#Gastbeitrag 3 Tipps für Startups für den Umgang mit Stress in Krisenzeiten

Stress ist für Gründerinnen und Gründer normal – sollte aber kein Dauerzustand sein. Die COVID-19-Krise verursacht aktuell massive wirtschaftliche Unsicherheiten, wodurch die Herausforderungen für Start-ups größer denn je sind.
3 Tipps für Startups für den Umgang mit Stress in Krisenzeiten

Wieviel Stress ist gesund für das Geschäft, ab welchem Punkt wird Stress zu einer Belastung? Und wie wirkt man Stress am effektivsten entgegen? Besonders jetzt, in einer durch die COVID-19-Krise ausgelösten wirtschaftlichen Unsicherheit, wächst bei den meisten Gründerinnen und Gründern das Stresslevel. Tagtäglich werden Unternehmerinnen und Unternehmer mit immer neuen komplexen Aufgaben und Problemen konfrontiert, müssen wichtige Entscheidungen treffen – das bedeutet Stress pur! Fühlt sich ein Gründerteam gestresst, ist das ein körpereigenes Alarmsignal, dem frühzeitig entgegengewirkt werden sollte, damit der Betroffene nicht komplett aus der Bahn geworfen wird. Doch wie gehen insbesondere junge Gründerinnen und Gründer mit Stress in Ausnahmesituation am besten um?

Guter vs. schlechter Stress
Zuallererst gilt es, guten von schlechtem Stress zu trennen: guter Stress ist temporär, und verhilft uns zu Höchstleistungen. So meistern wir herausfordernde Situationen wie Pitches, Verhandlungen oder auch Networking erfolgreicher. Meine persönliche Erfahrung zeigt: Stress kann durchaus unser Freund und Motivator sein. Schlechter Stress jedoch ist von dauerhafter Natur und macht uns nachweislich körperlich und geistig krank. Im schlimmsten Fall rutschen Gründerinnen und Gründer bereits in jüngeren Jahren in chronischem Stress. Dabei gilt es diesem vorzubeugen als ihn nachträglich bekämpfen zu müssen. Das Tückische am negativen Stress ist, dass er nur langsam aufkommt und vorerst als “der ganz normale Stress” wahrgenommen wird. Schließlich vergessen wir den Stress und er wird immer stärker – ein Teufelskreis.

Think Positive
Gerade ambitionierte Menschen unterliegen oft dem Irrglauben, dass wir alle ein bisschen gestresst sein müssten, um gute Leistung zu bringen. Dabei sollte man Stress eher von vornherein richtig managen. Wichtig zu wissen: Stress äußert sich bei jedem anders. Der eine hat starke Kopfschmerzen, die andere schläft schlecht und ein nächster hat Stimmungsschwankungen. Stress hat nicht nur Auswirkungen auf uns selbst, sondern gleichzeitig auf unser direktes Umfeld wie Familie, Freundeskreis, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie so oft gilt auch für Stress: think positive! Die Art und Weise, wie wir Stress begegnen, entscheidet massiv über die Folgewirkungen. Wenn ich Stress nicht als böse, sondern als Warnzeichen des eigenen Körpers wahrnehme, akzeptiere ich die Situation wie sie ist und löse meine Ängste auf. Der Wechsel von negativen Gedanken („Der Stress zerfrisst mich und hindert mich daran, effektiv zu arbeiten“) zu positiven Gedanken („Der Stress zeigt mir, dass ich gewisse Verhaltensweisen ändern muss, um ein besseres Ergebnis zu erzielen“) macht aus dem vorherigen Feind einen Mentor, der verschwindet, wenn seine Aufgabe erfüllt ist, und wir uns und unseren Arbeitsethos verändert haben.

Mehr Arbeiten heißt nicht besser Arbeiten
Die Erfahrung zeigt, dass viele Personen dazu neigen, sich nach und nach in waschechte Workaholics zu verwandeln, die jede freie Minute damit verbringen, ihr Produkt oder ihre Dienstleistung zu optimieren. Für Pausen bleibt oft keine Zeit, das nächste Meeting steht schon an, der nächste Call wartet und irgendwer will immer irgendwas. Mit jeder zusätzlichen Belastung steigt das Stresslevel. Was hilft, ist durchatmen. Es klingt banal, aber tatsächlich ist die Atmung das beste Mittel, akuten wie chronischen Stress zu reduzieren. Vor wichtigen Aufgaben und bevorstehenden Herausforderungen sollte man sich ein paar Minuten Zeit nehmen und für einen Moment ganz bewusst die eigene Atmung spüren. Fünf bis zehn Minuten ruhiges Atmen und Entspannung sind keine verlorene Zeit, sondern erhöhen die Aufmerksamkeit und Konzentration anschließend um ein Vielfaches. Generell sollte jeder auf einen Ausgleich zur Arbeit achten. Ein kurzer Spaziergang, musikalische Entspannungspausen, oder auch ein kurzes Telefonat mit Familie und Freunden helfen ungemein.

Gründerinnen und Gründer sind vor allem meist auch emotional stark in ihre Start-ups investiert. Sie verschmelzen sozusagen mit ihrem Unternehmen. Wenn es dann schlecht läuft, fehlt die wichtige emotionale Trennung von Privatem und Geschäftlichem. Es ist zwar beeindruckend, wie tief verwurzelt die meisten Gründungsteams mit ihrem Unternehmen sind. Bei schwierigen Situation, wie wir sie heute durch die Corona-Pandemie erleben, fällt uns diese Verschmelzung von Privat- und Arbeitsleben aber schnell auf die Füße und stresst zusätzlich. Ein gewisser emotionaler Abstand zum eigenen Schaffen ist deshalb zu empfehlen.

Und wenn einen doch auf einmal alles überrumpelt und der Stress nicht mehr auszuhalten scheint, ist eines ganz wichtig: Wir sind nicht allein! Jeder und jede von uns kennt stressige Situation, und wir alle haben schon Niederlagen (üb)erlebt. In dem ganzen Trubel fällt es oft schwer, seine Umwelt wahrzunehmen. Aktives Zuhören und eine gezielte Wahrnehmung ist dann aber umso wichtiger. Menschen müssen immer unser erstes und wichtigstes Investment sein, unsere Priorität vor anderen Aufgaben. Stressprävention und -bekämpfung sind niemals umsonst, sondern ein Investment in die Gesundheit, und infolgedessen des eigenen Unternehmens!

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einem Leitfaden von Stripe und bietet praktische Ratschläge für das strategische Management von Stress – für Gründerinnen und Gründer in der aktuellen Zeit besonders relevant. Den kompletten Artikel auf englisch sowie viele weitere Tipps für den Aufbau eines Unternehmens hat Stripe in seinen Atlas Guides gesammelt.

Über die Autorin
Dr. Sherry Walling ist die Verfasserin des Originaltextes “Managing Founder Stress” in den Stripe Atlas Guides. Sie arbeitet mit Führungskräften und Unternehmen zusammen, um die Herausforderungen anzugehen, die mit dem Streben nach einem außergewöhnlichen Leben einhergehen. Als klinische Psychologin, Rednerin, Yogalehrerin, Podcasterin, Unternehmerin und Bestsellerautorin schöpft sie sowohl aus ihrem beruflichen Fachwissen als auch aus ihrer persönlichen Erfahrung. Ihr Bestseller “The Entrepreneur’s Guide to Keeping Your Shit Together” verbindet die Sicht einer Therapeutin mit eigenen Erfahrungen aus der Praxis.

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Foto (oben): Shutterstock