#Hintergrund Waterdrop: Wie die große Vision den Deal klar macht #DHDL

Waterdrop trat mit der Vision an, den verheerenden Plastikmengen den Kampf anzusagen. Auch wenn das Design und die bisherigen Verkaufserfolge sicherlich Einfluss hatten, war es am Ende eben doch nicht irgendein schon recht erfolgreiches Jungunternehmen, sondern eben eines mit der ganz großen Vision.
Waterdrop: Wie die große Vision den Deal klar macht #DHDL

Es gibt viele Einflussfaktoren darauf, ob ein Investor in ein Startup investiert oder nicht. Und es gibt viele Kennzahlen, die Investoren wichtig sind, um zu einer Entscheidung zu kommen, auch abseits des Umsatzes. Doch manchmal ist es die ganz große Vision, die den Ausschlag gibt. Was klingt wie ein modernes Märchen, wurde diese Woche in “Die Höhle der Löwen” Realität. Auch wenn der Deal nach der Show dann doch nicht zu Stande kam bzw. nur zur Hälfte durchgezogen wurde.

Aber diese Geschichte beginnt natürlich nicht mit „es war einmal“. Diese Geschichte beginnt mit den Gründern Christoph Hermann, Martin Donald Murray und Henry Wieser.  Einer der Gründer bekam auf einem Flug Wasser serviert und kam dabei auf die Idee, dass er gerne etwas bei sich hätte, womit er dem Wasser schnell und unkompliziert – und am Besten ohne viel Zucker und Chemie – Geschmack verleihen könnte. Eine Analyse des Getränkemarktes lieferte nicht nur die Erkenntnis, dass es ein Produkt nach seiner Vorstellung noch nicht gab, sondern verdeutlichte auch die enorme Produktion an Plastikflaschen und die daraus resultierenden Müllmengen, die unsere Gesellschaft hervorbringt.

Das so entstandene Produkt Waterdrop – ein sich selbstständig im Wasser auflösender Geschmackzusatz – soll zuckerarm und den neuesten Trends zur funktionalen Ernährung folgend jederzeit schnell und einfach Geschmack ins Wasser bringen.

Dieser Trend schlug in Österreich Anfang 2017 voll ein, Deutschland folgte zunächst einmal über einen Online-Shop, und bis Ende des gleichen Jahres hatte die junge Firma bereits Waterdrops im Wert von 670.000 Euro verkauft. In nur einem Jahr wurden die Vertriebskanäle Online-Shop, eigene Pop-up Stores, Handel und Firmenvertrieb initialisiert und ausgebaut. Kennzahlentechnisch natürlich kein schlechter Anfang. Doch die aufgerufene Post-Money-Bewertung von 10 Millionen Euro macht den Deal auch nicht unbedingt zum Schnäppchen, auch wenn die Umsatzplanungen der Gründer vor dem Hintergrund der bisherigen Umsätze zwar ambitiös, doch nicht hoffnungslos übersteigert klangen. Schnell wurde auch klar, dass die Gründer nicht mehr allzu viel Verhandlungsspielraum in ihrem Angebot hatten. Wie in wahrscheinlich jedem bisher in der Höhle gesehenen Deal, der über die 10 Millionen-Bewertungsgrenze ging, gab es auch bei Waterdrop schon frühere Investments.

Denn selbst bei noch so großen Vorteilen, die ein Investor mit sich bringt, wird sich jeder Gründer nur geringfügig unter die Post-Money-Bewertung der letzten Runde verhandeln lassen, um nicht zu viele seiner Anteile bei einer sogenannten Downround zu verlieren. Eine gute Abwägung zwischen der möglichen Wertsteigerung durch die Unterstützung des neuen Investors z.B. im Vertrieb, und dem direkten Verlust bzw. der Verwässerung der eigenen Unternehmensanteile ist also angesagt. Oft haben Investoren auch ein gewisses Verständnis für die bisherige Finanzierungshistorie, sofern die Gründer hier keine groben Fehler gemacht haben. Ein erfahrener Investor hat auch kein Interesse daran, dass die Gründer hinterher nur noch wenige Anteile haben,  denn so könnten sie sich mit ihrem Unternehmen weniger verbunden fühlen und schlussendlich auch die intrinsische Motivation sinken. Doch wenn eine scharfe Untergrenze bei der Verhandlung zu spüren ist, die sich aus diesen und natürlich noch weiteren Faktoren zusammensetzen kann, entscheidet letztlich keine Kennzahl, sondern vor allem bei Privatinvestoren der Wille, an diesem Unternehmen und dem, was es einmal werden will, teilzuhaben. Harte Zahlen rücken in den Hintergrund, und „weiche“ Faktoren wie die übergeordnete Vision spielen die Hauptrolle.

Waterdrop trat mit der Vision an, den verheerenden Plastikmengen, die von Getränkeflaschen Jahr für Jahr verursacht werden, den Kampf anzusagen. Auch wenn das vielgelobte Design und die bisherigen Verkaufserfolge sicherlich Einfluss hatten, war es am Ende eben doch nicht irgendein schon recht erfolgreiches Jungunternehmen, dem Dagmar Wöhrl und Ralf Dümmel den Deal von 1 Million Euro zusagten, sondern eben eines mit der ganz großen Vision, die Welt ein Stück besser zu machen. Leider investierte Löwe Dümmel nach der Show dann doch nicht in Waterdrop. Vor allem, weil die Gründer mit der “flächendeckenden Platzierung in Deutschland” noch warten wollten.

Zur Autorin
Ruth Cremer ist Mathematikerin und Beraterin sowie Hochschuldozentin im Bereich Geschäftsmodelle, Kennzahlen und Finanzplanung. Als ehemaliger Investment Manager weiß Sie, worauf Investoren achten und hilft bei Pitch- und Dokumentenvorbereitung auch im Investment- oder Akquisitionsprozess. In der aktuellen fünften Staffel von “Die Höhle der Löwen” war sie als externe Beraterin in die Auswahl und Vorbereitung der Kandidaten involviert.

ds-Podcast mit Frank Thelen

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Löwe Frank Thelen über geplatzte Deals bei “Die Höhle der Löwen”, die Kunst, die richtige Bewertung zu finden, Insolvenzen und die Zukunft der Digitalwelt.

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Foto (oben): VOX