#Interview “E-Learning ist aktuell natürlich hoch im Kurs”

Bei lawpilots finden Onliner Schulungen zu Themen wie Datenschutz, Compliance und Arbeitsschutz. "Wir sind inzwischen über 20 Mitarbeiter mit siebenstelligem Umsatz und inzwischen über 900 Kunden aus allen Branchen und Ländern", sagt Mitgründer Philipp von Bülow.
“E-Learning ist aktuell natürlich hoch im Kurs”

Das Berliner Startup lawpilots bietet seit 2017 Online-Schulungen zu Themen wie Datenschutz, Compliance, Arbeitsschutz und Informationssicherheit an. “Die Online-Schulungen werden in Zusammenarbeit mit unserer Partnerkanzlei Schürmann Rosenthal Dreyer und unter enger Einbeziehung unserer Kunden entwickelt. Dadurch bieten die Schulungen eine hohe Praxisrelevanz und prägen sich positiv und langfristig ein”, sagt Philipp von Bülow, der das Unternehmen gemeinsam mit Dieter Kerkfeld, Simone Rosenthal und Kathrin Schürmann gegründet hat.

Die derzeitige Corona-Krise spürt die Jungfirma bisher nicht. “Das erste Quartal 2020 verlief sehr gut. Einzig unsere Expansion in die USA für Datenschutzschulungen zur CCPA mussten wir in der aktuellen Situation leider pausieren und auf die Zukunft verschieben. E-Learning ist aktuell natürlich hoch im Kurs. Die Unternehmen, Behörden und Organisationen schulen ihre Mitarbeiter weiterhin mit uns, da die Online-Schulungen sehr gut im Homeoffice gemacht werden können. Auch wir arbeiten seit Wochen vom Homeoffice aus. Inzwischen haben wir da unseren Rhythmus gefunden und unsere eigenen Erfahrungen in einen eigenen Homeoffice-Kurs gegossen”, führt von Bülow aus.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht der lawpilots-Macher außerdem über Weiterempfehlungsraten, die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Zeit nach der Corona-Krise.

Wie würdest Du Deiner Großmutter lawpilots erklären?
lawpilots schult Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen, Behörden und Organisationen aus ganz Europa mit innovativen Online-Schulungen im Bereich Datenschutz, Compliance, Informationssicherheit und Arbeitsschutz. Wir vermitteln die rechtlich komplexen Inhalte nachhaltig, lernpsychologisch optimiert und unterhaltsam durch eine spannende Mischung aus Beispielen, Videos, Experteninterviews und Infografiken. Die Online-Schulungen werden in Zusammenarbeit mit unserer Partnerkanzlei Schürmann Rosenthal Dreyer und unter enger Einbeziehung unserer Kunden entwickelt. Dadurch bieten die Schulungen eine hohe Praxisrelevanz und prägen sich positiv und langfristig bei den Teilnehmern ein.

Hat sich das Konzept seit dem Start irgendwie verändert?
Nicht wirklich. Wir haben vor der Einführung der DSGVO 2018 mit einem passenden Kurs im Datenschutz gestartet. Was sich verändert hat ist unsere Kurskatalog. Mittlerweile bieten wir über 26 Kurse in bis zu 30 Sprach- und Länderversionen. Dazu haben wir ein Management Cockpit entwickelt, damit unsere Kunden die Schulungen einfacher verwalten können.

Die Corona-Krise trifft die Startup-Szene derzeit hart. Wie und in welcher Form spürt ihr die Auswirkungen?
Bislang spüren wir die Corona-Krise glücklicherweise noch wenig in den Umsätzen — das erste Quartal 2020 verlief sehr gut. Einzig unsere Expansion in die USA für Datenschutzschulungen zur CCPA (California Consumer Privacy Act) mussten wir in der aktuellen Situation leider pausieren und auf die Zukunft verschieben. E-Learning ist aktuell natürlich hoch im Kurs. Die Unternehmen, Behörden und Organisationen schulen ihre Mitarbeiter weiterhin mit uns, da die Online-Schulungen sehr gut im Homeoffice gemacht werden können. Auch wir arbeiten seit Wochen vom Homeoffice aus. Inzwischen haben wir da unseren Rhythmus gefunden und unsere eigenen Erfahrungen in einen eigenen Homeoffice-Kurs gegossen.

Welche langfristigen Auswirkungen erwartest du für lawpilots?
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie lassen sich kaum abschätzen. Vorerst sind wir froh, dass unsere Umsätze stabil sind, um nach der Krise wieder auf Wachstum schalten zu können.
Generell ist nun unsere Zeit: Die Digitalisierung der Arbeitswelt macht gerade einen großen Sprung nach vorne, vor allem in den Köpfen der Menschen. Wo bislang Präsenz als Maß aller Dinge angesehen wurde, funktionieren nun auch Videokonferenzen und digitale Tools. Alle Präsenzschulungen wurden natürlich abgesagt, geschult werden muss trotzdem. Wir gehen davon aus, dass die aktuellen Erfahrungen den allgemeinen Trend zu E-Learnings weiter beschleunigen werden.

Wie genau bereitet ihr euch auf die Zeit nach der Corona-Pandemie vor?
Das Coronavirus stellt uns alle vor beispiellose Herausforderungen. Viele Kunden haben uns gefragt, ob wir helfen können, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dieser schwierigen Zeit zu schützen. Wir möchten einen Beitrag leisten mit dem, was wir am besten können: unterhaltsame und informative Online-Schulungen. Deshalb haben mit lawpilots einen Kurs zum Coronavirus erarbeitet und bieten diesen kostenlos weltweit an. Wie schon angesprochen, veröffentlichen wir aktuell außerdem einen Kurs zum Arbeiten im Homeoffice, augenzwinkernd “Homeoffice Überlebenstraining” genannt. Wir geben hilfreiche Tipps und Tricks für die effiziente und sichere Arbeit daheim. Mit solchen eigentlich fachfremden Themen nutzen wir die Zeit der Krise, um zu helfen und unsere Marke bekannter zu machen.

Anderes Thema: Wie ist überhaupt die Idee zu lawpilots entstanden?
Die Idee entstand bereits 2017, vor dem offiziellen Start der DSGVO (GDPR) im Mai 2018. Mitgründerinnen Simone und Kathrin, die ebenfalls die Kanzlei Schürmann Rosenthal Dreyer einige Jahre zuvor gründet hatten, bekamen von ihren Mandaten zu der Zeit vermehrt Anfragen nach innovativen Online-Schulungen im Datenschutz. Als sie den Markt analysierten, merken sie schnell, dass die bestehenden E-Learnings nicht die Erwartungen erfüllten.

Wie genau funktioniert eigentlich euer Geschäftsmodell?
Die Kunden zahlen eine jährliche Lizenzgebühr pro Mitarbeiter pro Schulung. Darüber hinaus bieten wir Enterprise-Services wie Sprachpakete, Active-Directory-Anbindung und Customizing an.

Wie hat sich lawpilots seit der Gründung entwickelt?
Wir sind in 2018 ziemlich durchgestartet, nachdem wir von vielen Kunden direkt angesprochen wurden. Bereits ein halbes Jahr nach der Gründung wurden die ersten Online-Schulungen verkauft — innerhalb des ersten Jahres waren wir bereits profitabel. Wir bedienen fast ganz Europa mit unserem immer größer werdenden Portfolio an E-Learnings und wachsen stetig.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist lawpilots inzwischen?
Wir sind inzwischen über 20 Mitarbeiter mit siebenstelligem Umsatz und inzwischen über 900 Kunden aus allen Branchen und Ländern.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Gottseidank sind wir von großen Fehlern bislang verschont geblieben. Hier hat uns auch die große Erfahrung des Gründerteams geholfen, von Anfang an professionelle Strukturen zu etablieren.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht?
Das Herzstück ist das Produkt, in unserem Fall unsere Online-Schulungen. Von Anfang an haben wir mit klassischen E-Learning-Paradigmen gebrochen und unseren eigenen Stil verfolgt. Diesen wissen unsere Kunden und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr zu schätzen. Endlich mal Schulungen, die Spaß machen und für den Arbeitsalltag relevant sind. Unsere Teilnehmer danken uns das mit über 90 % Weiterempfehlungsrate.

Wo steht lawpilots in einem Jahr?
In den nächsten zwölf Monaten wollen wir weitere Märkte erschließen und unsere Schulungen weiter flexibilisieren. In den USA sind wir Anfang des Jahres gestartet, da dort das kalifornische Datenschutzgesetz (CCPA) ab Mitte 2020 durchgesetzt werden wird. Brasilien, Südafrika und Indien arbeiten ebenfalls an Datenschutzgesetzen, die sich am europäischen Datenschutzrecht orientieren — hier sind wir Experten. Das hängt natürlich stark vom Ausgang der Corona-Krise ab, aktuell sind die Bemühungen pausiert. Dazu überlegen wir in weitere Branchen zu gehen, die stark reguliert sind: Banken, Versicherung, Energie und Gesundheit.

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Foto (oben): lawpilots

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.