man aber auch mal das Ruder in die Hand nehmen und sich von Anfang an positionieren. Dann wird man auch ernst genommen. Ich habe gemerkt, dass das besonders als Gründer:in sehr wichtig ist.

Wie findet man die passenden Mitarbeiter für sein Startup?
Den 100% passenden und perfekten Mitarbeiter gibt es nicht. Das wichtigste für uns ist, dass wir menschlich auf einer Ebene sind. Natürlich brauchen die unterschiedlichen Stellen unterschiedliche Skill-Sets. Es braucht aber vor allem Herzblut für die Umsetzung und das Leben im Startup. Unser Ziel ist es eine schlagkräftige Gruppe zu sein, in der sich jeder wohl fühlt und auf Augenhöhe kommuniziert wird.

Welchen Tipp hast Du für andere Gründer:innen?
Vor einer Gründung sollte sich jeder noch einmal die Frage stellen: „Bin ich von meinem Produkt so überzeugt, dass ich bereit bin, die ersten Jahre komplett dem Thema Gründung zu widmen?“ So oft man diesen Tipp auch noch hören wird. Machen! Einfach anfangen. Der Rest ergibt sich dann schon irgendwie.

Ohne welches externes Tool würde Dein Startup quasi nicht mehr existieren?
Miro bietet uns auch Remote die Möglichkeit gemeinsam an Whiteboards zu arbeiten und Ideen zu entwickeln. Es ist super intuitiv und strukturiert jedes Video Meeting! und Slack vereinfacht die Kommunikation im Team einfach unglaublich!

Wie sorgt ihr bei eurem Team für gute Stimmung?
Zum Glück haben wir hier alle Humor. Das schwappt dann immer auf das gesamte Team über, auch wenn es mal recht zäh ist. Manchmal hilft es auch sich einfach mal auszuklinken, alles liegen zu lassen und spazieren zu gehen. Oder auch einen oder zwei Tage komplett weg von dem ganzen Wahnsinn.

Was war Dein bisher wildestes Startup-Erlebnis?
Bei der ersten Lieferung unserer Ware ist bei der Spedition eine ganze Palette unseres Pulvers nicht mehr aufgetaucht. Nach acht Monaten Entwicklungsphase und nachdem wir unser ganzes Geld in die Produktion gesteckt haben, lagen unsere Nerven da natürlich erst einmal blank. Zum Glück wurde die Palette nach zwei Tagen wiedergefunden.

Tipp: Wie sieht ein Startup-Arbeitsalltag? Noch mehr Interviews gibt es in unserem Themenschwerpunkt Gründeralltag.

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Foto (oben): Less Waste Club