#Hintergrund Kuchentratsch: Der Social Business-Effekt als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor #DHDL

Auch Investoren essen gerne Kuchen. Daher hatten Katharina Mayer und Anna Bründermann von Kuchentratsch einen dankbaren Start bei DHDL. Doch so gut die Kuchen auch geschmeckt haben, das war sicherlich nicht der Grund für das Investment von Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl.
Kuchentratsch: Der Social Business-Effekt als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor #DHDL

Social Entrepreneurship, also das Verfolgen eines nicht rein auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Unternehmensmodells, wurde lange Zeit von vielen nicht als „richtiges“ Unternehmertum betrachtet. Denn das verfolgen von sozialen Zielen neben den wirtschaftlichen muss schließlich zu Lasten letzterer gehen, oder? Oder. Denn daraus können USP, Wertversprechen und das ganze Geschäftsmodell manchmal auch erst entstehen. Kuchentratsch macht es vor, mit Umsatz- und Wachstumszahlen, über die sich auch jeder „richtige“ Unternehmer freuen würde.

Natürlich essen auch Investoren gerne Kuchen. Daher hatten Katharina Mayer und Anna Bründermann von Kuchentratsch mit ihren von Senioren gebackenen Kuchen einen dankbaren Start in der Höhle. Doch so gut die Kuchen auch geschmeckt haben, das war sicherlich nicht der Grund für das Investment von Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl.

Denn das Unternehmen punktete mit bereits knapp 1000 Kunden und Umsätzen in Höhe von 200.000 Euro in 2017. 2018 soll diese Zahl verdoppelt werden, die entsprechende Produktion ist mit den derzeitigen Einrichtungen noch möglich. Doch auch andere Zahlen können sich durchaus sehen lassen: Bei Herstellungskosten von 9 Euro und einem Verkaufspreis von 34,90 Euro bleibt eine durchaus beachtliche Marge. Bei Fixkosten von 15.000 Euro, die damit gedeckt werden müssen, müssen rund 580 Kuchen im Monat verkauft werden, was bei Kuchentratsch aber auch schon mal mit nur einem großen Auftrag abgedeckt wird. Zwar ist das Unternehmen bisher noch nicht profitabel, das lag aber vor allem daran, dass weiter Personal aufgebaut wurde, sobald die Mittel dafür absehbar zur Verfügung standen.

Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Investment sei auf Grund der guten Zahlen in dieser frühen Phase trotz des starken sozialen Effekts der Beschäftigung von Senioren zu Stande gekommen. Doch „trotz“ ist hier die falsche Präposition. Denn bei Kuchentratsch ist der soziale Aspekt von zentraler Bedeutung für das Geschäftsmodell: führt man sich z.B. das Business Model Canvas vor Augen, erkennt man schnell, dass eine der Schlüsselaktivitäten des Unternehmens, nämlich das Backen der Kuchen,  von den Senioren ausgeführt wird. Doch hier hört es noch längst nicht auf: zumindest die Rezepte, die die Senioren mitbringen, sind auch Schlüssel-Ressourcen. Doch warum ist der Vertrieb so erfolgreich, und vor allem große Firmen lassen sich so gut von den Kuchen begeistern?

Die Antwort führt zum Kern des Geschäftsmodells: nicht nur der Geschmack der Kuchen ist durch die oft Generationen-alten Rezepte etwas besonderes, sondern der Kuchen an sich, der mit Bild und Gruß der Rentner kommt, wirkt auch direkt viel persönlicher und hochwertiger. Das Unternehmen, dass zumeist seine eigenen Kunden und Mitarbeiter mit dem Kuchen beschenkt, kann also davon ausgehen, dass nicht nur das Geschenk besonders gut ankommt, sondern dass gleichzeitig noch etwas von dem positiven Image des Social Businesses auf es „abfärbt“. Das Wertversprechen ist also qualitativ in verschiedenen Aspekt: Produkt, menschlicher Faktor und Effekte auf das eigene Image. Somit können dann auch die Senioren selbst als Schlüssel-Ressourcen betrachtet werden, da ohne sie das Werteversprechen nur zu einem wesentlich kleineren Teil erfüllt wäre.

Zusätzlich hat Kuchentratsch sein Produkt mit 34,90 Euro – also knapp unter der gesetzlichen Grenze für Firmengeschenke von 35 Euro – auch noch sehr schlau bepreist. Der vergleichsweise hohe Preis für einen Kuchen kann mit den besonderen Rezepten und dem sozialen Aspekt, den man als Kunde mit dem Kauf unterstützt, durchaus gut kommuniziert werden.

So wird also schließlich ein sozialer Aspekt eines Geschäftsmodells, der für viele nur ein „nice-to-have“ ist, zum entscheidenden Faktor für das Werteversprechen des Unternehmens. Und im Falle von Kuchentratsch sieht man sehr schön, wie er das Wachstum treibt, statt nur nicht im Weg zu stehen.

Zur Autorin
Ruth Cremer ist Mathematikerin und Beraterin sowie Hochschuldozentin im Bereich Geschäftsmodelle, Kennzahlen und Finanzplanung. Als ehemaliger Investment Manager weiß Sie, worauf Investoren achten und hilft bei Pitch- und Dokumentenvorbereitung auch im Investment- oder Akquisitionsprozess. In der aktuellen fünften Staffel von “Die Höhle der Löwen” war sie als externe Beraterin in die Auswahl und Vorbereitung der Kandidaten involviert.

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Foto (oben): VOX