#Gastbeitrag Wer ein Startup gründet, muss das Rad nicht neu erfinden!

Bei der Gründung eines Startups sollte einem klar sein, dass man mit den Mitgründern unter Umständen eine lange Zeit zusammenarbeitet. Sie sollten daher mit Bedacht gewählt werden. Ganz am Anfang ist der Enthusiasmus oft groß, dass unterschiedliche Auffassungen über Details einfach weggelächelt werden.
Wer ein Startup gründet, muss das Rad nicht neu erfinden!

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne – so sagt man. Die meisten Gründer kennen dieses Gefühl: Ganz zu Beginn steht ein Mangel oder ein Problem, das einen schon länger beschäftigt und man geht voller Tatendrang ans Werk, um es zu lösen. Die eigene Geschäftsidee konkretisiert sich, man macht sich an den Businessplan und die ersten Pitches. Dann aber wird man auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Kunden kommen viel zu langsam, das Produkt verkauft sich viel zu schlecht und im hippen Coworking Space gibt es jeden Tag nur dicke Luft. So gut wie keine Gründungsgeschichte verläuft reibungslos, Rückschläge gibt es mehr als nur einmal. Viele Situationen hat fast jeder Gründer einmal erlebt, zu einigen davon gibt es hier hilfreiche Tipps.

Das liebe Geld

Zu Beginn der Startup Gründung steht immer die Frage nach dem ersten Geld. Gerade in der Anfangsphase ist die Versuchung groß, möglichst schnell viel Kapital einzusammeln. So werden in einem sehr frühen Stadium oft große Anteile des neugegründeten Unternehmens verkauft, um Startkapital einzunehmen. Oft kommt es dann aber später zu Konflikten, weil die ersten Investoren hohe Anteile am Startup halten, von denen schließlich ein Teil an weitere Investoren gehen soll.

Um dieses Problem zu verhindern, kann es sinnvoll sein, zunächst mit einem ersten Prototyp oder einer ersten App Version Erfahrungen und Daten zu sammeln. Mit diesen Ergebnissen und einer besseren Datengrundlage ist es oft möglich, bessere Konditionen und größere Erstinvestments auszuhandeln. 

Drum prüfe, wer zusammen gründet

Bei der Gründung eines Startups sollte einem klar sein, dass man mit den Mitgründern unter Umständen eine sehr lange Zeit zusammenarbeitet. Sie sollten daher mit Bedacht gewählt werden. Ganz am Anfang ist der Enthusiasmus aber oft so groß, dass unterschiedliche Auffassungen über Details oder spätere Ziele einfach weggelächelt werden. „Wir packen das“ ist das Motto der ersten Stunden.

Gerade als Erstgründer fehlt aber nicht selten ein Netzwerk an Experten und Geschäftspartnern. So ist man auf sich und seine Mitgründer gestellt, wenn es darum geht, das Startup erfolgreich zu machen. Wer in dieser Phase nicht an einem Strang zieht, gerät schnell ins Hintertreffen. Gemeinsam ein Unternehmen zu gründen, ist ein bisschen wie Heiraten. Darum sollten sich potenzielle gemeinsame Gründer von Anfang an nicht nur über die großen Ziele einig sein, sondern auch schon über etwaige Strategien und Vorgehensweisen in bestimmten Krisensituationen. So können spätere Rosenkriege verhindert werden.

Spicken erlaubt

Wer ein Startup gründet, muss das Rad nicht neu erfinden! Es funktioniert schon ganz wunderbar so wie es ist. Das lässt sich auch auf junge Unternehmen übertragen. Sich inspirieren zu lassen von anderen, gut laufenden Modellen und sie zu adaptieren, ist nichts Verwerfliches. Natürlich muss man sich mit dem eigenen Produkt oder Service auseinandersetzen, aber am Ende entscheidet oft ein funktionierendes Geschäftsmodell über das Schicksal des jungen Startups und nicht ein perfekt ausgereiftes Produkt. Das kann in einer späteren Phase immer noch weiterentwickelt werden. Also traut euch, denn spicken ist nur in der Schule verboten!

Die Idee funktioniert, nur eben anders

„Irgendwie kommt die Geschäftsidee nicht an“, dieses Gefühl kennen viele Gründerinnen und Gründer. Investoren sind skeptisch, der Verkauf kommt nicht in Schwung, nichts scheint zu funktionieren und die Erfolgsspur ist nicht in Sicht. 

Viele Ideen können aber anders funktionieren als zunächst gedacht. Daher sollte man sich seine Geschäftsidee auch einmal in einem anderen Kontext oder mit einer anderen Zielgruppe vorstellen. Denn vielleicht ist die Idee gut, aber einfach nur in die falsche Richtung gedacht.

Verkauft sich ein B2C Produkt oder Service schlecht, liegt das möglicherweise einfach an der Zielgruppe. 

Runde um Runde

Aktuell ist eine Menge Geld im Markt unterwegs, und die Zahl der Ventures steigt. Wer in dieser Situation ein Stück vom Kuchen abhaben will, der muss mit einem kosteneffizienten Modell überzeugen, das sich zudem noch leicht skalieren lässt. Aber nicht nur das eigene Modell sollte stimmen, auch der Zielmarkt darf nicht zu klein gewählt werden.

Leider gibt es immer wieder Branchen und Sektoren, in denen sich schon einige vor euch die Finger verbrannt haben und schlussendlich gescheitert sind. Das hat sich bei vielen Investoren rumgesprochen, weswegen ihr besonders gut argumentieren müsst, wenn ihr in einem bestimmten Segment unterwegs seid.

Hier müsst ihr ganze Arbeit leisten, um überzeugen zu können. Zeigt, wie stark euer Team wirklich ist, welche Auf und Abs schon hinter euch liegen und wie ihr sie gemeistert habt. Vor allem aber macht klar, dass der Markt riesiges Potential bietet und von euch aufgemischt werden kann. 

Es lohnt sich

Auf dem Weg zum erfolgreichen Startup gibt es zahlreiche Hindernisse und Unwägbarkeiten. Mit den Hinweisen in diesem Text kann die ein oder andere schwierige Situation vielleicht besser gemeistert werden. Bei all den möglichen Fehlern, die man als Gründer begehen kann, sollte man aber nicht vergessen: der Größte Fehler beim Gründen ist der, nicht zu gründen.

Über den Autor
Felix Ohswald ist Co-Founder und CEO der digitalen Nachhilfeplattform GoStudent. Das Startup hat der 23-jährige Wiener im Januar 2016 gemeinsam mit Gregor Müller (COO & CO-Founder), Stephen Horvath (CTO) und seinem jüngeren Bruder Moritz Ohswald (Community Manager) gegründet. Das Angebot wird monatlich von 500.000 aktiven Schülern genutzt, täglich gehen 4.000 Userfragen ein. Der direkte Nachhilfeservice wird von etwa 1.500 Schülern regelmäßig genutzt. Seine chatbasierte Lernplattform gründete Ohswald während seines Studiums an der ETH Zürich, wo er seinen Master in Quantitative Finance abgeschlossen hat.

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