#Gastbeitrag Tipps zum Gründen in der Provinz

Gründen in einer Kleinstadt hat seine Vorteile. Man muss sich derer nur bewusst sein. In Berlin hat man vielleicht eine größere Auswahl an Netzwerken, Partnern und Investoren, aber darunter sind eventuell auch viele Angebote, die einen nicht wirklich weiterbringen.
Tipps zum Gründen in der Provinz

Ein eigenes Unternehmen zu gründen ist für viele Menschen ein Traum. Jedoch scheitert dessen Verwirklichung oft an Hürden, die man sich selbst setzt. Die Deutschen haben viele neue Geschäftsideen, entscheiden sich jedoch gegen eine Unternehmensgründung, was oft an Faktoren wie der umfangreichen Bürokratie oder fehlendem Startkapital liegt. In Städten wie Berlin, Hamburg, Köln oder München gibt es zwar zahlreiche Startups, abseits der Metropolen wie auch auf Bundesebene sinkt hingegen die Zahl der Unternehmens-Neugründungen. Auch wenn Formate wie „Die Höhle des Löwen“ eine andere Realität widerspiegeln.

In den deutschen Großstädten – nicht zuletzt Berlin –  in denen der Startup-Boom spürbar ist haben sich viele Netzwerke für Unternehmer und Gründer entwickelt. Dort leben zahlreiche Experten und Menschen mit Berufserfahrung, die bei einer Gründung Expertise und Tipps liefern können. Ebenso finden dort alle wichtigen Events statt, die man als Gründer besuchen sollte. Je kleiner jedoch die Stadt, desto schwieriger ist es, ein derartiges Netzwerk zu finden. In Kleinstädten gibt es nur wenige bis gar keine Startups, von denen man sich Tipps holen könnte. Mein Gründerpartner Marco und ich mussten uns daher mühevoll Experten und Mentoren mit Erfahrungen suchen und in der nächstgrößeren Stadt ein Netzwerk aufbauen. Das erfordert viel Kreativität, Zeit und Durchhaltevermögen.

Dennoch kann ich sagen, dass Gründen in einer Kleinstadt seine Vorteile hat. Man muss sich derer nur bewusst sein. In Berlin hat man vielleicht eine größere Auswahl an Netzwerken, Partnern und Investoren, aber darunter sind eventuell auch viele Angebote, die einen nicht wirklich weiterbringen. In kleineren Städten, wie in unserem Fall Offenburg, sind die Kontakte bodenständig, solide und loyal, man hilft sich gegenseitig. Auch die Suche nach Mitarbeitern gestaltet sich in Kleinstädten etwas anders. Als cooles Startup hat man natürlich einerseits schon fast ein Alleinstellungsmerkmal und kann zum Beispiel junge Menschen direkt von der Uni rekrutieren. Andererseits ist es wahnsinnig schwierig und eine große Herausforderung, Mitarbeiter mit Expertenwissen und mehrjähriger Berufserfahrung zu finden. Diese sind oft in großen Unternehmen oder in den Metropolen angestellt. Man muss sie sich dementsprechend mit viel harter Arbeiet zusammensuchen. Dabei heißt es kreativ zu sein, Mitarbeiter durch Anreize zu locken und zu binden oder auch gleich selbst auszubilden. Die Loyalität der Mitarbeiter in kleineren Städten ist ein großer Vorteil, sodass es umso mehr lohnt, sich nicht nur als guter und attraktiver Arbeitgeber darstellen sondern auch einer zu sein.

Wir waren am Anfang ein kleines Team und somit flexibel in der Wahl der Büroräume. Die Mietpreise in Kleinstädten sind definitiv geringer. Allerdings kann die Knappheit von Büroräumen zum Problem werden. Je mehr unser Startup gewachsen ist, desto schwieriger wurde es, für unseren Ansprüchen entsprechende Büroräumlichkeiten zu finden. Dabei mussten wir zwischenzeitlich Kompromisse eingehen. Doch auch hier lohnt es sich am Ball zu bleiben und nach einer Lösung zu suchen. Nicht nur über das Internet, sondern auch über die persönlichen Kontakte.

Ein weiterer Punkt, der sich oft schwierig gestaltet ist der Kontakt zu Partnern, Presse und Investoren, da diese meistens nicht vor Ort sind, sondern in den entfernten Metropolregionen sitzen. Daher ist die Koordination von Terminen manchmal eine Herausforderung. Meine Empfehlung ist daher immer, mehrere Termine miteinander zu verbinden.

Gerade als junger Gründer steht man am Anfang vor einigen Hürden und Herausforderungen. Da ist es ein großer Vorteil, wenn man ein bodenständiges Umfeld hat. Familie und Freunde können einen unterstützen, diese Verbundenheit hat man meist in einer schnellen, internationalen Großstadt nicht. Dennoch sollte man sich vom konservativen Umfeld lösen und seinen eigenen Weg gehen, an seine Stärken glauben und mutig sein, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Über den Autor
Fabian Silberer ist Gründer und Geschäftsführer von
sevDesk, einer cloudbasierten Buchhaltungssoftware für Selbstständige und Kleinunternehmer. Im Jahr 2013 gründete er zusammen mit seinem damaligen Studienfreund Marco Reinbold das Software-Startup, welches heute mehr als 65.000 Kunden vorweisen kann.