#Gastbeitrag

Aufbruch in eine neue Zeit: Was bedeutet Joe Biden für die Startup-Szene?

Die neue US-Administration steht für Verlässlichkeit und Stabilität. Das ist für Unternehmen, Investoren, Startups und die Märkte im Allgemeinen sehr wichtig. Ein Gastbeitrag von Oliver Hanisch.
Aufbruch in eine neue Zeit: Was bedeutet Joe Biden für die Startup-Szene?
Dienstag, 16. Februar 2021Vonds-Team

Mit dem Amtsantritt von Joe Biden im Januar wurde in den USA  ein neues Kapitel aufgeschlagen. Auch wenn damit zu rechnen ist, dass die “America First”-Politik uns noch lange begleiten wird, erkennt Gastautor Oliver Hanisch vielversprechende Signale für die Startup-Szene.

Besseres Investitionsklima

Die neue US-Administration steht für mich für Verlässlichkeit und Stabilität. Das ist für Unternehmen, Investoren, Startups und die Märkte im Allgemeinen sehr wichtig. Es regieren nicht Aktionismus und Impuls-Entscheidungen, sondern Weitsicht und die kontinuierliche Verfolgung von mittel- und langfristigen Zielen.

Das führt zu Planungssicherheit und einem einem positiven Investitionsklima. Der Standards & Poor’s 500-Index umfasst, die 500 größten, börsennotierten US-Unternehmen. Er stieg seit der US-Wahl im November um 14,3 Prozent. Solch einen Anstieg hat es noch nie gegeben!

Politische Stabilität und steigende Aktienkurse erhöhen die Bereitschaft von Business Angels und Risikokapitalgebern, in Startups zu investieren. Dass das eine eng mit dem anderen verbunden ist, hat uns bereits die Finanzkrise gelehrt.

Investitionen in Infrastruktur & Nachhaltigkeit

Im Wahlkampf gab Biden bereits seine ehrgeizigen Umwelt- und Klimapläne bekannt. Als eine seiner ersten Amtshandlungen trat er, folgerichtig, auch dem Pariser Klimavertrag wieder bei. Die Verbesserung und Modernisierung der amerikanischen Infrastruktur spielt bei Bidens Zielen auch eine wesentliche Rolle.

Viel Geld wird also in die Entwicklung und den Einsatz von Innovationen im Umfeld von Infrastruktur, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz fließen. Hier ist Deutschland in vielen Bereichen sehr gut aufgestellt. Das bietet spannende Möglichkeiten, für deutsche Startups und andere Unternehmen, neu entstehende Chancen in den USA wahrzunehmen.

Gelockerte Einreise- und Visabestimmungen

Die Visa-Bestimmungen für ausländische Arbeitnehmer*innen wurden in den letzten Jahren in den vereinigten Staaten zunehmend verschärft. Unter der neuen Führung sollten diese voraussichtlich nun wieder etwas gelockert werden: Je unkomplizierter die Einreise ist, umso einfacher wird es auch für Startups aus Deutschland und der ganzen Welt, im amerikanischen Markt Fuß zu fassen.

Außerdem wird es auch wieder mehr Austausch und Zusammenarbeit geben, wenn sich die Politik zueinander wieder freundlicher gestaltet. Startups und Innovations-Hubs, wie wir, die Campus Founders, es einer sind, leben davon.

Und man darf nicht vergessen, dass speziell auch für die USA Gründungen von Einwanderern und Ausländern eine extrem wichtige Rolle spielen. 40 % der Fortune 500 Unternehmen wurden von Migranten oder deren Kindern gegründet. Und bei Startup-Gründungen in New York und im Silicon Valley ist dieser Anteil noch deutlich höher. Diese Vielfalt sollte der Maßstab für uns alle sein.

Es braucht mutige Entscheidungen

Wir halten fest: Optimismus ist angesagt! Es sieht danach aus, dass die neue US-Regierung gut für die Startup-Szene ist, hüben wie drüben.

Trotzdem ist mein Appell, die Aufmerksamkeit weiterhin auf Deutschland zu richten: Eine neue Studie zeigt, dass der Digitalisierungsschub in Deutschland ausbleibt und wir dabei sind, die Digitalisierung und damit auch die Chance, die sich durch die Pandemie ergeben hat, ein weiteres mal zu verschlafen.

Startups sollten jetzt unbedingt die Chancen nutzen und weiter für digitale Innovationen sorgen.

Dies gilt auch für die vielen Familienunternehmen, Mittelständler und Konzerne. Öffnet euch weiter und bietet Schnittstellen für Startups und Kollaboration an. Wir brauchen jetzt innovative Köpfe und mutige Entscheidungen.

Über den Autor
Oliver Hanisch ist Unternehmer, Business Angel und CEO der Campus Founders. Er gilt als Experte rund um Startups und Startup-Ökosysteme und ist gefragter Advisor, Mentor, und Investor. Oliver Hanisch gründete und verkaufte zahlreiche Startups und Unternehmen. In seinen 14 Jahren im Silicon Valley war er u.a. Mitgründer des German Accelerator. Seit 2019 leitet er die Campus Founders und bildet werteorientiert die nächste Generation von verantwortungsvollen Gründer*innen und Innovator*innen aus. Mit seinen Aktivitäten fördert er das Startup- und Innovations-Ökosystem in Heilbronn-Franken, laut Wirtschaftswoche einer der dynamischsten Regionen Deutschlands.

Foto (oben): Stratos Brilakis / Shutterstock.com